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Laura Andrei: Die Königin von Slice und Smash

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Siegerehrung in Ismaning: Laura Andrei (Zweite von rechts) und Finalistin Arijana Lekaj im Kreise der Funktionäre.
Siegerehrung in Ismaning: Laura Andrei (Zweite von rechts) und Finalistin Arijana Lekaj im Kreise der Funktionäre. © TCA/ITF

Mit Laura Andrei hat der TC Aschheim eine Weltklassespielerin in seinen Reihen. Die 27-Jährige sicherte sich zuletzt neben einem wichtigen Turniersieg auch einige Weltranglistenpunkte.

Laura Andrei hämmert ihre glasharte Vorhand der Linie entlang auf die Rückhandseite ihrer fast bemitleidenswerten Gegnerin Marketa Vondrousova. Die Notverteidigung der überforderten Tchechin returniert die Rumänin in Diensten des TC Aschheim jetzt mit einem Cross-Schlag diagonal, der flach in die andere Ecke der Gegnerin zischt. Wieder kann Vondrousova den Paukenschlag Andreis nur unzureichend zurückbringen. Diese bereitet endgültig den Punktgewinn vor: Ihr gefühlvoller Slice tropft hinter die Netzkante abermals auf die Platzseite der Tschechin. Mit Rückwärtsrotation ist dieser meisterlich getimte Schlag Andreis nur noch per Verzweiflungs-Aktion zu retournieren. Darauf hat die 27-jährige Lokalmatadorin nur gewartet. Mit einem für die Gegnerin schier fürchterlich anmutenden „Smash“-Schmetterschlag beseitigt sie alle Zweifel am Ausgang des Ballwechsels und versenkt die Filzkugel im „Reich“ der längst ans Netz geeilten Rivalin.

Plan: Aufstieg in die Bayernliga

Eine Spielszene aus dem Achtelfinal-Match von Laura Andrei bei den mit 10.000 Euro dotierten Ismaning Open gegen die eigentliche Topfavoritin Marketa Vondrousova – das Andrei am Ende mit 7:6 und 6:4 für sich entscheidet und dem Turniererfolg in Meilenstiefeln entgegeneilt. Derartige Schlagserien sind ein Grund dafür, dass selbst alte Tennis-Hasen wie TC-Aschheim-Sportwart Franco Pioli ins Schwärmen geraten, wenn sie auf die 27-jährige, aus Bukarest stammende Racket-Künstlerin angesprochen werden. „Laura ist nicht nur die echte Führungsfigur und Mutterhenne unserer Damen-Landesligamannschaft beim TCA, die dank Laura in der kommenden Saison den Aufstieg in die Bayernliga anpeilt“, erzählt Pioli. „Sie ist ein sportliches Ass auf und ein menschliches neben dem Platz“, lobt der Sport-Funktionär in höchsten Tönen die „Seele der Mannschaft“.

In Ismaning war Laura Andrei in der Einzelkonkurrenz allerdings auf eigene Rechnung und vor allem für wichtige ITF-Weltranglistenpunkte unterwegs. Mit sehr viel Erfolg. Denn am Ende war keine Spielerin besser als die Hochschulabsolventin für Diplom-Sport an der Uni Bukarest. Im Finale sollte Andrei beim souveränen 6:2 und 6:2 gegen die Kroatin Arijana Lekaj auch ihr siebtes Match ohne jeden Satzverlust bestreiten, damit ihr siebtes ITF-Turnier gewinnen und wichtige zwölf WTA-Weltrang- listenpunkte gutgeschrieben bekommen.

Zehnmal Turnier-Meisterin

Besonders bemerkenswert ist dabei neben den Tennis spezifischen Technikvorzügen auch der Wille der allein 2015 zehnfachen nationalen Turnier-Meisterin. Denn Andrei ist nach erfolgreichen Karrierejahren zuletzt von Verletzungen gebeutelt gewesen und hatte sich zwischenzeitlich vom Turniergeschehen verabschieden müssen. In der Weltrangliste war die seit Anfang des Jahres in Deutschland lebende Racket-Meisterin derart weit nach unten gerutscht, dass sie beim Turnier in Ismaning gar die Qualifikationsrunden absolvieren und sich ins Hauptfeld hinein kämpfen musste. „Laura hat diese schwere Prüfung mit Bravour gemeistert. Wir vom TC Aschheim gratulieren herzlich zu diesem großen Erfolg“, freut sich Pioli zusammen mit Calin Paar und im Namen des rund 460 Mitglieder starken Vereins, der auch 250 Kindern und Jugendlichen eine tolle Tennis sportliche Plattform bietet. Calin Paar ist als Freund Lauras stolz auf seine Lebensgefährtin. Der junge Mann ist zudem Sohn von Aschheims Chefcoach Mircea Paar und somit in Doppelfunktion mit den Aschheimer Tenniswelten vertraut. Während Laura Andrei nebenan längst wieder nach Herzenslust schmettert, smashed und sliced und mit ihrem Talent heuer in der Landesliga eine blütenreine Weste von 14:0 Siegen vorweisen konnte, verrät ihr Freund noch ein kleines Defizit. „Ich muss sie vorwarnen. Laura spricht noch nicht so gut deutsch.“ Kein Problem. Mit Vor- und Rückhand lässt die Tennis-Diva lieber Taten für sich sprechen.

Harald Hettich

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