Zarte Fühler Richtung Städtefreundschaft

Poing liebäugelt mit Porec

+
Erwarten aus der Poinger Bevölkerung Vorschläge zu einer aktiven Städtefreundschaft mit Poreč: Bürgermeister Albert Hingerl und sein Referent Thomas Stark.

Die offizielle Antwort aus der Verwaltung lautet: „Der Gemeinderat hat einstimmig die Initiative zur Gründung einer Städtefreundschaft mit der kroatischen Stadt Poreč grundsätzlich begrüßt“ – in nicht öffentlicher Sitzung. Eine Delegation aus der Hafenstadt in Istrien war bereits im Februar 2012 in Poing.

Wenn die Poinger Institutionen, Vereine und Gruppierungen ausreichend Interesse zeigen, will Bürgermeister Albert Hingerl nach einer öffentlichen Informationsveranstaltung Ende Oktober/Anfang November 2012 eine Poinger Delegation bilden, die nach Poreč reisen wird.

Unerwartet und ohne Themenangabe baten Bürgermeister Albert Hingerl und sein Referent Thomas Stark am Montag um 8.55 Uhr per E-Mail zu einem Pressegespräch am selben Tag um 16 Uhr ins Rathaus. Dort fanden die Medienvertreter auf dem Tisch ein reich bebildertes Buch über Poreč, einen mäßig gefüllternAktenordner und die Info-Schrift zur letzten Poinger Bürgerversammlung vor.

Was vor gut einem Jahr im Gemeinderat nicht-öffentlich behandelt wurde, soll jetzt öffentlich gemacht werden: Man beabsichtige eine Städtefreundschaft mit Poreč/Kroatien – im kroatischer Sprachgebrauch bedeutet der übersetzte Begriff: Freundschaftsbund. Hierzu habe Poreč von sich aus die entsprechenden Papiere der Gemeinde Poing übermittelt. Bürgermeister Albert Hingerl macht die Unterschiede zwischen förmlicher Städtepartnerschaft und einer Städtefreundschaft zum einen an einem entsprechenden gemeinsamen Vertragswerk fest, aber auch daran, dass eine Partnerschaft nicht aufgelöst werden würde. Nach Siofok/Ungarn und einer norditalienischen Kommune wäre Poing die dritte kommunale Partnerschaft von Poreč.

Doch nun in chronologischer Reihenfolge, was nicht-öffentlich in den vergangenen eineinhalb Jahren geschehen ist: Im Mai 2011 habe sich die CSU-Fraktion mit einem Schreiben an die Stadtverwaltung Poreč gewandt, ob man sich dort eine Städtepartnerschaft mit Poing vorstellen könne. Davon hat auch Hingerl nach eigenen Angaben Kenntnis erhalten. Der erste Kontakt für Hingerl und Vertretern der Poinger Gemeinderatsfraktionen war ein informeller Besuch einer Delegation der Stadt Poreč am 27./28. Februar 2012 im Rahmen einer Bayernreise, organisiert vom kroatischen Generalkonsulat in München. Bei diesem Treffen habe Hingerl deutlich gemacht, dass man in Poing eine Städtepartnerschaft auf Bürgerengagement aufbauen wolle, das insbesondere von Vereinen, Schulen und Vertretern aus kulturellen Bereichen getragen werde. Hingerl ist überzeugt, dass eine Städtepartnerschaft nur dann mit Leben erfüllt werden kann, wenn in der Bevölkerung die Akzeptanz da ist.

Am 29. März habe man gemäß Gemeinderatbeschluss der Stadt Poreč mitgeteilt, dass Poing an einer Vertiefung der Kontakte interessiert sei. Im Gegenzug teilte die Stadtverwaltung Poreč am 30. Juli mit, dass der Stadtrat Poreč am 24. Mai einem Entwurf über die Vereinbarungen zur Gründung eines Freundschaftsbundes mit Poing, zu Deutsch einer Städtefreundschaft mit Poing zugestimmt habe. Mit dem Entwurf, der in Poing vorliegt, konnte sich wohl auch der Poinger Gemeinderat anfreunden und stimmte in der nicht-öffentlicher Sitzung am Donnerstag letzter Woche grundsätzlich der Gründung einer Städtefreundschaft zu. Zur Behandlung des Themas in nicht-öffentlicher Sitzung habe man sich aus Gründen der Diplomatie entschlossen, so Hingerl knapp. 

Nach der Info-Veranstaltung werde man sehen, ob eine Poinger Delegation nach Poreč reisen werde, Hingerl denkt an 15 bis 20 Personen. Sprachbarrieren sieht Hingerl keine, und wenn, dann stehe die vhs wohl zur Seite, so der ehemalige zweite Vorsitzende. Im Haushalt 2013 werde man rund 10.000 Euro für die die Städtepartnerschaft einzustellen haben. In der Poinger Bevölkerung ist der kroatische Anteil einer der größten und seit Jahren feiert die kroatische Kirchengemeinde in der Katholischen Kirche St. Michael ihre Gottesdienste.

Keineswegs neu ist die Idee, dass Poing mit einer anderen Kommune eine Städtepartnerschaft eingehen solle. Bereits zu Zeiten von Bürgermeister Rainer Lauterbach – vor 15 bis 20 Jahren –  wurde über eine Städtepartnerschaft in Kroatien nachgedacht, erinnerte sich Hingerl. Zuletzt aktuell war das Thema vor fünf Jahren: 2007 legten engagierte Bürger konkrete Vorschläge zu Städtepartnerschaften vor; darunter waren Jordanien, Südfrankreich Ungarn Kundus, Grado und Riccione. Vertieft hat sich davon nichts. – A.R. – 

Poreč, ein rund 19.000 Einwohner zählender und seit gut 150 Jahren (1845 soll der erste Reiseführer erschienen sein) bekannter Fremdenverkehrsort mit vor gelagerten Inseln, liegt an der Westküste Istriens auf der kroatischen Seite der Adria und etwa 572 Straßenkilometer von Poing entfernt. Poreč wird begünstig durch seine herrliche Lage am Wasser der nördlichen Adria, Pinienwäldern und kulturellen Denkmäler wie die Euphrasius-Basilika, einem UNESCO-Weltkulturerbe aus der Zeit, als Poreč noch zum byzantinischen Reich gehörte. Die auf einer kleinen Halbinsel gelegene historische und an kulturellem Angebot reiche Altstadt überdauerte viele Regentschaften, so die Dogenrepublik Venedig über gut fünfhundert Jahre hinweg im Mittelalter, danach die Türken, später gehörte Istrien zur Donaumonarchie unter österreichischer Herrschaft, nach dem 1. Weltkrieg dann zu Italien. 1946 wurde Istrien dann dem Vielvölerstaat Jugoslawien 

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kirchheimer Gemeinderat Rüdiger Zwarg droht ein Ordnungsgeld
München Nordost
Kirchheimer Gemeinderat Rüdiger Zwarg droht ein Ordnungsgeld
Kirchheimer Gemeinderat Rüdiger Zwarg droht ein Ordnungsgeld
Fiffi sorgt für Ärger: Kot auf Feldkirchens Gehwegen
München Nordost
Fiffi sorgt für Ärger: Kot auf Feldkirchens Gehwegen
Fiffi sorgt für Ärger: Kot auf Feldkirchens Gehwegen
Umleitung in Feldkirchen
Umleitung in Feldkirchen

Kommentare