Auf einen Blick ins All

Benjamin Mirwald (36), Leiter der Münchner Volkssternwarte, von A bis Z

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Gründer Peter Westphal mit einem jungen Sternenfreund
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Gründer Peter Westphal mit einem jungen Sternenfreund
Satellitenempfang 1958
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Satellitenempfang 1958
Vorbereitungen für eine Sonnenfinsternis-Expedition 1961
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Vorbereitungen für eine Sonnenfinsternis-Expedition 1961
Andrang bei der Sonnenfinsternis 1966 auf der Beobachtungsplattform der Volkssternwarte
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Andrang bei der Sonnenfinsternis 1966 auf der Beobachtungsplattform der Volkssternwarte
Blick ins Planetarium 1972
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Blick ins Planetarium 1972

Haidhausen: Benjamin Mirwald nimmt Sie mit auf einen Streifzug durchs Universum: Der 36-Jährige ist Leiter der Münchner Volkssternwarte an der Rosenheimer Straße – und die feiert jetzt 70-jähriges Bestehen.

„Sternfreunde für regelmäßige Treffen gesucht!“ Die Geschichte der Münchner Volkssternwarte begann mit einer Zeitungsannonce. Der Hobby-Astronom Peter Westphal suchte per Inserat nach Gleichgesinnten, um gemeinsam eine Sternwarte aufzubauen. Mit Erfolg: 1947, also vor 70 Jahren, wurde die Einrichtung in einem ehemaligen Luftschutzbunker an der Rosenheimer Straße 145 gegründet. Dort ist sie noch heute – und erfolgreicher denn je. „Wir haben rund 25 000 Besucher im Jahr, so viele wie nie“, sagt der Chef der Sternwarte, Benjamin Mirwald. Im Interview verrät er, was die Einrichtung zu bieten hat, wie weitere Besucher angelockt werden sollen – und warum Astronomie gar nicht so kompliziert ist, wie man meint.

Isabel Steffens

Amateure sind die meisten hier bei uns in der Volkssternwarte. Sie lieben ihr Hobby und hängen sich da mit Inbrunst rein. Ehrenamtliche machen die Hauptarbeit bei den Führungen.

Barrierefrei: Wir bauen dieses Jahr einen Lift ein, damit auch bewegungseingeschränkte Personen bis auf unsere Dachplattform kommen. Bislang können sie nur die Ausstellung besuchen.

Chef der Volkssternwarte bin ich seit 2015. Ich bin seit meiner Jugend Hobby-Astronom, habe Physik studiert und zeitweise als Wissenschaftshistoriker am Deutschen Museum gearbeitet.

Doktorarbeit: Meine beschäftigte sich mit der Geschichte von Volkssternwarten – da wusste ich noch nicht, dass ich mal eine leiten werde.

Elitär wollen wir nicht sein. Die Astronomie spricht immer breitere Bevölkerungsschichten an. Heutzutage ist es durch die Informationstechnologie viel einfacher geworden, sich als nicht-akademischer Astronom an Forschung zu beteiligen.

Faszination: Meine Liebe zu den Sternen kam mit 13. Durch ein sehr gutes Buch und viele Gleichaltrige, die damals mit mir in der Schule Astronomie betrieben haben.

Gründung: Wir sind seit 70 Jahren an der Rosenheimer Straße. Damals gab es hier nur vier Hochbunker, später sind viele Gebäude dazugekommen.

H-Alpha ist eine bestimmte Farbe, in der ziemlich viel im Universum leuchtet, Gasausbrüche auf der Sonne zum Beispiel. Wir haben einen Filter, mit dem wir diese beobachten können – das kann sich nicht jeder privat leisten.

Immer mehr Besucher: Aktuell sind es rund 25 000 – vor ungefähr zehn Jahren hatten wir einige tausend Besucher weniger pro Jahr. Durch die stete Förderung von der Stadt München können wir mehr Veranstaltungen anbieten, zum Beispiel Familienvorträge.

Jeder kann bei uns Mitglied werden und unsere Geräte benutzen. Wir haben dieses Jahr 600 Mitglieder erreicht.

Kompliziert: Es ist nicht alles am Himmel so kompliziert. Viele Dinge sind mit räumlichem Vorstellungsvermögen gut zu verstehen.

Lichtverschmutzung: Mit einem Alpenhimmel verglichen ist München ein unheimlich schlechter Standort, im Vergleich mit Kairo oder Tokio haben wir aber noch einen halbwegs guten Himmel, um verschiedene Sachen am Firmament zu erkennen.

Mein Stern: Man kann sich bei uns einen Stern widmen lassen. Das ist keine Benennung, sondern eine Spendenaktion für den Verein.

Nachteule: Natürlich arbeite ich schon mal nachts, aber wir haben auch tagsüber die Möglichkeit, Astronomie zu betreiben – indem wir zum Beispiel in die Sonne schauen. Die Veränderungen ihrer Oberfläche sind unheimlich spannend.

Oeffentlich: Unser Spiegelteleskop ist eins der größten öffentlich zugänglichen seiner Art in Deutschland. Besonders schön sind darin Gasnebel zu sehen.

Planetarium: Dort zeigen wir eine Simulation des Sternenhimmels, wie er in der Natur nur unter besten Bedingungen zu sehen ist.

Quasare sind die am weitesten entfernten Objekte, die wir mit unseren Teleskopen anschauen können. Sie sind helle Kerne von Galaxien.

Rosenheimer Straße: Für uns ist der Standort gut, weil die Bau­substanz sehr stabil ist – die Fernrohre vibrieren dadurch nicht.

Sternfreunde gesucht: Mit einer Zeitungsannonce suchte der Gründer der Volkssternwarte, Peter Westphal, 1946 nach Gleichgesinnten.

Technik: Wir haben zwei große Linsenteleskope und zwei große Spiegelteleskope. Eins davon ist besonders lichtstark. Es wurde lang diskutiert, in München so ein großes Fernrohr aufzustellen, denn der Himmel ist hier ja aufgehellt. Aber die Erfahrungen bestätigen, dass es noch einen deutlich besseren Anblick liefert als die kleineren Geräte.

Unvergessen ist für mich die totale Sonnenfinsternis 1999. Ich habe damals mit anderen Jugendlichen zusammen eine Exkursion gemacht, um schönes Wetter zu erreichen. Wir hatten Glück.

Volk: Der Begriff ist ja etwas schwierig heutzutage. Er hat bei uns so eine Bedeutung wie bei der Volkshochschule: Wir sind nicht völkisch, sondern für alle Bevölkerungsgruppen offen.

Werksviertel: Ich finde es spannend, was hier in der Nachbarschaft passiert. Wir haben direkte Sicht auf den Bau des Konzertsaals. Wir sind ja nah am Ostbahnhof, aber momentan findet man von dort nicht so gut zu uns. Ich hoffe, dass das besser wird.

Xundheit: Steifer Nacken ist kein Problem – dafür gibt es einen Spiegel am Teleskop, der den Blick umlenkt, da kann man ganz angenehm in den Himmel schauen. Viel wichtiger: Niemals mit Fernrohren in die Sonne schauen! Man kann in einem Sekundenbruchteil blind werden.

Yellowstone-Nationalpark: Auf einen Besuch dort freuen sich gerade ganz viele unserer Mitglieder – da ist im August die nächste totale Sonnenfinsternis zu sehen.

Zukunft: Großes Thema: die Modernisierung. Wir wollen die Räume renovieren, aber auch unsere Fernrohrtechnik erweitern. Geplant ist ein Live-Video des Fernrohrbilds, das auf einen Bildschirm übertragen wird.

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