Verrückt oder genial?

Ihre Kunst: Maschinenbau

AU Ego-Ankurbelmaschine, Zeitmaschine und Krisenbewältigungsmaschine: Auerin entwirft verrückte Gerätschaften...

Es rattert und knattert, trötet und dröhnt: Die Galerie Gerhard an der Aventinstraße ist zum Sammelsurium allerlei absurder Gerätschaften geworden. Ego-Ankurbelmaschine, Krisenbewältigungsmaschine oder der mechanische Hauselefant Edward – sie alle hat Charly-Ann Cobdak (Foto) erfunden. Die 50-jährige Künstlerin aus der Au baut seit zwölf Jahren verrückte Maschinen. Zu sehen sind sie noch bis 1. November im „LowTech Instruments Museum“, danach ziehen sie weiter in den Münchner Norden (siehe unten).

„Früher habe ich gemalt, das war mir aber zu starr“, sagt die gelernte Grafikdesignerin. Sie begann, mit Motoren zu experimentieren, feilte an ausgefallenen Mechanismen. Mittlerweile hat sie über 20 Geräte gebaut. Ohne technisches Vorwissen, dafür mit Geduld und Spaß am Tüfteln. Cobdaks Maschinen erinnern an Daniel Düsentrieb und Jules Verne, an verrückte Erfinder und die Sehnsucht nach dem eigentlich unmöglichen technischen Fortschritt. Kein Wunder also, dass Cobdaks Schmuckstück eine Zeitmaschine (Bild oben) ist.

Als sie das Gerät einschaltet, drehen sich die Zeiger der Uhr wie wild im Kreis, die zum Propeller umgebauten Ventilatorblätter schlagen auf und ab, eine Uraltkamera soll die Zeitreise dokumentieren – Selfie 1.0. „Mir fehlt halt noch ein einziges Teil, damit es funktioniert“, sagt Cobdak schmunzelnd.

Die Maschinen der Auerin sind keine verkopften Kunstwerke, sondern aus demAlltag gegriffen. Es gibt eine Arschtritt-Maschine, eine Schäfchenzähl-Maschine gegen Einschlafprobleme oder den „Sonntagsspaziergang für Stubenhocker“. „Ich liebe die Isar, hasse sie aber am Sonntag, weil sie da so voll ist. Also habe ich eine Maschine erfunden, mit der ich das Problem umgehe.“ Wer an der Kurbel dreht und durch das Fernglas blickt, sieht eine (fast) typische Isar-Szenerie: Spaziergänger, Kinder, ein Kamel... „Hunde waren mir zu langweilig“, erklärt Cobdak.

Doch auch leise Gesellschaftskritik findet man in ihren Maschinen. Beispiel Tierquälerei durch nicht-artgerechte Haltung: Für „Running Edward“, ein mechanischer Elefant, der trötet, sobald man ihn streichelt (Foto links), beantragte die Künstlerin eine offizielle Haltungsgenehmigung beim Kreisverwaltungsreferat (KVR). Schließlich sei er eine „Alternative zur exotischen Tierhaltung im eigenen Heim“, bei der weder Tier noch Mensch zu Schaden kommen. Beim KVR gab man sich alle Mühe, Cobdaks Wunsch zu entsprechen – und empfahl ihr schließlich, selbst einen „Genehmigt“- Stempel zu setzen. „Weil Edward ja kein echtes Tier ist, haben sie es mir erlaubt.“ ist

Ausstellung

Im temporären „LowTech Instruments Museum“ sind rund 15 Kunstmaschinen von Charly-Ann Cobdak zu besichtigen. Fotos: ist

Charly-Ann Cobdak nennt ihre Maschinen „LowTech Instruments“ – zu sehensind sie noch bis Samstag, 1. November, in der Galerie Gerhard Grabsdorf an der Aventinstraße 10. Öffnungszeiten: donnerstags, 19 bis 22Uhr, samstags 15 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung. Vom 27. November bis 6. März stehen die Maschinen dann in der Ausstellung „Abfallverwertung“ im AWM, Georg-Brauchle-Ring 29. Infos: www.lowtechinstruments.com.

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