Klein – aber fein

Auch in den Ferien ist Aschheims kleine, aber feine historische Sammlung geöffnet. Am Sonntag, 15. August, findet sogar eine Führung um 14.30 Uhr statt. Im kulturellen Gebäude sind Funde aus Aschheim zu sehen, die belegen, dass zu Zeiten des Pyramidenbaus in Ägypten auch am Rande der Schotterebene bereits rege Betriebsamkeit herrschte. Ausstellungsleiterin Anja Pütz kann auf ein reichhaltiges Archiv zurückgreifen und die Ausstellung immer wieder mit neuen Exponaten attraktiv gestalten.

Erst kürzlich hatte Doris Gutsmiedl-Schümann in ihrer Promotion die Ausgrabung des einzigartigen, frühmittelalterlichen Gräberfeldes am Bajuwarenring in Aschheim abschließend behandelt. Die Erkenntnisse über die Funde hat die Archäologin in Form eines 2,7 kg schweren, 432 Seiten starken und 90 Euro teuren Buches der Gemeinde überreicht. Funde aus den insgesamt gefundenen 444 Bestattungen des Gräberfeldes sind in der Sammlung zu sehen. Nur wenig ist über den Alltag der normalen Bevölkerung des frühen Mittelalters schriftlich überliefert und so sieht Gutsmiedl-Schümann die Gräber-Gestaltung als eine der Informationsquellen über die damalige Lebensweise und gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Für sie sind die Gräber quasi „Schnittstellen zwischen der heutigen und der damaligen Zeit“. „Da aber bisher vergleichbare Funde zu Aschheim fehlen“, so die Archäologin, „bleiben konkrete Rückschlüsse aus den Grabbeigaben und ihrer Anordnung noch aus“. Auf einer guten Zusammenarbeit zwischen Aschheim und dem Landesamt für Denkmalpflege basiert das schnelle Resultat zu den Ausgrabungen am Bajuwarenring, wo man ab 1997 mit der archäologischen Bergung der Funde begann. In Partnerschaftsverträgen zwischen Landesamt und Gemeinde regelt man die Teilung der Kosten für Mitarbeiter sowie Materialien und Laborplätze. Dass mit der Publikation von Gutsmiedl-Schümann schon jetzt ein Abschluss erfolgen konnte, ist für archäologische Verhältnisse selten und basiert auch auf Stipendien, die wissenschaftliche Bearbeitung der Ausgrabung förderten. Kinder, Frauen und Männer unterschiedlichen Standes waren im Gräberfeld am Bajuwarenring bestattet. Die Zeit ihrer Bestattung lässt sich insbesondere bei den Frauen anhand der Perlenketten ziemlich genau datieren. Etwa alle 25 Jahre wechselte zu damaligen Zeiten die Mode. Zunächst waren die Ketten zweifarbig aus kleinen Perlen klein gefertigt und später wurden die Perlen größer und hatten eine größere Farbenvielfalt. Dies kann auch in der geschichtlich-heimatkundlichen Ausstellung im Kulturellen Gebäude verfolgt werden. 444 Bestattungen Trotz unterschiedlicher Messer und Waffen als Grabbeilagen in den Männergräbern, schloss Gutsmiedl-Schümann aufgrund der kaum beschädigten Skelettfunde kriegerische Auseinandersetzungen aus. Die Anordnung von Messer, Waffen und Gürtel neben oder an den Toten waren unterschiedlich. Hier führte die Archäologin das Alter des Toten als ein Grund für die jeweilige Anordnung an. In der Regel waren die Gräber gleichförmig, doch ein Bestattungsort war immer mit einem kreisförmigen Graben umgeben. Hier ist den Interpretationen noch Tür und Tor geöffnet. Hingegen habe man aufgrund einer DNA-Untersuchung bei zwei Frauen eine Pesterkrankung feststellen können. Auf dem Gräberfeld wurden zwar 456 Grabnummern vergeben, was darauf beruht, dass mehrere Archäologenteams gleichzeitig arbeiteten. In der Tat waren es 402 Gräber und 444 Bestattungen. Auch wenn Gräberfelder, Brunnen und Bäder in Aschheim gefunden wurden, konnte eine Siedlung, in der die Menschen zwischen 530 und 630 n. Chr. gelebt haben könnten, bisher nicht entdeckt werden. Die vermutet Gutsmiedl-Schümann in der Nähe Aschheims vielleicht sogar unter der aktuellen Bebauung. „Gemeinde Aschheim mit Geschichte und Zukunft“ - diesen Slogan unterstreicht nicht die historische Sammlung, sondern auch im neuen Südwest-Erholungspark mit markanter Geschichtssäule und Darstellungen aus den verschiedenen Epochen. – A.R. –

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