Alter Hase wird Messechef

Manfred Wutzlhofer, der langjährige Hauptgeschäftsführer der Messe München, geht zum Jahresende in den Ruhestand. Die HALLO-Redaktion hat mit Klaus Dittrich (Jahrgang 1955), der ab Anfang 2010 die Leitung der Messe München übernimmt, über seinen Hintergrund, die Erfahrungen im Unternehmen, dem er seit 2002 angehört, und weitere Themen gesprochen.

Was das Messegeschäft betrifft, ist Klaus Dittrich längst ein alter Hase. 2002 trat er als stellvertretender Geschäftsführer ins Unternehmen ein, seit Februar 2003 trägt Dittrich als Geschäftsführer Verantwortung für die Messen des Geschäftsbereichs Neue Technologien im In- und Ausland, sowie, gemeinsam mit Manfred Wutzlhofer, für ispo, BIKE Expo, Inhorgenta und Golf Europe. Zudem ist Klaus Dittrich unter anderem verantwortlich fürs Personal, den Vertrieb Deutschland und die unternehmensinterne IT. Ab Januar 2010 übernimmt der studierte Germanist und Politologe von Manfred Wutzlhofer die Hauptgeschäftsführung der boomenden Messe München. Vom Gewerkschaftsfunktionär zum Messechef Dass Klaus Dittrich derzeit bei der Messe fürs Personal verantwortlich zeichnet, ist sicher kein Zufall. Für Arbeitnehmerinteressen hat sich Dittrich als stellvertretender Vorsitzender des DGB-Bayern viele Jahre lang engagiert. Ehemals hoher Gewerkschaftsfunktionär, demnächst oberster Chef eines boomenden Wirtschaftsunternehmens – wie bringt Klaus Dittrich diese Gegensätze unter einen Hut? „Das ist kein kompletter Gegensatz. Die Messe ist Teil der Wirtschaftsinfrastruktur der Landeshauptstadt und des Umlands mit dem Auftrag, die Entwicklung des Standorts zu fördern. Deshalb setzte sich der DGB vehement für dieses Messegelände ein. Die Wachstumsmöglichkeiten wären sonst begrenzt gewesen. Es gibt Durchgängigkeiten zwischen früher und heute“, sagt Klaus Dittrich. Seit sieben Jahren ist er für das Personalwesen der Messe verantwortlich und überzeugt davon, dass Qualifikation der Mitarbeiter allein für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens nicht reicht. Nur motivierte Arbeitnehmer leisteten auf Dauer gute Arbeit. Zufriedene Mitarbeiter und wirtschaftlicher Erfolg stünden in engem Zusammenhang. „Man muss fair mit den Menschen umgehen und ihnen Entwicklungs- und Erfolgsmöglichkeiten bieten. Das geht!“ Es sei nicht einfach, gute Leute zu bekommen, darum müssten diese gehalten werden. Das versucht die Messe nicht nur durch betriebliche Gesundheitsförderung und Weiterbildung, sondern vor allem durch individuelle Lösungen für die jeweiligen Lebenssituationen ihrer Leute. Mehrmalige Elternzeit beispielsweise sei bei der Messe kein Problem. „Die Mitarbeiter haben wahnsinniges Know How, lieber überbrücken wir mehrmals die Elternzeit, als uns von Leuten zu trennen, deren Interessen gut zum Interesse des Unternehmens passen. Das ist positiv für beide Seiten. Auch für flexible Teilzeitlösungen sind wir offen“, sagt Klaus Dittrich. Diese Praxis beschert der Messe, die ihre Mitarbeiterzahl seit dem Umzug nach Riem fast verdoppelt hat, eine niedrige Fluktuationsrate. „Wenn möglich, halten wir gute Leute. Die vermitteln letztlich, dass sie stolz sind, für die Messe zu arbeiten“. Leiharbeiter setze das Unternehmen ausnahmsweise als Vertretung ein, wenn schnell jemand gebraucht werde, befristete Arbeitskräfte je nach Messezyklus jedoch schon. Die Erfahrungen aus der DGB-Laufbahn seien einem Geschäftsführer der Messe sehr hilfreich. „Man weiß, wie Betriebsrat und Arbeitnehmer denken, das nutzt dem Geschäftsführer. In der Selbstverwaltung des DGB gab es immer eine gemeinsame Verantwortung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, so Dittrich. Ihm sei stets wichtig gewesen, seine Grundüberzeugungen nicht brechen zu müssen. „Alles in allem schlafe ich gut!“ Mit Messeverlagerung schon als Stadtrat befasst Von 1990 bis 1995 war Klaus Dittrich Mitglied des Münchner Stadtrats und schon damals mit der Messe befasst. Heute ist Dittrich mehr denn je davon überzeugt, dass die Entscheidung für die Verlagerung der Messe nach Riem richtig war. „Es war spannend von den ersten Plänen bis zur Realisierung. Erst war die Messe allein auf weiter Flur, jetzt ist ein Stadtteil hier entstanden“. Die Verkehrsinfrastruktur für eines der weltweit modernsten Messegelände sei durch die U-Bahnanbindung exzellent. „Wir wünschen uns aber so bald wie möglich den S-Bahnanschluss für die nördlichen Hallen und die Anbindung an Flughafen und Umland. Das würde den Individualverkehr entlasten. Der direkte S-Bahnanschluss ist wichtig für die Messe und wäre eine weitere Verbesserung der Standortqualität“, sagt Klaus Dittrich. Für den Individualverkehr schaffe der Autobahnanschluss und das Verkehrsleitsystem gute Voraussetzungen, die noch immer diskutierte Südanbindung würde den Verkehr nach Dittrichs Ansicht bündeln. Was wäre mit dem direkten Durchstich nach Süden, hätten die Planer daran denken sollen? „Jetzt ist es zu spät. Die Qualität des Parks ist ein Wert für sich, den eine Durchgangstrasse zerschneiden würde. Am Rand spräche nichts dagegen und vieles dafür!“ meint Klaus Dittrich. Einen Kritikpunkt am neuen Gelände aber hat der künftige Messechef: „Die Beschickungshöfe im Inneren sind sehr eng geraten. Es gibt Rückstaus und keine Auffangfläche auf dem Gelände“. Räumliche Entwicklungsmöglichkeiten habe die Messe für die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre durch den Ankauf des ehemaligen Schörghuber-Geländes südlich der Autobahn, das derzeit als Parkfläche genutzt werde. Auf gute Nachbarschaft Gute Nachbarschaft war der Messe bisher schon wichtig. Zum Festakt ihres 10-jährigen Bestehens im vergangenen Jahr hatte sie deshalb auch Bürger aus dem Umfeld eingeladen. Klaus Dittrich setzt weiterhin auf gute Nachbarschaft und will diese pflegen. Dass die Messe für die Bevölkerung des Münchner Ostens manchmal auch Nachteile bringt, kann Dittrich gut nachvollziehen. Er wohnt in Sendling und hat die Zeit nicht vergessen, als das Messegelände noch auf der Theresienhöhe lag. „Ich erinnere mich sehr wohl an die Nebenwirkungen der Messe, ich kann mich in die Leute hineinversetzen. Ich fluchte damals auch, es gab kein Durchkommen. Das ist hier deutlich besser geworden, wenngleich mit Nebenwirkungen“, sagt Dittrich. Wichtig sei, Probleme anzusprechen und wenn möglich, zu vermeiden. Allerdings habe die Messe auch sehr positive Wirkungen – laut Ifo-Studie sei sie ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor für die Region, der Arbeitsplätze und Umsatz generiere. „Ich habe es keinen Tag bereut, zur Messe München gegangen zu sein“, sagt Klaus Dittrich nach sieben Jahren Messegeschäft. Gereizt habe ihn der Kontakt zu vielen Menschen, Branchen und neuen Technologien. „Es ist spannend, über diesen Weg alles schon in frühem Stadium zu sehen und zu befördern, spannend ist auch die Internationalität an diesem Standort und weltweit. Ich möchte Dinge gestalten und Verantwortung selbst tragen in der Geschäftsführung und im Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen“, so Klaus Dittrich. Harmonisch und vertrauensvoll sei auch das Verhältnis zum Aufsichtsrat – immerhin läuft das Unternehmen auf Erfolgskurs. Dittrich, der selbst in mehreren Aufsichtsräten und Verwaltungsräten sowie im Bayerischen Senat saß, wird ab Januar das Unternehmen Messe München leiten und sicher noch mehr Zeit investieren, als bisher. Seine Kinder, die 17-jährige Tochter und der 13-jährige Sohn, aber sind seit Anfang ihres Lebens daran gewöhnt, dass die Zeit mit dem Vater zwar rar, dafür aber umso intensiver ist. Und, das scheint Klaus Dittrich zu freuen – der Job interessiert sie! Die Kinder kriegen viel mit von den Reisen, auch das finden sie spannend. Gabriele Mühlthaler

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