Rettungshundestaffel der Freiwilligen Feuerwehr Aschheim

Wenn die Lebensretter bellen

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Schäferhündin Bessy hat gerade beim Training ihr „Opfer“,  die Leiterin der Aschheimer Hunderettungsstaffel Christina Lex, gefunden und wird mit Futter belohnt. Hundeführer Emil Pollnow ist stolz.

Hunde, die bellen, retten Menschenleben. In langjähriger Ausbildung lernen die Tiere der Rettungsstaffel der Freiwilligen Feuerwehr Aschheim, verunglückte Menschen zu orten. Die Hunde sind vor allem bei Einsätzen in der Region gefragt.

Bei der Aschheimer Rettungshundestaffel lernen die Tiere vor allem eines: „Von den Menschen können sie nur Gutes erwarten“, sagt Christina Lex, Staffelleiterin bei der Freiwilligen Feuerwehrwehr Aschheim. „Denn ein Rettungshund darf keine Angst vor Menschen haben“, betont sie. Doch Anfang Mai gab es in der Gemeinde einen Vorfall, der die Hunde eher das Gegenteil lehren sollte. Im Bereich der Flur- und Hofstattstraße hatten bisher Unbekannte mehrere Giftköder sowie Hackbällchen, die Rasierklingen enthielten, ausgelegt. Glücklicherweise ist keinem Hund, ob Rettungshund oder einem anderen Tier, etwas zugestoßen. Doch nicht nur Aschheimer Hundebesitzer sind empört, dass es wohl in der Gemeinde jemanden gibt, der Tieren etwas antun möchte. Auch das Team von der Hunde-Rettungsstaffel ist verunsichert und verärgert: „Die Leute bedenken anscheinend gar nicht, dass sie damit auch die Hunde der Rettungsstaffel oder sogar kleine Kinder gefährden“, sagt Lex. „Es ist schon bizarr, dass wir die Hunden ausbilden, um Menschen zu retten, und diese versuchen im Gegenzug, sie zu töten.“ Denn die ehrenamtlichen Mitarbeiter investieren viel Zeit und Kosten, um ihre eigenen Hunde für die Einsätze zu trainieren. „Andere Leute gehen Golf spielen, unser Hobby ist es, Hunde für die Rettungsstaffel auszubilden“, sagt Thomas Luft, eines der Mitglieder. „Wir wollen den Menschen helfen, aber natürlich macht uns die Arbeit mit den Hunden auch einfach Freude.“

Menschensuche auch im Wasser

Spaß müsse eben dabei sein. Denn immerhin gehen die Hundeführer neben ihrem ehrenamtlichen Engagement in der Rettungshundestaffel noch einer bezahlten Arbeit nach. In ihrer Freizeit treffen sie sich zwei Mal pro Woche unter anderem auf dem Aschheimer Bauhof-Gelände zum Training. „Zwei der Hunde waren zum Beispiel beim Eishallen-Einsturz in Bad Reichenhall im Einsatz“, erzählt Beate Luft, Hundeführerin und Ehefrau von Thomas Luft. Trümmersuche ist eines der Gebiete, auf das die Hunde spezia- lisiert werden. Außerdem gibt es noch die Flächensuche, bei der ein großes Gebiet in möglichst kurzer Zeit abgesucht werden soll. Hunde sind da eine große Hilfe, da sie weder schlechtes Wetter noch Dunkelheit von der Suche abhält. Wenige Rettungshundestaffeln trainieren ihre Vierbeiner auch dazu, ertrunkene Menschen in einem Gewässer zu orten. Die Feuerwehr Aschheim bildet einige Hunde auch auf die Wasserortung beziehungsweise Leichensuche aus. Das aufwändige Training der Tiere beginnt bestenfalls, wenn diese noch im Welpenalter sind. „Je jünger die Hunde sind, desto besser“, weiß Beate Luft. Das jüngste Mitglied in der Gruppe ist derzeit Fanny, ein neun Wochen alter Australian Shepherd. Im Futterkreis wird sie sanft an das Training herangeführt. Dafür bilden fünf Trainer einen Kreis, bei dem einige am Boden sitzen, andere stehen. Diejenigen, die sich am Boden befinden, locken Fanny zu sich heran und belohnen sie mit Leckerlis. Anschließend stehen sie auf und beachten sie nicht mehr. In der Zwischenzeit haben sich andere Trainer hingesetzt und wenden Fanny nun ihre Aufmerksamkeit zu. „Der Sinn diese Spiels ist es, Fanny an Personen zu gewöhnen, die sich am Boden befinden“, erklärt Christina Lex. „Denn das ist die Grundlage für das Training der Hunde. Schließlich sollen sie später Menschen finden, die sich meistens in liegenden Positionen befinden.“ So bekäme Fanny spielerisch vermittelt, dass die Menschen am Boden interessant sind. Bei späteren Trainingseinheiten hätten Personen, die Opfer mimen, dann irgendwann keine Leckerlis mehr in der Hand. So lernen die Hunde, dass sie noch etwas mehr tun müssen, bevor sie ihre Belohnung erhalten. Je nach Art der Ausbildung bellen sie, um auf die gefundene Person aufmerksam zu machen. Diesen Hund nennt man Verbeller. Ein Freiverweiser hingegen rennt zurück zum Hundeführer und schlägt dort an. So wie Schäferhündin Bessy, die gerade zur Freiverweiserin ausgebildet wird. „Ob man einen Hund zum Freiverweiser oder zum Verbeller ausbildet, hängt vom jeweiligen Charakter des Hundes ab“, erklärt Thomas Luft. „Manche Hunde haben eine sogenannte Bellhemmung. Sie möchten keine Menschen anbellen, die am Boden liegen.“ In so einem Fall bilde man sie besser zu Freiverweisern aus. So wie eben Bessy, die bald ihre Rettungshund-Prüfung ablegen kann und dann offiziell auf Einsätze gehen darf. Dafür wird fleißig geübt. „Die Hunde müssen immer im Training bleiben, selbst wenn sie ihre Prüfung schon abgelegt haben“, sagt Thomas Luft. Daher müsse die Prüfung jedes Jahr wiederholt werden. Insgesamt dauert es zwei bis drei Jahre, bis ein Hund fertig ausgebildet ist. Nachdem er eine Grundprüfung abgelegt hat, kann er eine weitere Prüfung machen, die ihn dazu befähigt, auf nationale Einsätze zu gehen. „Einige unserer Hunde sind sogar noch höher ausgebildet“ und können so auch für internationale Einsätze herangezogen werden“, sagt Luft. Doch solch ein Hilfe-Anruf erreiche die Aschheimer Rettungsstaffel der Freiwilligen Feuerwehr eher selten. Einsätze in Bayern und sogar deutschlandweit haben sie hingegen häufiger. Und so hat der Magyar-Vizsla-Rüde Figo im Laufe seiner langen Karriere auch schon zwei Mal ein Opfer gefunden. „Und trotz seiner elf Jahre ist er immer noch voll dabei“, freut sich seine Besitzerin Barbara Völkl. „Kürzlich hat er erst wieder seine Prüfung bestanden. Allerdings wird das wohl die letzte gewesen sein.“ Mit zwölf Jahren dürfe man ja auch getrost in den Ruhestand gehen, findet sie. Ob Mensch oder Tier, das Training macht Spaß. So ist die ganze Ausbildung auf positive Bestärkung aufgebaut, weiß Staffelführerin Lex. Denn: „Die Hunde wissen, wenn sie etwas richtig gemacht haben, werden sie dafür belohnt!“

Lydia Wünsch

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