Acht- und wachsam für die Bürger

Nicht ohne Stolz freut sich Haars Bürgermeister Helmut Dworzak (re.) über das Engagement der Sicherheitswacht in Haar, deren Koordination bei Polizeiinspektionsleiter Karl-Heinz Schilling (Mitte) und dem Haarer Kontaktbeamten Michael Franke (li.) liegt. Foto: H.R.

Im Oktober 2010 beschloss der Haarer Gemeinderat eine Sicherheitswacht einzurichten. Mit Genehmigung des Innenministeriums und ausgebildet von der PI 27 Haar gehen seit Januar 2012 fünf, hierfür geschulte Bürger auf Streife. In blauer Funktionsjacke mit dem Aufdruck „Sicherheitswacht“ und Erkennungsschild sind je zwei von ihnen donnerstags, freitags oder samstags zwischen 17 und 22 Uhr unter anderem an neuralgischen Punkten anzutreffen. Dass bei Bedarf auch ein professioneller Sicherheitsdienst von Haar beauftragt werde, schloss Bürgermeister Helmut Dworzak nicht aus.

Gut 1000 ehrenamtliche Helfer der bayerischen Sicherheitswacht, die vom Freistaat finanziert wird, sind landesweit unterwegs. Wurde ab 1994 nur großen Kommunen die Sicherheitswacht genehmigt, kann seit Juni 2010 bei nachweisbarer Notwendigkeit dies auch Kommunen unter 20.000 Einwohnern gewährt werden. Für 12 bis 15 Stunden im Monat haben sich Miriam Scharpf, Gisela Kunert, Eva-Maria Peifer-Seitz, Karl Lachner und Alfons Rosar verpflichtet im Rahmen der Sicherheitswacht Streifendienst ehrenamtlich durchzuführen. Ein Erkennungsschild mit Foto, bayerischem Wappen und Stempel weist sie als Mitglieder der Sicherheitswacht aus. Zu Beginn waren es acht Personen, erläuterte PI-Leiter Karl-Heinz Schilling, einer zog weg, ein anderer bekam kalte Füße und der dritte erfüllte nicht die Vorraussetzungen. Zu den Voraussetzungen gehören eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung, ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, gute Kondition – nicht nur körperlich, sondern wohl auch beim Ausfüllen von Formularen. „Seitenweise musste man Fragen beantworten“, erinnerte sich Gisela Kunert. Dann kam die Schulung; 40 Stunden lang büffelten sie Rechts- und Dienstkunde und wurden mit den psychologischen Grundelementen zur Deeskalation vertraut gemacht. „Die Abschlussprüfung haben alle bestanden“, verkündete PI-Leiter Schilling nicht ohne Stolz. Zur ersten Streifen-Erfahrung ging es dann mit dem Haarer Kontaktbeamten Michael Franke. Ortsplan für Ortskundige? Ausgerüstet sind die fünf Angehörigen der Sicherheitswacht mit einer Funktionsjacke, in der ein Ersthelfer-Set mit Funkgerät, Stift und Block, Reizspray, Spritzen-Box und ein Ortsplan Platz finden. Für sommerliche Tage reicht eine reflektierende Armbinde mit Bayerischem Wappen und der Aufschrift „Sicherheitswacht“. Für die Ortskundigen einen Ortsplan? Ja, denn die Sicherheitswacht ist auch Ansprechpartner für schutzbedürftige Personen wie Kinder und Senioren, erteilt Auskünfte, arbeitet präventiv und wirkt u.a. gegen Vandalismus. Wie jeder andere Bürger dürfen sie einen auf frischer Tat angetroffnen Straftäter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Sie haben das Recht auf Notwehr und Nothilfe für andere Bürger. Darüber hinaus können sie Personen anhalten und Personalien feststellen, wenn dies zur Gefahrenabwehr beiträgt. Die Sicherheitswacht kann auch einen Platzverweis erteilen, selbst wenn dies wie im Jagdfeldzentrum, ein privater, aber öffentlich zugänglicher Raum ist. Miriam Scharpf, Gisela Kunert, Eva-Maria Peifer-Seitz und Karl Lachner haben nach eigenem Bekunden eines gemeinsam: Sie wollen sich ehrenamtlich für ihre Mitbürger engagieren, nach ihrer hauptamtlichen Tätigkeit im Büro aber nicht in geschlossenen Räumen. Der Einblick in die Polizeiarbeit hat alle positiv beeindruckt und bestärkt, sich für das Sicherheitsgefühl der Mitbürger zu engagieren. Einen Privathund dürfen die Sicherheitswacht-Angehörigen übrigens auf dem Streifengang nicht mitnehmen, informierte PI-Leiter; nur ausgebildete Polizeihunde haben diese Ehre – und die Polizeihundeprüfung ist hart, räumte Schilling ein. Sicherheitsdienst nicht vom Tisch Bürgermeister Helmut Dworzak zeigte sich zufrieden, „mit der Sicherheitswacht verbessert sich in Haar die Lebens- und Wohlfühlqualität“. Die Frage nach einem professionellen Ordnungsdienst ist für Bürgermeister Helmut Dworzak allerdings noch nicht vom Tisch. Schließlich sind die ehrenamtlichen Ordnungshüter nur abends bis 22 Uhr unterwegs und das auch nur an wochenendnahen Werktagen und am Samstag. „Nach der letztjährigen Erfahrung sind die meisten Probleme in der Nacht aufgetreten:“ – A.R. –

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