Widerstand wächst

Hoffnung auf die Bürger

+
Die Freien Wähler haben ein Bürgerbegehren gestartet.

Die Pläne der Gemeinde Aschheim, ein „Fleischhandelszentrum“ mit Großschlachthof und weiteren Betrieben zur Fleischverarbeitung sowie eine Biogasanlage zur Verwertung der anfallenden Schlachtabfälle anzusiedeln, sind von Beginn an auf Widerstand gestoßen. Sofort nach Bekanntwerden des Vorhabens schloss sich eine Gruppe Aschheimer und Dornacher Bürger zusammen, um gegen das Projekt zu kämpfen. Über ihre Motivation und Ziele sprach HALLO mit deren Sprecherin Sabine Maier.

„Massive Nachteile für die Menschen in Aschheim“ befürchtet Sabine Maier, sollte der neue Schlachthof in der Gemeinde angesiedelt werden. Dazu gehörten neben der zu erwartenden Geruchs- und Lärmbelästigung, die sich bei einer Massenschlachtung nicht vermeiden lasse, ein weit höheres Verkehrsaufkommen durch die Anlieferung der Tiere in großen Lkws während der frühen Morgenstunden.

Was da auf Aschheim zukomme, hat Maier genau ausgerechnet. Ausgehend von den Angaben des Schlachthof-Investors sei von knapp 20.000 An- und Abfahrten pro Jahr auszugehen, erklärt die Sprecherin.

Zudem befürchten die Gegner des Projekts erhebliche Gesundheitsrisiken, die bei einer Massenschlachtung nie ausgeschlossen werden könnten. Dies gelte auch für die geplante Biogasanlage, die ja mit Schlacht- abfällen und Gülle betrieben werden. Wer könne denn garantieren, dass dort nicht multiresistente Keime oder andere schädliche Stoffe freigesetzt würden? Für Maier ist die Biogasanlage ein rotes Tuch: „Es geht bei der Biogasanlage ja nicht darum, Ökostrom oder Ökowärme zu produzieren, sondern nur darum, preiswert Gülle, Schlachtabfälle und Blut zu entsorgen.“

Für Maier und ihre Mitstreiter ist der Schlachthof Aschheim eine absolute „Negativeinrichtung“ für die Gemeinde. Diese entwickle sich damit von einem „IT-Standort und großstadtnahen bayerischem Dorf“ zu einem „Ort zweiter Klasse“. Auch der Heimstettener See, Naherholungsgebiet für 28.000 Menschen, nehme durch das Projekt schweren Schaden.

Und wofür? „Für eine vage Hoffnung auf Gewerbesteuer, die diesen Schaden für Aschheim niemals aufwiegen kann“, erklärt Maier, die außerdem glaubt, dass mit dem „Fleischhandelszentrum“ erst ein Anfang gemacht werde. „Im Süden und Westen des Areals gibt es noch Reserve-Grundstücke“, so die Sprecherin. Niemand wisse, was dort nach der Ansiedlung des Schlachthofs entstehen werde.

Schließlich gehe es auch hier eigentlich nur ums Geld. Durch das Schlachthof-Projekt mache der Investor Geld, die Grundstücksverkäufer machten Geld und auch für die Stadt München sei es positiv, wenn der Münchner Schlachthof nach Aschheim umziehe. Dann würden in der Landeshauptstadt attraktive Flächen frei, die sich leicht zu Geld machen ließen. Und auch die Gemeinde Aschheim meine, durch die zusätzliche Gewerbesteuer Geld zu bekommen. Eine vage Hoffnung, wie Maier meint, denn würde der Schlachthof so viel einbringen, würde die Landeshauptstadt ihn nie ziehen lassen. Die Verlierer des gesamten Projekts stehen für Maier schon jetzt fest: die Aschheimer und Dornacher Bürger. Auf diese setzt Sabine Maier aber auch. Sie sollten sich informieren und ihre eigene Meinung zu dem Schlachthofprojekt bilden.

Und sie hätten die Möglichkeit, die Ansiedlung zu verhindern — etwa mit Hilfe des jetzt gestarteten Bürgerbegehrens (siehe Kasten), das die Sprecherin begrüßt.

fit

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Die Gemeinde Kirchheim sucht noch Wahlhelfer
Die Gemeinde Kirchheim sucht noch Wahlhelfer
Von der Vision, Kindern eine Zukunft zu geben
Von der Vision, Kindern eine Zukunft zu geben

Kommentare