Der „Landshut“ nicht würdig

Keine Gedenkstätte am ehemaligen Flughafen Riem 

Bei einem großen Festakt am Flughafen Riem ist der Lufthansa „City Jet“ vom Typ Boeing 737-200 am 7. August 1970 auf den Namen „Landshut“ getauft worden. Gut sieben Jahre später erlangte die Maschine durch ihre Entführung durch vier palästinensische Terroristen der PFLP-SC traurige Berühmtheit. Eine Gedenkstätte aber wird es am ehemaligen Flughafen nicht geben. Der Ort sei nicht würdig genug, so die Stadt München.
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Bei einem großen Festakt am Flughafen Riem ist der Lufthansa „City Jet“ vom Typ Boeing 737-200 am 7. August 1970 auf den Namen „Landshut“ getauft worden. Gut sieben Jahre später erlangte die Maschine durch ihre Entführung durch vier palästinensische Terroristen der PFLP-SC traurige Berühmtheit. Eine Gedenkstätte aber wird es am ehemaligen Flughafen nicht geben. Der Ort sei nicht würdig genug, so die Stadt München.
  • vonThomas Fischer
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Die „Landshut“ hat durch die Flugzeugentführung am 13. Oktober 1977 traurige Berühmtheit erlangt. Eine Gedenkstätte am ehemaligen Flughafen in Riem wird die Maschine aber nicht bekommen. Denn dieser Standort ist nicht würdig genug.

Stadtrat Sebastian Schall (CSU) hatte im September vergangenen Jahres die Idee, eine Gedenkstätte für die „Landshut“ am ehemaligen Flughafen in Riem zu erreichten. Sein Vorstoß sah vor, an die Beauftragte der Bundesregierung heranzutreten und die aktuellen Planungen zum endgültigen Verbleib der „Landshut“ sowie den aktuellen Planungsstand zum endgültigen Verbleib der „Landshut“ zu prüfen und, unter Berücksichtigung der Entscheidungen auf Bundesebene, das Gelände des alten Flughafen Riem als möglichen Standort zu beurteilen.

Doch daraus wird nichts, wie aus der jetzt vorliegenden Antwort von Kulturreferent Anton Biebl hervorgeht. Darin bezieht sich Biebl auf eine Stellungnahme des Münchner Stadtmuseums. Demnach handle es sich bei der „Landshut“ um ein Erinnerungsstück, anhand dessen die Geschichte des „Deutschen Herbst“ erzählt werden könne. „Jedoch werde eine Präsentation der Boeing 737-200C am ehemaligen Münchner Flughafen Riem der inhaltlichen Bedeutung und Aussage des Objektes in keiner Weise gerecht.“ Seine Bedeutung habe dieses Passagierflugzeug wegen der Geiselnahme durch Terroristen der PFLP-SC und deren Auswirkungen erlangt, die jedoch nicht mit München oder dem Flughafen München-Riem in Zusammenhang stehen würden. Einzig die Taufe des Flugzeugs ließe eine solche Verbindung herstellen. Diese bewertet das Münchner Stadtmuseum jedoch angesichts des Gesamtkontextes als nachrangig.

Zudem gibt das Stadtmuseum zu bedenken, dass für die Ortswahl zudem Erfordernisse an den Umgang mit technikhistorischen Großobjekten gestellt würden. Diese Erfordernisse seien bereits im Planungsstand auf Bundesebene berücksichtigt. Laut dem Bundestagsabgeordneten Martin Gester sei ein Teil der etatisierten 15 Millionen Euro zur konservatorischen Behandlung und Restaurierung des Flugzeugs, zum Bau einer Leichtbau-/Fertighalle und deren technischer und musealer Ausstattung durch die noch zu gründende Stiftung „18. Oktober 1977“ (Arbeitstitel) als Trägerin veranschlagt. Demnach soll die „Landshut“ in Friedrichshafen präsentiert werden.

„Das übergeordnete Anliegen, der Geschichte des ehemaligen Flughafens München-Riem mehr Beachtung in der Erinnerungskultur der Stadt zu verschaffen, ist aus Sicht des Kulturreferats uneingeschränkt unterstützenswert“, heißt es in der Stellungnahme. Für künftige Projekte, die dieses Anliegen zum Zweck haben, könnten Fördermittel bereitgestellt werden. Informationen zu möglichen Förderungen und Förderkriterien erhalten Interessierte unter https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kulturreferat/Kulturfoerderung/Foerderkriterien.html.

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