Kunst-Projekt in Kirchheim

Künstlerisches Maibaum-Upcycling

Der Künstler Roman Hummitzsch formt mit der Kettensäge Kunstwerke aus dem Kirchheimer Maibaum, der dem Sturmtief Sabine 2020 zum Opfer gefallen war.
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Der Künstler Roman Hummitzsch formt mit der Kettensäge Kunstwerke aus dem Kirchheimer Maibaum, der dem Sturmtief Sabine 2020 zum Opfer gefallen war.

Als Sturmtief Sabine im Februar 2020 über das Land fegte, richtete sie Schäden beim Kirchheimer Maibaum an. Dieser musste daraufhin umgelegt werden. Nun hatten der Burschenverein Kirchheim und der Künstler Roman Hummitzsch die Idee, den Maibaum künstlerisch weiterzuverwerten. 

Der letzte Maibaum in Kirchheim wurde 2017 aufgerichtet. Eine schöne Tradition, die sich für gewöhnlich alle fünf Jahre wiederholt. Leider konnten in jüngster Zeit coronabedingt an vielen Orten keine Maibäume platziert werden. Dementsprechend gab es auch keine Maibaumfeste.

Sturmtief Sabine war es, die in Kirchheim dafür sorgte, dass das Stangerl nicht fünf Jahre lang stand. Im Februar 2020 musste der obere Teil des Kirchheimer Maibaumes wegen der Schäden, die „Sabine“ angerichtet hatte, weichen. Dann stellte sich heraus, dass die Standsicherheit des Maibaumes nicht mehr gewährleistet war. Die Feuerwehr musste den Maibaum ganz umlegen, zu stark hatten die Böen dem Maibaum zugesetzt. Ganz verschwand der Maibaum allerdings nicht. Der untere Teil blieb in der Verankerung stehen — als Andenken, bis 2022 ein neuer Maibaum aufgestellt werden soll. „Dafür haben wir gekämpft“, betont Mario Neumeyer, Vorsitzender des Burschenverein Kirchheim. Der abgesägte Stamm durfte nicht verheizt werden, sondern die Maibaumscheiben sollten im Sommer auf dem Dorffest für einen guten Zweck verkauft werden. Doch es kam anders.

Der stehengelassene Stamm musste entfernt werden. Mitten auf dem Dorfplatz von Kirchheim steht nun einsam das blaue Stahlkonstrukt, hohl wie ein Gerippe und wartet auf seinen Einsatz, um dem Maibaum 2022 festen Halt zu geben.

Anstatt die Baumscheiben zu verkaufen, kam der Burschenverein Kirchheim allerdings auf eine neue Idee: aus dem Maibaumstumpf etwas Künstlerisches zu gestalten. Der Burschenverein wandte sich an den Kirchheimer Künstler Roman Hummitzsch, Mitinitiator des KunstRaums Kirchheim. Gemeinsam entstand dann die Idee des „Maibaum-Upcyclings“.

„Es ist ein Freundschaftsdienst zwischen den Vereinen der Gemeinde und die Aufgabe hat mich als Künstler und Bildhauer sehr interessiert“, sagt Hummitzsch. Das Upcycling, aus Altem etwas Neues zu schaffen, dem fast Weggeworfenem eine neue Würde zu verleihen, interessiert Hummitzsch als Künstler ohnehin. Zum Gründungsfest seines Vereins KunstRaum Kirchheim schufen viele junge Gäste, nach Hummitzsch‘ künstlerischen Anleitung, aus über 1000 Flaschendeckeln, ein 140 mal 70 Zentimeter großes Bild, eines bekannten Meisters. Zu bestaunen ist das Werk in der Galerie im KunstRaum Kirchheim.

„Wenn man kreativ, mit so genanntem Abfall, neues Brauchbares schaffen kann, dann begreifen wir, dass Müll ein Rohstoff ist und Entsorgung kein Problem für die Zukunft werden muss“, so der Künstler. Aus dem alten Kirchheimer Maibaum ein Kunstwerk zu gestalten, ist für Hummitzsch eine spannende Herausforderung.

Die Segmente des einstigen Stammes formt der Künstler nun mit Kettensäge und Stemmeisen neu. Aus den einzelnen Stämmen werden Unikate entstehen. Diese sollen, so plant es der Burschenverein, im Winter noch einmal auf dem Pfarrer-Caspar-Mayr-Platz in Kirchheim aufgestellt und zum Maibaumfest für einen guten Zweck versteigert werden. Einen Teil des Erlöses spendet der Burschenverein dem frisch gegründeten KunstRaum Kirchheim.

„Die Kunst muss unterstützt werden“, sagt Mario Neumeyer, „so funktioniert eine Mitmachgemeinde“. Und Hummitzsch fügt hinzu: „Mein Versprechen als Künstler, in der Gemeinde mehr Kunst im öffentlichen Raum zu gestalten, wird somit erfüllt.“

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