Bauwirtschaft als Zugpferd der Konjunktur

Riem: Europas wichtigste Fachmesse für Architektur, Materialien, Systeme läuft noch bis Samstag

Im Münchner Osten geht es diese Woche rund! Die BAU 2009, Europas wichtigste Fach- und Leitmesse für Architektur, Materialien, Systeme hat noch bis Samstag, 17. Januar, ihre Pforten geöffnet und erwartet um die 200.000 Besucher aus aller Welt. Die reine Fachmesse (keine Publikumsmesse) der Messe München, die alle zwei Jahre auf dem Messegelände in München-Riem stattfindet, ist der Treff für Planer, Investoren, Bauhandwerker und den Handel aus ganz Europa und darüber hinaus. Hotels und Pensionen im Münchner Osten sind fast gänzlich ausgebucht. Zur und von der Messe Riem ist mit einem höheren Verkehrsaufkommen als sonst zu rechnen. Seit jeher ist die Bauwirtschaft das konjunkturelle Zugpferd! Springt die Bauwirtschaft an, dann folgt auch der Rest der Wirtschaft. Mit diesem Selbstverständnis präsentierten sich jüngst die Verantwortlichen der BAU 2009 in dem aktuell konjunkturell schwierigen Umfeld. „Wir sind seit einem Jahr komplett ausgebucht“, betonte Dr. Reinhard Pfeiffer, Geschäftsführer der Messe München GmbH, anlässlich der Hauptpressekonferenz zur BAU 2009 über den Dächern von München, in der Skylounge des „Ten Towers Telekom Center“ in Berg am Laim. Komplettes Messegelände in München-Riem ist ausgebucht Zum zweiten Mal nach 2007 ist das komplette Gelände der Messe München mit 180.000 Quadratmetern Hallenfläche belegt. Die Stornierungen erfolgten laut Pfeiffer etwa im gleichen Umfang wie im Vorfeld der BAU 2007, es gab also nicht mehr oder weniger Stornierungen zur BAU 2009 als im konjunkturstarken Umfeld der BAU 2007. Es existiere sogar eine Warteliste mit 200 Unternehmen, die gerne einen Standplatz bekommen hätten. „Wir haben gelernt unsere eigene Konjunktur zu machen. Wir wissen, dass es einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Vergangenheit nur dann gegeben hat, wenn die Bauwirtschaft mit ihrer volkswirtschaftlichen Wertschöpfung Zugpferd dieser Konjunktur war“, ergänzte Dieter Schäfer, Vorsitzender des Ausstellerbeirats der BAU 2009. Die Grundstoffindustrie, die der Bauindustrie zugerechnet werde, sei der Konjunkturmotor schlechthin und den gelte es wieder ans Laufen zu bekommen. „Insoweit sind wir als Aussteller nicht bereit, uns an den Aussagen der Experten oder Sachverständigen zu orientieren. Wären wir diesen Ratschlägen gefolgt, sähe es wahrscheinlich noch schlimmer aus.“ Bauunternehmen bewahren einen „kühlen Kopf“ Die dramatischen Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise haben auch die Bevölkerung in Deutschland sichtlich verunsichert. „Und die Politiker rätseln darüber, wie sie am besten die abflachende Konjunktur wieder auf Trab bringen“, so Erich Gluch vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Etwas überspitzt könnte man sagen: Lediglich die Bauunternehmen bewahrten in Deutschland einen „kühlen Kopf“. So habe sich das Geschäftsklima bei diesen seit Anfang 2007 zwar auch abgekühlt – aber bei weitem nicht so kräftig wie in der gewerblichen Wirtschaft und dem Handel. Energieeffizientes Bauen Wichtiges Leitthema der BAU 2009 ist Energieeffizientes Bauen (Fassadentechnologie, Solartechnologie, Wärmedämmung, Passivhaus, Energiemanagement). Reinhard Pfeiffer: „Das dies ein absolutes Top-Thema ist, zeigt sich u.a. darin, dass Gebäude etwa 40 Prozent der Energie in der EU verbrauchen. Darüber hinaus gibt es Berechnungen, wonach 87 Prozent des gesamten Energiebedarfs in deutschen Haushalten für Heizung und Warmwasser benötigt wird. Geschätztes Einsparpotenzial: bis zu 80 Prozent!“ Das ist nur ein Teilaspekt; die Gewinnung von Energie, Stichwort Solartechnik, ist hierbei noch gar nicht berücksichtigt. Barrierefreies Bauen Barrierefreies Bauen meint Gebäude so zu bauen, zu gestalten und einzurichten, dass sie für jedermann, ob mit oder ohne körperliche Beeinträchtigung, ob alt oder jung, offen und nutzbar sind. Pfeiffer: „Nur ein Beispiel, um die Bedeutung dieses Themas herauszustellen: Bis 2025 wird der Anteil der über 64-Jährigen in Europa auf 24 Prozent klettern. Im Jahr 2000 waren es noch 16,5 Prozent.“ Hoher Sanierungsbedarf Energieeffizienz und barrierefreies Bauen spielen eine herausragende Rolle auch beim Bauen im Bestand. Der Begriff umreißt die Sanierung, Renovierung und Modernisierung von Gebäuden. In Deutschland werden rund 60 Prozent der gesamten Wohnungsbauinvestitionen im Bestand erbracht. Umfangreiches Rahmenprogramm „In unseren Foren, die mitten im Messegeschehen platziert sind, erläutern Experten, was die Aussteller an ihren Ständen zeigen“, so Pfeiffer. Sie werfen aber auch einen Blick in die Zukunft des Bauens. Wie werden die Städte von morgen aussehen und wie versorgen sich moderne Gebäude selbst mit Energie? In zahlreichen Sonderschauen werden bestimmte Themen aufgegriffen und Materialien, Techniken und Systeme quasi erlebbar gemacht. Zudem finden zahlreiche Kongresse, Symposien, Workshops und natürlich Preisverleihungen statt. Zum Beispiel hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erstmals Zertifikate zum „Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“ bei der BAU 2009 verliehen. Bodo-Klaus Eidmann

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