Privat wie nie zuvor

Marienhof-Star im Theater Hoch X: „Persönlicher geht’s nicht“

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Regisseurin Iris-Mirjam Behnke hat dem Schauspieler mit der Glasknochenkrankheit ein Tanz-Theaterstück auf den Leib geschrieben.

Au -  „Es ist seine Choreografie“ - In seinem neuen Stück zeigt sich Schauspieler Erwin Aljukic menschlicher als jemals zuvor

Für Erwin Aljukic steht eines fest: „So persönlich, offen und verwundbar war ich noch nie zuvor auf der Bühne.“ Berühmt wurde der Schauspieler durch die Serie Marienhof, bei der er zwölf Jahre lang den EDV-Techniker Frederik Neuhauser spielte. Jetzt bringt Aljukic (41), einer der bekanntesten Schauspieler mit Behinderung, zusammen mit der Tanz-Choreografin und Regisseurin Iris-Mirjam Behnke ein ganz intimes Stück auf die Bühne.

„Ich tanze in einer Stunde durch mein Leben“, sagt Aljukic. Das soll nicht etwa heißen, dass er chronologisch durch seine Biografie tänzelt, sondern er bringt mit Bewegung das auf die Bühne, was ihn als Menschen ausmacht – seine Essenz. „Jeder hat etwas, das ihn prägt“, findet nämlich Aljukic. Bei dem Bogenhauser sind es vor allem drei Dinge: die Glasknochenkrankheit, wegen derer er im Rollstuhl sitzt, seine Homosexualität und seine Herkunft. Ursprünglich kommt die Familie des Stars aus Bosnien. „Es ist ein sehr authentisches und echtes Stück“, sagt Iris-Mirjam Behnke. „Es ist seine Choreografie.“

Bevor die beiden mit den Proben begonnen haben, beschäftigte sich Behnke intensiv mit Aljukics Biografie, schrieb viel auf, beobachtete ihn und suchte wiederkehrende Elemente. Entstanden ist ein Tanztheater, bei dem sich Aljukic mit und ohne Rolli bewegt, tanzt – und kein einziges Wort sagt. Tonaufnahmen aus seinem Alltag begleiten ihn auf der Bühne sowie Musik – von Jazz bis Elektro. Eine solche Alltagsszene, die für den Schauspieler ganz typisch ist, zeigt etwa die Anstrengung, die seine körperliche Behinderung mit sich bringt. „Das sind viele kleine Situationen, zum Beispiel, wenn ich mit dem Rolli über eine Bordsteinkante fahren muss“, sagt er. Sehen wird man eine solche Szene aber nicht konkret, sondern: „Es geht um die Essenz, um die Anstrengung als solche.“

Es sind oft schwere Themen, mit denen sich Iris-Mirjam Behnke beschäftigt. Aber die 45-Jährige aus Untermenzing verspricht: „Das Stück hat viele humorvolle Sequenzen – Aljukic ist ein sehr fröhlicher Mensch.“H. Kinadeter

„Emina Unchained“ ist am 12.,13. und 14. Juli je um 20 Uhr im Theater Hoch X, Entenbachstraße 37 zu sehen. Tickets unter der Nummer 90 155 102

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