Teilen statt in die Tonne

Günes Seyfarth kämpft gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

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Günes Seyfarth kämpft gegen Lebensmittelverschwendung.

Au: Äpfel, Avocado, Semmeln und Spaghetti-Reste – 168 000 Kilo davon landen jeden Tag allein in München im Müll.

„Wir dürfen Lebensmittel nicht verschwenden“, findet Günes Seyfarth. Rechnet man die Zahl auf die Einwohner um, sind das 118 Gramm pro Kopf – weniger als anderswo. „Aber die Masse macht’s“, sagt Seyfarth aus der Au, die vor fünf Jahren den Verein Foodsharing in München gegründet hat.

Das Konzept des Vereins funktioniert so: An drei verschiedenen Standorten in München, darunter auch in der Kuglerstraße 2 in Haidhausen, gibt es Orte an denen Lebensmittel abgegeben oder abgeholt werden. Frei nach der Devise: Teil’ dein Essen, statt es wegzuwerfen. Allein in München sammeln 350 Helfer übriggebliebene Lebensmittel oder jene, die der Supermarkt nicht mehr verkaufen will.

Um in der Öffentlichkeit mehr Bewusstsein zu schaffen für die Mengen an Lebensmitteln, die in der Tonne landen, hat Seyfarth nun gemeinsam mit dem Bündnis „Wir retten Lebensmittel“ eine Ausstellung organisiert, die bis Donnerstag, 14. Dezember, täglich von 8 bis 19 Uhr in der Ludwigstraße 2 zu sehen ist. Die Lebensmittel, die am häufigsten weggeschmissen werden, sind Obst, Gemüse, Brot und Semmeln. „Dabei reicht es schon, wenn man bewusster einkauft, um Müll zu vermeiden“, sagt Malte Rubach aus dem bayerischen Staatsministerium für Ernährung. Wer weiß, was zuhause im Kühlschrank liegt, sollte das erst aufbrauchen und wer sich jede Woche einen Essensplan macht, kauft gezielter ein.

Unter anderem solche Tipps gibt es in der Ausstellung sowie etliche Zahlen: 1,3 Millionen Tonnen Lebensmittel werfen die Bayern jährlich in den Müll – in der Stadt mehr als auf dem Land. Die gute Nachricht: Im bundesweiten Vergleich schneiden die Bayern noch gut ab. Doch damit gibt sich Seyfarth nicht zufrieden. Die Vision der dreifachen Mutter und Onlinemanagerin: Die 37-Jährige will eines Tages in München ein Café eröffnen, in dem gerettete Lebensmittel verwendet werden.
hki

Festmahl an Weihnachten in der Au

Die Veranstaltung ist auf den letzten Drücker entstanden – Anfang Dezember hat Günes Seyfarth einen Raum in der Au gefunden, den Pfarrsaal am Mariahilfplatz. Dann hat sie in den vergangenen drei Wochen alles organisiert: An Heiligabend findet dort von 18 bis 20 Uhr ein Essen statt, mit allen Speisen, die auf dem Tollwood nicht verkauft wurden – kommen kann jeder, das Angebot richtet sich nicht nur an Bedürftige. Das Konzept dafür gab es schon, Seyfarth hatte schon im vergangenen Jahr ein solches Essen organisiert. „Letztes Jahr waren es zwei VW-Busse voller Lebensmittel – wir haben sicher auch diesmal genug für alle,“ sagt sie. Wer nur Lebensmittel abholen will, kann um 16 Uhr kommen. Wenn jemand etwas spenden will, kann er bis Samstag, 23. Dezember, täglich von 11 bis 16 Uhr Speisen oder Getränke in den Pfarrsaal bringen.

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