Der Gasteig 2.0 – ein Haus für alle

Bürgerbeteiligung bei der Sanierung des Gasteigs

+
Sein charakteristisches Aussehen wird der Gasteig behalten, durch eine neue Glasfassade soll der Blick nach draußen geöffnet werden. Wie das im Detail aussehen wird, steht noch nicht fest.

Haidhausen: Das größte Kulturzentrum Europas ist in die Jahre gekommen: Der Gasteig muss generalsaniert werden. Dabei dürfen die Bürger mitreden

Er ist das größte Kulturzentrum Europas: der Münchner Gasteig. Und damit das auch so bleibt, muss das in die Jahre gekommene Gebäude generalsaniert werden (Hallo berichtete). Gasteig-Chef Max Wagner hat den Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen zu einer Sondersitzung eingeladen, um die Pläne und den Ablauf dieses Großprojekts vorzustellen. Nur der erste Schritt in Sachen Bürgerbeteiligung: Eine Anwohnerversammlung soll folgen.

Auslöser für die Generalsanierung ist die Baufälligkeit des Hauses. Der Großteil der Bauteile habe seine Lebensdauer erreicht, erklärte Benedikt Schwering, Leiter der Abteilung „Zukunft“ des Gasteigs. „Von 230 technischen Anlagen werden 130 im Jahr 2025 am Ende sein.“ Nicht nur der Brandschutz nähert sich seinem Verfallsdatum, auch der IT-Bereich stößt an sein Limit.

Mithilfe eines Nutzerbedarfsprogramms ermittelte der Vorstand im vergangenen Jahr, was der neue Gasteig bieten muss, um den Ansprüchen gerecht zu werden und Schwachstellen zu beheben. Hauptaugenmerk liegt auf der Akustik in der Philharmonie: Wie berichtet, soll ein 40 Tonnen schweres Segel installiert werden, wodurch laut Akustik-Koryphäe Yasuhisa Toyota der optimale Klang für den Saal erreicht werden soll. Ein Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes soll eine neue Dach­terrasse mit Aussichtspunkt sowie Restaurant sein, die laut Wagner „für jeden zugänglich ist“. Schließlich hätte man von dort aus einen der schönsten Blicke auf München.

Die Pläne wurden vom Stadtrat im April beschlossen und nun komprimiert dem BA präsentiert, um Reaktionen einzufangen. Besonderes Interesse zeigten die Viertelpolitiker an der neuen Lösung der Anlieferung, die Wagner als bisher „offene Flanke“ bezeichnete. Der Künstler­eingang soll in das Gebäude integriert werden, damit die Lastwagen zum Anliefern dort hineinfahren können. Dadurch wird die Lärmbelästigung der Anwohner der Kellerstraße vermieden. Der BA bemängelte allerdings die fehlende Inklusion. Wagner beruhigte: Mit der Sanierung wird sich das ändern, denn dann „sollen alle Räume für jeden eigenständig zugänglich sein“.

Bevor 2020 mit dem Umbau begonnen wird, muss zuerst ein geeignetes Konzept eines Architekten gefunden werden. Im August soll der Wettbewerb starten und das Preisgericht Mitte nächsten Jahres entscheiden. Vorher plant Wagner zusammen mit dem BA eine Bürgerversammlung im letzten Quartal dieses Jahres. Der BA äußerte den Wunsch nach einer Bürgerwerkstatt – ähnlich wie bei der Neubebauung des Paulaner-Areals. Benedikt Schwering wiegelte allerdings ab: „In diesem Fall ist ein bestehendes Gebäude die Grundlage und daher muss anders vorgegangen werden.“ Nichtsdestotrotz wünscht sich Gasteig-Chef Max rege Beteiligung. Sein Anspruch: „Ich möchte den Prozess so transparent wie möglich machen und die Bürger teilhaben lassen.“ Sabina Kläsener

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kompromiss beim Gewofag-Bauvorhaben an der Carl-Wery-Straße in Neuperlach
Kompromiss beim Gewofag-Bauvorhaben an der Carl-Wery-Straße in Neuperlach
Unsicherer Schulweg: BA fordert Umbaumaßnahmen an Eggenfeldener Straße
Unsicherer Schulweg: BA fordert Umbaumaßnahmen an Eggenfeldener Straße

Kommentare