Vereins-Gutscheine für Grundschüler

Eine gut gemeinte Aktion

Grundschülern in Bayern haben einen Gutschein bekommen, der in einem Sportverein eingelöst werden kann.
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Grundschülern in Bayern haben einen Gutschein bekommen, der in einem Sportverein eingelöst werden kann.
  • VonVerena Rudolf
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Mit einer Gutschein-Aktion für Grundschüler möchte die Bayerische Staatsregierung junge Menschen dazu bewegen, nach der Corona-Zeit wieder mehr Sport zu treiben. Die Gutscheine schaffen laut Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbands, einen Anreiz, einem Sportverein beizutreten. Oder wären junge Sporthungrige auch so gekommen und die Aktion bedeutet nur einen Mehraufwand für Vereine?

„Mach mit — Sei fit!“ heißt die Gutschein-Aktion der bayerischen Staatsregierung. Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich viele Kinder deutlich weniger bewegt, vor allem in den Lockdown-Monaten, in denen sie gezwungen waren, möglichst viel Zeit zu Hause und in der Familie zu verbringen. „Der Mangel an Bewegung hat teils gravierende gesundheitliche Auswirkungen“, so der bayerische Sportminister Joachim Herrmann. Die Staatsregierung entwickelte daher die Gutschein-Aktion, die Kinder dazu verlocken soll, mit Beginn des neuen Schuljahres wieder mehr Sport zu treiben. „So entstehen mehr Bewegung, verbesserte Fitness und mehr Spaß am gemeinsamen Sport“, sagt Jörg Ammon vom Bayerischen Landes-Sportverband. Einen Gutschein im Wert von 30 Euro hat jeder bayerische Grundschüler zu Schuljahresbeginn erhalten. Was halten die Sportvereine von der Aktion?

„Es ist natürlich an sich eine tolle Idee, Kinder zum Sport zu bringen“, sagt Magnus Harlander vom SV Heimstetten. Doch der Vorsitzende schiebt hinterher: „Aber man hätte vorher mit den Vereinen sprechen sollen. Die Idee ist gut gemeint, aber ehrlich gesagt schlecht gemacht.“ Denn für sie als Verein bedeute die Aktion einen großen Verwaltungsaufwand, wenn sie den Gutscheinwert mit dem Jahresbeitrag verrechnen.

Brigitte Pfaffinger vom TSV Feldkirchen bestätigt dies: „Leider wurden wir als Verein von der Aktion im Vorfeld nicht informiert und mussten erst mal recherchieren.“ Und so stellte auch der TSV Feldkirchen schnell fest: „Wie sich herausstellt, ist das für Vereine ein unheimlicher Aufwand und bringt uns nicht wirklich was.“ Und Pfaffinger spricht noch ein weiteres Problem an: „Der Geltungsbereich der Gutscheine ist mit dem Schuljahr gekoppelt, wir als Verein sind aber von Monat Januar bis Dezember buchhalterisch gegliedert. Jetzt kommen aber die Gutscheine, sozusagen ,mitten‘ im Jahr. Also schwierig“, sagt die Feldkirchner Vereinsvorsitzende. Pfaffinger und ihr Team von der Buchhaltung „denken noch darüber nach“, wie sie am besten mit den Gutscheinen nun umgehen.

Unabhängig von der Gutschein-Aktion werde der TSV Feldkirchen derzeit von Anmeldungen im Bereich Kindersport überlaufen, erzählt Pfaffinger. Auch Eltern-Kind-Stunden oder Sportangebote für Kindergartenkinder seien stark nachgefragt.

Auch der SV Heimstetten freut sich über viele neue junge Sportler. Doch Vorsitzender Harlander wagt zu behaupten, dass diese Kinder auch ohne die Gutschein-Aktion zum neuen Schuljahr beigetreten wären.

Zudem sei es so, dass viele Familien, die ohnehin schon Mitglied im Verein sind, mit dem Gutschein winken würden und dann aber erfahren, dass die

30 Euro ja nur eingelöst werden können, wenn sich ein Grundschüler neu für einen Verein entscheidet. Der Gutschein ist bei einem Neueintritt in allen Sport- und Schützenvereinen sowie bei der Wasserwacht und bei der DLRG in Bayern gültig — ein ganzes Jahr lang bis 13. September 2022.

Durch die Corona-Krise sei der SV Heimstetten „ganz gut gekommen“, berichtet Harlander weiter. Klar, es sei mit finanziellen Einbußen verbunden, eine Mannschaft in der Regionalliga zu haben, die lange Zeit nicht spielen konnte. Keine Zuschauer, keine Sponsoren, aber Gehälter, die man eigentlich gerne weiterzahlen wollte, so Harlander. Die Mitgliederzahlen hätten sich ähnlich wie in den Vorjahren entwickelt. „Die gehen mal runter, aber dann auch wieder rauf“, sagt der Vorsitzende. Derzeit mache ihnen eher das Hallen-Problem zu schaffen. „Seit dem Einsturz der Halle in Berchtesgaden wurde viele Hallen, die wir gut gebrauchen könnten, Statik-Prüfungen unterzogen. Nun gibt es Ausschreibungen, vieles zieht sich in die Länge“, bedauert Harlander.

Schwindende Mitgliederzahlen bereiten also weder dem TSV Feldkirchen noch dem SV Heimstetten Sorgen. Um die Vereinslandschaft in Bayern effektiver gemeinsam stark zu machen, wie Staatsminister Herrmann auf den Gutscheinen als Grußwort schreibt, hätte es also andere Themen gegeben, die Vereine mehr umtreiben. Doch dazu hätte man bei den Vereinen vorab nachfragen sollen.

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