Ausstellung zum Jubiläum

40 Jahre Museum Haidhausen: Das Gedächtnis eines ganzen Viertels

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Hermann Wilhelm im Museum – im Hintergrund sieht man die Zeitungen des Pressespiegels.

Haidhausen: Hermann Wilhelms Herz schlägt für Haidhausen! 1977 hat er das Museum Haidhausen gegründet - 40 Jahre später blickt er zurück.

Hermann Wilhelm (Foto), geboren am Max-Weber-Platz, hat „sein“ Viertel nie verlassen – und 1977 das Museum Haidhausen gegründet. Dass es über mehrere Jahrzehnte bestehen würde, daran hatte Wilhelm überhaupt nicht gedacht.

Als vor 40 Jahren die ersten Kulturwochen im Viertel gefeiert wurde, erstellte Wilhelm eine Ausstellung über die Stadtteilgeschichte – ein voller Erfolg. Mehr als 1000 Besucher kamen. Daraufhin beschloss er, ein Museum zu gründen. „Es gab damals ein großes Informationsbedürfnis über die Geschichte der kleinen Leute und über Alltagsgeschichten“, erzählt der 68-Jährige. Denn so etwas sei vorher noch nie dokumentiert worden.

Jetzt feiert das Museum 40-Jähriges. Mehr als 100 Ausstellungen – über die NS-Zeit, Haidhauser Promis, einen Film, der im Viertel spielte, und über den Alltag – haben in dieser Zeit stattgefunden, ebenso wie etliche Lesungen und Veranstaltungen. Zum Jubiläum gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit Filmen, Führungen und Ausstellungen.

H. Kinadeter

Eine Ausstellung über „40 Jahre Haidhausen-Museum im Spiegel der Presse“ ist von Montag, 13. November, bis Donnerstag, 15. Februar, im Museum, Kirchenstraße 24, zu sehen.

Ein Stadtteil im Wandel

Haidhausen ist älter als München – während das Viertel im Jahre 808 zum ersten Mal erwähnt wurde, gibt es die ersten Aufzeichnungen über München erst ab 850. 

Der Name leitet sich wahrscheinlich so ab: „Häuser an der Heide“, sagt Hermann Wilhelm. Haidhausen war zunächst ein Dorf, dann Vorstadt, bis es zum Stadtteil wurde und „Franzosenviertel“ genannt wurde. Nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich 1870/1871 wurden nämlich etliche Straßen und Plätze nach den Orten der Schlachten benannt – daher heißt es bis heute Franzosenviertel. Später galt der Stadtteil lange Zeit als armes Glasscherbenviertel, in dem Tagelöhner, Gastarbeiter und Handwerker lebten. In den 70er- und 80er-Jahren hat sich zunehmend eine alternative Kunstszene angesiedelt, es gab etliche Kinos und Kneipen, in denen Jazz oder Kabarett gespielt wurde. In dieser Zeit wurde das Viertel Modellsanierungsgebiet der Stadt, die Altbauten wurden abgerissen oder modernisiert, der Ruf des armen Viertels änderte sich rasch.

Der Gründer eines Imperiums

Der wohl bekannteste Haidhauser seiner Zeit, Joseph Schülein, kam als Sohn einer jüdischen Familie aus Franken nach München und machte dort aus einer heruntergekommenen Wirtschaft eine Brauerei, die Unionsbrauerei. 

Im Laufe der Zeit wurde daraus ein regelrechtes Imperium, das schließlich die Löwenbrauerei schluckte. Sein Sohn wurde Chef der Löwenbrauerei, wanderte aber 1933, als die Nazis an die Macht kamen, in die USA aus. 

Dort baute Schülein erneut ein riesiges Brauerei-Imperium auf. „Der Name Schülein ist jedem alten Haidhauser noch ein Begriff“, sagt Hermann Wilhelm.

Das Attentat auf Hitler

Dort, wo heute das Hilton an der Rosenheimer Straße steht, war früher der Bürgerbräukeller. Dieser hatte damals die beste Akustik Münchens und bot Platz für etwa 2000 Menschen. 

Hier fing nicht nur der gescheiterte Hitler-Putsch 1923 an – hier versuchte auch Johann Georg Elser (Foto) Hitler zu töten. Das Attentat am 8. November 1939 scheiterte, weil Hitler anders als in den Vorjahren einige Minuten früher den Saal verließ. Elser hatte eine Zeitbombe am Rednerpult installiert, acht Menschen starben, mehr als 60 wurden verletzt. Elser wurde später hingerichtet. Auch dazu gab es eine Ausstellung im Haidhausen-Museum. „Das Thema war vorher lange Zeit tabuisiert“, erzählt der Museums­chef. Die Ausstellung boomte, es war die erste dieser Art in München.

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