Die Sehnsucht bleibt

Schwerer Schicksalsschlag: Wie fühlt man sich, wenn man sein Kind verliert? 

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Vor zwölf Jahren hat Astrid Gosch-Hagenkord ihre Tochter verloren. Jetzt hilft sie Betroffenen.

Giesing/Haidhausen - Es ist ein traumatisches Erlebnis, über das man niemals ganz hinwegkommen kann - Astrid Gosch-Hagenkord berichtet über ihr Erlebnis und erklärt, wie sie dadurch jetzt anderen helfen will

Zwölf Jahre ist es jetzt her, dass sich Astrid Gosch-Hagenkords Leben für immer verändert hat. „Es gibt für mich ein Vorher und ein Nachher“, sagt die 50-Jährige. Gosch-Hagenkord war damals 38 Jahre alt, hochschwanger, als sie plötzlich, drei Tage vor dem Geburtstermin, spürt: Ihr Baby rührt sich nicht mehr. Sie hat eine dunkle Vorahnung, die wenig später ein Arzt bestätigt: Das Baby ist gestorben.

Ein Schlag für Gosch-Hagenkord und ihren Mann: „Ich war erst mal in Schockstarre. Wir hatten alles: einen Namen, die Wiege stand schon im Zimmer bereit.“ Drei Tage später bringt sie ihre leblose Tochter auf natürlichem Weg auf die Welt. „Das war sehr wichtig für mich“, sagt Gosch-Hagenkord heute. So hat ihr psychischer Schmerz einen physischen Ausdruck gefunden.

Wenige Tage bleiben ihr, um sich von der Tochter, ihrer Liva, zu verabschieden. Dann wird der Säugling am Ostfriedhof beerdigt. „Ich bin durch tiefen Schmerz gegangen“, sagt Gosch-Hagenkord. Aufgehört hat die Trauer nie. „Die Trauer und die Sehnsucht nach meiner Tochter gehören seither zu meinem Leben.“

Seither hat sich ihrem Leben viel verändert: ihr Denken, ihre Spiritualität, schildert die 50-Jährige. Aber auch ihr Beruf. „Mir hat damals die Trauerbegleitung so sehr geholfen, dass ich mich dazu entschlossen habe, selbst eine Weiterbildung zu machen – und auch als Geburtsbegleiterin.“ 

Inzwischen engagiert sie sich bei dem Verein „Verwaiste Eltern“ in Haidhausen – eine Anlaufstelle für Betroffene. Dort gibt es etliche Angebote von der Einzelberatung über eine Selbsthilfegruppe bis zum Gottesdienst – einen solchen veranstaltet der Verein nun schon zum fünften mal mit dem Pfarrverband Obergiesing, um der verstorbenen Kinder zu gedenken.

Gosch-Hagenkord kann aus dem schweren Schicksalsschlag auch etwas Positives ziehen: „Ich habe einen Sinn darin gefunden“, sagt sie. „Für mich hatte das einen Aufforderungscharakter, etwas zu verändern, ich höre mehr auf meine Seele und meine Intuition – es ist ein Versprechen, dass ich meiner Tochter gegeben habe.“

Ein Jahr nach dem Tod ihrer Tochter ist Gosch-Hagenkord wieder schwanger geworden – ihr Sohn ist kerngesund. hki

Ein Gottesdienst, um der Sternenkinder zu gedenken

Zum fünften Mal laden der Pfarrverband Obergiesing und der Verein „Verwaiste Eltern“ alle Eltern, Angehörigen und Freunde zu einem Gottesdienst zum Gedenken an ihre fehl- und totgeborenen Kinder. Die Andacht findet am Freitag, 22. Juni, um 19 Uhr in der Aussegnungshalle am Ostfriedhof München, St. Martins-Platz 1, statt. Der Gottesdienst soll einen Raum für Erinnerungen und Gefühle öffnen, der Trauer einen Ort bieten und damit den Kindern einen Platz geben, denen ein Platz auf dieser Welt versagt geblieben ist. Der gemeinnützige Verein „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister“, der in Haidhausen, St.-Wolfgangs-Platz 9, seinen Sitz hat, bietet Seminare, Begleitung, Gottesdienste und Themenwochenenden sowie Trauerbegleitung. Mehr Infos und komplettes Programm sind im Internet unter www.ve-muenchen.de einzusehen.

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