Der Eis-König wird 75

Der Goldjunge aus Haidhausen wird 75

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1964 in Innsbruck lief Manfred Schnelldorfer die Kür seines Lebens und holte Gold bei Olympia – als bislang einziger Deutscher. 

Haidhausen - Es ist eine Erfolgsgeschichte: Manfred Schnelldorfer ist bis heute der einzige deutsche Eiskunstläufer, der je Gold bei Olympia holte: Jetzt erzählt er aus seinem Leben

Jahrelang hat Manfred Schnelldorfer im Haidhauser Prinzregentenstadion trainiert. Am Mittwoch, 2. Mai, feiert der gebürtige Münchner seinen 75. Geburtstag. Bis heute ist er der einzige deutsche Eiskunstläufer der Geschichte, der je im olympischen Einzel­lauf Gold holte. Außerdem weltweit einzigartig: Während der Rest der Welt in Hallen trainierte, lief Schnelldorfer seine Kür jahrelang draußen bei Sturm, Schnee und Regen. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt er. Denn sein Training war freilich ein ganz anderes – mit weichem oder harten Eis, Rücken- oder Gegenwind. 

Eine große Geburtstagsfeier plant er nicht: „Ich bin kein Freund von großem Rummel.“ Seinen 60. feierte er in Italien, heuer fährt er wohl mit seiner Lebensgefährtin nach Wien, wo sein Sohn lebt – „eine meiner Lieblingsstädte“. Überhaupt liebt Schnelldorfer es, zu reisen. „Es gibt so viel, was ich noch von der Welt sehen will.“ Dabei hat er schon als Kind die ganze Welt bereist. Mit 13 Jahren war er bereits x-mal in den USA und Russland – immer für Wettkämpfe. „In der damaligen Zeit war das etwas Besonderes“, sagt Schnelldorfer, der 1943 geboren wurde. Ständig löcherten ihn seine Klassenkameraden und wollten wissen, was der Teenager in der weiten Welt erlebte. 

Manfred Schnelldorfer, der einzige deutsche Einzel-Eiskunstläufer, der Gold holte, wird nun 75.

Mit vier Jahren stand der Profi-Sportler zum ersten Mal auf dem Eis, mit elf wurde er Deutscher Meister. Zehn Jahre später Olympiasieger und Weltmeister. Seine Eltern, professionelle Eisläufer, trainierten ihn. Schnelldorfers Vita liest sich wie eine echte Erfolgsgeschichte. Aber, wie so oft, hatte der frühe Erfolg auch Schattenseiten: „Eigentlich hatte ich keine Kindheit.“ Für Freundschaften blieb kaum Zeit, jeden Tag drehte er sechs Stunden lang Pirouetten und sprang übers Eis. Vor der Schule, nach der Schule, abends. 

Nach den großen Siegen 1964 gab er seine Wettkampf-Karriere abrupt auf. „Ich war damals schon zehn Jahre lang bei internationalen Wettkämpfen – hatte alles erreicht. Ich wollte nie der Gejagte sein.“ Einige Jahre lief er in einer Eisrevue, wurde dann Trainer, auch Bundestrainer und gab den Eislauf schließlich ganz auf. Heute steht er nur noch selten auf dem Eis. „Wenn ich muss“, sagt er, etwa für Fototermine. In seiner Freizeit fotografiert er, modelt gelegentlich und macht Spaziergänge. Bei jedem Wetter. Hanni Kinadeter

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