Oberbayern: 5300 Lehrstellen frei

Azubis ohne Wohnraum

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Fühlen sich in der „Marienherberge“ sehr wohl: Johanna S. (li.) und Franziska H.

MÜNCHEN Nur 0,3 Prozent erhalten Bleibe von Ausbildungsbetrieb

Azubi-Mangel in Oberbayern! Bereits drei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs sei absehbar, dass in den Betrieben wieder tausende Lehrstellen unbesetzt blieben, heißt es von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Auch in München ist die Situation alarmierend: „Momentan sind in der bayerischen Landeshauptstadt und im umliegenden Landkreis noch rund 5300 Lehrstellen frei“, sagt Petra Kremer von der IHK.

Die Gründe für den Mangel: der Trend zu höheren Schulabschlüssen/Studium, sinkende Schulabgängerzahlen und – in München – vor allem die Wohnungsnot: „Die angespannte Lage auf dem Münchner Wohnungsmarkt ist dabei durchaus ein Wettbewerbsnachteil beim Kampf um die Nachwuchstalente“, sagt Kremer.

Viele Auszubildende haben es sehr schwer, geeigneten Wohnraum zu finden. Das geht auch aus einer Untersuchung des Referats für Bildung und Sport, des Sozialreferats und des Referats für Arbeit und Wirtschaft hervor. Fast 2900 Schüler an allen 34 städtischen Berufsschulen wurden befragt. „Am angespannten Münchner Wohnungsmarkt“ könnten sich Auszubildende „häufig keine eigene Wohnung leisten oder müssen sich hierfür finanziell sehr stark einschränken“, heißt es darin. 23 Prozent müssten neben ihrer Berufsausbildung noch eine Zweitbeschäftigung ausüben.

Geringes Gehalt und teure Mieten – Gründe dafür, dass drei Viertel der Auszubildenden noch bei den Eltern wohnen. Nur 0,3 Prozent erhalten eine Unterkunft von ihrem Betrieb. Johanna S. (14) und Franziska H. (15) hatten Glück: Sie gehören zu den eineinhalb Prozent der Azubis, die in einem der rund 20 Jugendwohnheime in der City untergekommen sind. Drei Jahre lang ist die „Marienherberge“ von „In Via“ (s. Kasten) in der Goethestraße für die angehenden Augenoptikerinnen aus der Nähe von Straubing während ihrer Berufsschul-Blöcke das Zuhause. In der restlichen Zeit arbeiten sie bei ihren Ausbildungsbetrieben in Niederbayern.

Pro Tag müssen ihre Eltern nur 1,30 Euro für Unterkunft und Verpflegung bezahlen. Den Rest finanziert die Stadt. „Mir bleiben vom Gehalt im Monat 400 Euro, Franziska 320. Damit könnten wir uns nicht mal ein WG-Zimmer leisten, wir haben ja auch noch Fahrtkosten“, sagt Johanna. Laut Studie beträgt die monatliche Ausbildungsvergütung durchschnittlich 607 Euro netto.

Damit künftig mehr Azubis nach München kommen, wollen Stadt und Wirtschaft jetzt reagieren: An der Dachauer Straße 66 sowie am Innsbrucker Ring/Grafinger Straße sollen mit der Gewofag als Bauherrin 105 Wohnungen für volljährige Auszubildende entstehen. Ein Drittel will die Stadt für klassische Mangelberufe wie Erzieher und Pflegekräfte reservieren, für ein weiteres Drittel könnten Münchner Firmen Belegrechte für ihre Auszubildenden erwerben. Der Rest ist für andere Auszubildende vorgesehen.

Laut Kremer beginnen „die ersten Arbeitgeber, Wohnraum speziell für Azubis zu bauen“. Beispiele seien Audi Ingolstadt, BMW oder die Stadtwerke München. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen würden verstärkt Wohnraum für Fachkräfte zur Verfügung stellen. das

So hilft „In Via“ jungen Frauen

Der international organisierte katholische Frauenverband „In Via“ betreibt in München drei Jugendwohnhäuser mit insgesamt 250 Plätzen für Mädchen und junge Frauen an drei Standorten: die Marienherberge an der Goethestraße, das Jugendwohnheim Maria Theresia an der Pestalozzistraße und das Marienheim in der Schellingstraße. „Wir bekommen die Wohnungsnot in der Stadt zu spüren. Es gibt mehr Nachfrage als Angebot da ist“, sagt Barbara Igl von „In Via“. Die Geschichte von „In Via“ geht auf das Jahr 1895 zurück, als sozial und kirchlich engagierte Frauen Mädchen halfen, die in großer Zahl in die Städte zogen, um der Armut auf dem Land zu entkommen. Die Helferinnen der „Bahnhofsmissionen“ boten Beratung, Stellenvermittlung und eine erste Bleibe. Infos unter www.invia-muenchen.de.

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