HALLO-Serie „Natur im Fokus“

Die Unterschrift allein rettet die Natur nicht

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Ein fast schon ungewohnter Anblick. Auf diesem Grünstreifen neben einer Straße wurde bewusst nicht gemäht. Und so entdeckt der Passant sämtliche Blühpflanzen, die von ganz alleine wieder wachsen.

Gartenbesitzer werden derzeit dazu ermuntert, einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten und etwas für den Insektenschutz zu tun. Wichtig sind auch Projekte im öffentlichen Raum, denn diese sind noch dazu öffentlichkeitswirksam. Doch obwohl die Natur im Fokus ist, reagieren nicht alle mit Verständnis auf Projekte zur Verbesserung der Altenvielfalt.

1,8 Millionen Menschen haben Anfang des Jahres in Bayern das Volksbegehren „Artenvielfalt — Rettet die Bienen“ unterschrieben. Mitte Juli war es soweit: Das Volks- begehren wurde samt Begleitgesetz und Maßnahmenpaket im Landtag verabschiedet. „Der 17. Juli 2019 wird als wichtiger Tag für den Naturschutz in die bayerische Geschichte eingehen,“ freute sich Agnes Becker, Beauftragte des Volksbegehrens und stellvertretende ÖDP-Landesvorsitzende. 1,8 Millionen Menschen haben so mit ihrer Unterschrift bekundet, dass ihnen die Insektenwelt und der Erhalt der Artenvielfalt wohl wichtig sind. Und erste Veränderungen werden langsam sichtbar. Das Münchner Rathaus zum Beispiel setzt ein Zeichen, indem heuer anstatt der üblichen Geranien unter anderem Süßkartoffeln und Wildsalbei das Rathaus schmücken. Die Bienen freut‘s. Die Gemeinden im Landkreis München leisten einen Beitrag und mähen auf Streifen entlang von Straßen und Weg das Gras nicht. „Rot- und Weißklee, Margeriten, Klatsch-Mohn und viele andere Blühpflanzen wachsen von ganz alleine wieder“, berichtet Feldkirchens Umweltbeauftragter Michael Reiprich. Blühstreifen müssen nicht eingesät werden. Doch: „Man kann es den Leuten nie recht machen. Ob im Bauhof oder Rathaus, bei uns gehen Anrufe ein, ob wir die Gemeinde jetzt verwahrlosen lassen“, so Reiprich. „Unterschrieben haben beim Volksbegehren viele, aber worum es genau geht, welchen Rattenschwanz alles mit sich bringt, scheint vielen nicht bewusst zu sein.“ Beim Straßenbegleitgrün gehe es ohnehin nur um weniger Meter breite Streifen, die nicht gemäht werden. „Natürlich haben wir auch Rückmeldungen bekommen, wie toll unsere Maßnahmen sind“, so Reiprich weiter. Doch für viele scheint Ordnung nur dann gegeben zu sein, wenn alles kahl rasiert, zugeschnitten und abgemäht sei. „Wir als Verwaltung leisten da aber gerne Aufklärungsarbeit“, sagt Feldkirchens Umweltreferent. Andere Gemeinden wie Haar oder Grasbrunn haben sich dazu entschieden, Schilder aufzustellen. So entdecken Passanten in Haar zum Beispiel auf der kleinen Grünfläche Ecke Hans-Pinsel-Straße/Hans-Stießberger-Straße den Hinweis „Für mehr Artenvielfalt“. Die Haarer Gemeinde informiert mit einem kleinen Schild, dass dieser kleine Abschnitt an der Straßenkreuzung bewusst nicht gemäht wird. „Wir haben für unsere Blühflächen auch Schilder machen lassen“, sagt Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder. „Warum es nun also an einer Stelle so ,ungepflegt‘ aussieht, erkennt man dann gleich an unseren Schildern“, so das Grasbrunner Gemeindeoberhaupt. Neues müssten viele Bürger eben erst erkennen und könnten es dann verstehen. Reiprich vom Feldkirchner Umweltreferat dagegen möchte nicht noch mehr Schilder aufstellen. „Es ist grotesk, wie viele Schilder wir ohnehin schon haben“, sagt er und fügt hinzu: „Wir als öffentliche Verwaltung müssen die Anrufe aushalten und informieren dann gerne.“ Größer als der Ärger über Anrufe ist ohnehin die Freude über das, was auf den kleinen Streifen blüht: „Es ist irre, was sich da dann wieder tummelt! Unsere Aktionen sind mosaikhaft über die Gemeinde verteilt. Wir lassen ja jetzt nicht alles verwildern.“ Und dass sie als Gemeinde auf einem guten Weg sind, zeigt ihnen die Auszeichnung, die sie jüngst erhalten haben, weil sie sich „vorbildlich“ für eine bienen- und insektenfreundliche Umwelt einsetzen. Feldkirchen erhielt ebenso wie Kirchheim oder Neubiberg vom Bezirk Oberbayern den Titel „Bienenfreundliche Gemeinde 2019“. „Uns freut das sehr, denn wir sehen so, dass sich unsere Aktionen rentieren, und zudem fördert das die Akzeptanz und Anerkennung“, so Reiprich.

Verena Rudolf

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