Unwissend Anrufe ins Ausland

Hackerangriff in Haidhausen

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Sandra W. war überhaupt nicht im Haus, als Unbekannte 36 Mal über ihr Telefon ins Ausland telefonierten.

Haidhausen - Weil ihr Router gehackt wurde, muss Sandra W. jetzt 250 Euro nachzahlen - und ist damit nicht allein.

Als Sandra W. (Foto) ihre Kontoauszüge sah, bekam sie einen Schock: 250 Euro Telefonrechnung statt wie sonst 40. „Ich habe richtig angefangen zu zittern“, sagt die 35-Jährige. „Für mich ist das viel Geld.“ Seit die Krankenschwester an Multipler Sklerose erkrankt ist, kann sie nicht mehr arbeiten und lebt von einer kleinen Rente. Deswegen machte sie sich gleich auf den Weg zur Telekom. Dort sagte man Sandra W., sie habe binnen weniger Tage 36 Mal von ihrem Festnetz aus ins Ausland telefoniert, nach Rumänien und Polen.

„Dabei war ich an diesen Tagen nicht mal zuhause“, ärgert sich die Haidhauserin. Offenbar wurde ihr Router gehackt. Unbekannte wählten dann über ihr Festnetz die ausländischen Nummern. Seither ist bei Sandra W. der Router ausgeschaltet. Mit den Einzelverbindungsnachweisen von der Telekom will sie bei der Polizei Anzeige erstatten. Sandra W. ist nicht allein: Insgesamt mehr als 1640 Fälle von Internetkriminalität hat die Münchner Polizei 2016 verzeichnet. Das entspricht einem Anstieg von 15,4 Prozent gegen über dem Vorjahr. Die Fälle, bei denen tatsächlich eine Telefonanlage gehackt wurde, sind aber weitaus weniger: 20 Anzeigen wurden 2016 deswegen in München erstattet. 

Die Schadenshöhe lag 2016 bei 175 000 Euro. „Betroffen sind meistens gewerbliche Betriebe“, sagt Benjamin Castro vom Polizeipräsidium München. Bei denen dann am Wochenende, wenn niemand da ist, Gespräche ins Ausland abgerechnet werden. Nur in zwei Fällen waren die Opfer Privatpersonen. Die Vorgehensweise der Täter ist kompliziert: „Im Prinzip geben sie sich als Provider aus und berechnen eine Leistung, die gar nicht erbracht wurde.“ Das heißt: Ein richtiges Telefongespräch fand nie statt, es konnte lediglich zugunsten der Täter berechnet werden. hki


Cyber Crime: Das rät die Polizei

Benjamin Castro vom Polizeipräsidium München rät, alle Virenschutzprogramme öfter zu aktualisieren.

Um sich vor Hackerangriffen auf den Router zu schützen, empfiehlt Benjamin Castro (Foto) vom Polizeipräsidium München, den Virenschutz und die Software des Betriebssystems ständig zu aktualisieren sowie die Passwörter regelmäßig zu ändern. Außerdem empfiehlt er, die eigene Wlan-Verbindung zu verschlüsseln und nur vertrauenswürdige Internetseiten anzuklicken. „Auch bei E-Mails sollte man keine Links oder Anhänge öffnen, die von Absendern kommen, die man nicht kennt“, sagt Benjamin Castro. Denn darüber können Viren ins System geschleust werden, die wiederum Daten und Passwörter ausspähen. Wichtig sei außerdem, zeitnah Anzeige zu erstatten. „Das erleichtert einerseits unsere Ermittlungen“, sagt er. Denn meist schlagen die gleichen Täter mehrfach zu. Außerdem hat derjenige bessere Chancen, den Schaden nicht bezahlen zu müssen, der nachweislich gegen den Hackerangriff vorgeht. Mehr Infos bei der Polizei-Stelle für Cyber Crime unter der Nummer 089/29103430.

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