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Themenabend zur Ortsentwicklung „Kirchheim 2030“

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An Thementischen beschäftigten sich die Kirchheimer Bürger mit dem zukünftigen Ortspark.
An Thementischen beschäftigten sich die Kirchheimer Bürger mit dem zukünftigen Ortspark. © oh

Etwa 50 Kirchheimer Bürger wollten sich in der Aula der Grund- und Mittelschule Kirchheim über das Verkehrskonzept für „Kirchheim 2030“ informieren. Dieser Themenabend – wie auch Stammtischgespräche und weitere Veranstaltungen – gehören zur Informations-Offensive zum Bürgerentscheid für das Strukturkonzept „Kirchheim 2030“ am 24. September.

Bürgermeister Maximilian Böltl begrüßte als Referenten Mechthild Siedenburg (Zwischenräume Architekten + Stadtplaner GmbH) und Ulrich Glöckl (Transver), die mit ihren Firmen an dem neuen Verkehrskonzept mitgearbeitet haben. „Verkehrsthemen haben bei uns eine hohe Priorität“, betonte Böltl und „deshalb wurden bereits in den Jahren 2010, 2011 und 2012 Verkehrszählungen durch den Landkreis München durchgeführt.“ Begleitend gab es 2011 eine Vorlage für eine „Straßenhierarchie“ und 2013 erstellte eine Bürgerinitiative ein eigenes Verkehrskonzept. Die Kirchheimer wurden weiterhin eingebunden: 2015 führte die Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr Haushaltsbefragungen durch und zugleich wurde ein Radverkehrskonzept erstellt.

Zugrunde lag eine Planungsidee mit den zentralen Punkten: Verknüpfung der beiden Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten, Schaffung von neuem Wohnraum um einen Ortspark herum mit öffentlichen Bildungs-, Kultur- und Verwaltungseinrichtungen, Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten, Verkehrslösungen sowie Fahrrad- und Fußwegachsen, außerdem viel Grünfläche als Ausgleich zur Bebauung und zur Verbesserung der Lebensqualität.

Mechthild Siedenburg erläuterte dann die Grundideen für die Planungen: „Wir wollen durch insgesamt fünf Fuß- und Radwege-Querungen über die Staatsstraße 2082 neue Verbindungen zwischen Kirchheim und Heimstetten schaffen. Vier davon sind vom motorisierten Verkehr abgekoppelt. Aber nicht nur bei der Staatsstraße soll es für Fußgänger und Radfahrer bequemer werden. Auch der Ortsbereich soll durch direkte und sichere Routen besser erreicht werden.“ Natürlich spielt das Kirchheimer Ei und die Staatsstraße bei den Verbesserungen – nicht nur Radfahrer und Fußgänger – eine zentrale Rolle. Vor allem Autofahrer sind von der aktuellen Situation mehr als benachteiligt. Dazu Siedenburg: „Wir brauchen unbedingt Einfädelstreifen bei der Heimstettner Straße auf beiden Seiten der 2082. Die Spur in Ostrichtung wird derzeit untersucht.“

Die Vorgabe, „Erschließung neuer Wohngebiete von außen und nicht über bestehende Wohnbereiche“, sorgt dafür, dass eine Verkehrsplanung auch für Menschen gemacht wird. „Damit wollen wir – auch mit Verzicht auf Gewerbegebiete – den Durchgangsverkehr in der Ortsmitte vermeiden“, betont Böltl, „aber mehr Wohnraum heißt zugleich auch mehr Verkehr.“ Die beiden in Einklang zu bringen – das soll mit stufenweiser Bebauung in Modulen über Jahre erfolgen. Damit soll auch der Zuzug gesteuert werden. Und nicht nur die Neubürger wollen ihre Fahrzeuge gut unterbringen. „Bei jedem Bauvorhaben sind zwei Stellplätze je Wohnung vorgesehen und wir denken über mehr Tiefgaragen nach“, sagt Siedenburg „und setzen das schon beim neuen Rathaus um.“ Auch sollen vermehrt Besucherparkplätze in öffentlichen Bereichen geplant werden, was zu teilweise autofreien Bereichen führen wird.

Natürlich muss eine zukünftige Verkehrsplanung – etwa 47.500 Quadratmeter neue Straßenflächen – auch mit Zahlen hinterlegt werden. Die lieferte Ulrich Glöckl anhand von zahlreichen Charts. Zu den bereits vorliegenden Untersuchungen lieferten die im März durchgeführten Verkehrszählungen und Lenkerbefragungen neueste Erkenntnisse. An vier Messpunkten (Münchner Straße westlich Ortseingang; Heimstettener Moosweg südlich Staatsstraße; Hauptstraße westlich Heimstettner Straße und Feldkirchener Straße westlich Hauptstraße) wurde am 21. und 23. März gezählt und befragt. Dabei ergab sich eine Verkehrsstruktur mit 66,7 Prozent für Quell-/Zielverkehr (Fahrt beginnt in Kirchheim und endet außerhalb sowie umgekehrt). 19,4 Prozent entfallen auf Durchgangsverkehr und 13,9 Prozent auf Binnenverkehr (Fahrt beginnt und endet in Kirchheim). Grund zur Sorge macht der hohe Durchgangsverkehr (40 Prozent) auf der Münchner Straße westlich Ortseingang, gefolgt mit 16 Prozent an der Feldkirchener Straße westlich Hauptstraße. Der Schnitt aller vier Messstellen ergibt 14 Prozent Binnen-, 19 Prozent Durchgang- und 67 Prozent Quell-/Zielverkehr. „Für die Münchner Straße muss unbedingt eine Lösung gefunden werden“, rät Glöckl, „die eventuell mit einer 30-Stundenkilomter-Begrenzung erreicht wird.“ Er gibt zu bedenken, „dass dies auch mit der katastrophalen Situation am Kirchheimer Ei zu tun hat.“

Bei der anschließenden Diskussion kam der Vorschlag, die Durchfahrt für die Feldkirchner-/Poinger Straße durch Geschwindigkeitsbeschränkungen weniger attraktiv zu machen. Auch wurde bemängelt, dass weiterhin bei der Heimstettner Straße sehr viel Verkehr an den Schulen vorbeiführt und ein Aus- und Einsteigen sehr riskant ist. Dazu Siedenburg: „Dort wird ein Busbahnhof geplant, der auf der Schulseite liegt. Außerdem sollte der verkehrssichere Fuß- und Radweg durch den Ortspark mehr genutzt werden.“

Böltl verspricht, „das Probleme und Anregungen des Bürgerdialogs – auch jene, die nicht bei dem Themenabend angesprochen wurden – in das Gutachten einfließen, dass am 25. Juli bei einem zweiten Bürgertreffen vorgestellt wird.“ 

Gerhard Fuhrmann

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