1. hallo-muenchen-de
  2. München
  3. München Ost

Dominoeffekt vermeiden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Berühmte Komponisten wie Richard Wagner oder Johann Strauß gaben der Haarer Musikersiedlung ihren Namen. Die Bebauung der Gegend ist kleinteilig – und soll es auch bleiben. © hv

Baulichen Wildwuchs könnte den Charakter des Musikerviertels zerstören. Da ist sich der Gemeinderat einig. Während die CSU die Angelegenheit aber gerne vertiefend im Bauausschuss diskutiert hätte, setzte sich die SPD mit ihrem Antrag durch, für das Areal einen vereinfachten Bebauungsplan aufzulegen.

„Musikerviertel“ nennt man in Haar den Bereich zwischen B304, B471, Mozart- und Beet- hovenstraße. Kleinteilige Bebauung charakterisiert diese Siedlung, doch die vergleichsweise großen Grundstücke könnten beim einen oder anderen Besitzer die Lust auf Verdichtung und damit warmen Geldregen wecken.

Das fürchtet auch der Gemeinderat, der die Einzigartigkeit des Viertels schützen möchte. Weil es für das Gebiet keinen Bebauungsplan gibt, müssen Bauanträge nach Paragraf 34 beurteilt werden. Dies bedeutet, als Bezugsfall wird die Umgebungsbebauung herangezogen. Die könnte sich aber schleichend von den höheren Gebäuden an den großen Ausfallstraßen in die Siedlung ausbreiten, bis nach und nach vom Musikerviertel – wie man es kennt – nicht mehr viel übrig ist.

Die SPD-Fraktion beantragte deshalb die Aufstellung eines vereinfachten Bebauungsplans innerhalb der Grenzen des Areals, welches von B304, B471, Mozart- und Beethovenstraße eingeschlossen wird. Die drei Ziele: Erhalt des Siedlungscharakters , eine höhere Bebauung entlang der B304 und der B471 – falls dies dem Musikerviertel wirkungsvollen Lärmschutz bringt – sowie die Maßgabe, dass sich die innere Bebauung nicht an der Höhenentwicklung entlang der Bundesstraßen orientieren darf.

„Irgendwann holt uns der Siedlungsdruck der Landeshauptstadt ein. Wir wollen einen Dominoeffekt vermeiden. Der SPD geht es nur darum, den Wohnungsbau so zu strukturieren, dass er ästhetisch okay ist“, erklärte SPD-Fraktionschef Alexander Zill auf der jüngsten Gemeinderatssitzung.

CSU-Sprecher Dietrich Keymer erwiderte: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Antrag, aber heute ist es dafür noch zu früh! Es wäre vielleicht ein Prüfantrag und der Bauausschuss dafür das richtige Gremium.“ Es sein sinnvoll, dass die Verwaltung erst den Ist-Stand prüfe und dem Bauausschuss mitteile. Das aber lehnte Zill ab, denn „die Zeit drängt. Es soll einen vereinfachten Bebauungsplan geben, die Verwaltung muss nur prüfen, mit welchen Mitteln das erreicht werden kann“.

Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) betonte, die Idee des Bebauungsplans sei nicht neu. Der letzte sei am Lärmschutz gescheitert, den die Anwohner hätten zahlen sollen. „Wir fangen nicht mehr bei Null an“, so Müller.

Keymer schlug vor, die Fakten fundiert für den Bauausschuss aufzubereiten und dort Zeichen zu setzen. Thomas Reichel (CSU) erinnerte sich, dass doch eine Studie in Auftrag gegeben worden sei. „Die soll im März fertig sein und würde die Arbeit am Bebauungsplan prima ergänzen“, erklärte Gabriele Müller. Gegen die Stimmen der CSU beschloss der Gemeinderat den SPD-Antrag und beauftragte die Verwaltung mit der Durchführung eines vereinfachten Bebauungsplanverfahrens. Gabriele Mühlthaler

Auch interessant

Kommentare