Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl über die mögliche Verlängerung der U2 

„Wir brauchen einen viel besseren ÖPNV“ 

Bürgermeister Maximilian Böltl steht am Bahnsteig in Heimstetten.
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Würde die U2 von der Messestadt Ost bis nach Heimstetten fahren, könnte man am Heimstettner Bahnsteig, wo Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl steht, in die S-Bahn umsteigen.
  • vonVerena Rudolf
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Eine Verlängerung der U2 nach Heimstetten und Feldkirchen wird schon lange diskutiert. Jetzt gibt es einen Trassenvorschlag. Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl spricht über diese Idee. 

HALLO: Der Vorschlag zur Verlängerung der U2 von der Messestadt Ost über Feldkirchen nach Heimstetten kam seinerzeit von Ihnen. Was hat sich seither getan?

Maximilian Böltl: Der Landkreis München hat diese Überlegung in seine Perspektivstudie für die Weiterentwicklung des Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in unserer Region explizit mit aufgenommen. Die Pendler aus der Stadt heraus und in die Stadt hinein werden im Osten von München immer mehr. Das sieht man an der A94, die aktuell selbst mit viel Homeoffice zu den Stoßzeiten deutlich überlastet ist. Wir müssen es schaffen, dass die Menschen vom Pkw auf den ÖPNV umsatteln. Das gelingt nur mit einem besseren Bahn- und Bus-Angebot. Durch die Frage des sogenannten Messeverschwenks bei Feldkirchen kommt jetzt auch nochmal mehr Bewegung in die Sache.


Weil die Gemeinde Feldkirchen den Verschwenk auf ihrer Gemeindeflur ablehnt?

Als Sprecher des S-Bahn-Bündnis Ost war mir immer an einer sehr engen Einbindung der Gemeinde Feldkirchen gelegen. Wir haben drei Ziele: Ein besserer und stabiler Takt für die Bürger, mehr Lärmschutz und eine Verbindung von Flughafen und Messe über den ÖPNV. Davon würden wir als Standort mit unseren Unternehmen nämlich auch deutlich profitieren. 

Geht das denn nicht alles auch mit einer Verlängerung der U2? 

Wenn die U2 von der Messestadt Ost kommend über Feldkirchen im Süden und dann entlang der M1 – wie jetzt von den beiden CSU-Fraktionen vorgeschlagen – bis nach Heimstetten weitergeführt und dort mit der S-Bahn verknüpft wird, dann entsteht die Verbindung zwischen Flughafen und Messe automatisch.

Braucht es dann den Ausbau der Bahnlinie überhaupt noch? 

Der viergleisige Ausbau muss ja unabhängig vom Messeverschwenk beurteilt werden. Wenn die Bahnlinie, wie aktuell geplant, nur bis München Ost und ab Markt Schwaben ausgebaut wird, dann haben wir Anliegergemeinden dazwischen im Flaschenhals alle Nachteile. Mehr Güter- und Fernverkehr, also mehr Lärm ohne echten Lärmschutz und eine noch unzuverlässigere Taktung, weil der entstehende Engpass störanfälliger ist. Der viergleisige Ausbau müsste also, wenn er kommt, auch wirklich durchgängig kommen. Nur dann bekommen wir Lärmschutzmaßnahmen und einen stabilen Takt. Eine ganz andere Überlegung würde den Güter- und Fernverkehr sogar von Riem über die Messe weg von der S-Bahntrasse leiten und an der A94 entlang bis nach Markt Schwaben führen. In unseren Orten wäre dann nur noch die S-Bahn. 

Viele Visionen, die da diskutiert werden müssen. Aber was ist realistisch?

Alle Varianten müssen sauber bewertet werden, auch in Bezug auf Kosten und Betroffenheit von Anliegern. Dann wird es Schritt für Schritt ans Abarbeiten gehen. Am Ende entscheiden das natürlich nicht die Gemeinden und der Landkreis alleine. Aber wir müssen es jetzt anstoßen und gemeinsam kraftvoll vorantreiben. Wir brauchen für unsere Bürger einen viel besseren ÖPNV. Und die Lebensqualität hängt doch sehr stark mit der Lärmbelastung vor Ort zusammen. Deshalb dürfen wir da miteinander nicht lockerlassen.

Interview: Gerhard Fuhrmann

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