Neue Bauprojekte 

Rathaus und Bürgersaal zur gleichen Zeit – Kirchheim will auf's Ganze gehen

Im Hintergrund der Visualisierung des Ortsparks zur Landesgartenschau 2024 ist das neue Rathaus zu erkennen.
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Im Hintergrund der Visualisierung des Ortsparks zur Landesgartenschau 2024 ist das neue Rathaus zu erkennen.

Der Neubau des Rathauses in Kirchheim ist beschlossen. Und auch der Bürgersaal soll kommen. Die Gemeinde will nun beide Projekte gleichzeitig stemmen.

Kirchheim – Der Neubau des Kirchheimer Rathauses und eines angegliederten Bürgersaals beschäftigt Verwaltung, Gemeinderat und Planer seit fast sieben Jahren.

In der Gemeinderatssitzung vom 29. Juli 2013 wurde der Standort für den Neubau eines Rathauses beschlossen. Im Anschluss wurde ein Raumkonzept entwickelt, dessen Entwurf durch den Gemeinderat am 12. Oktober 2015 genehmigt wurde. Gemäß Gemeinderatsbeschluss vom 2. Mai 2016 und 25. Juli 2016 wurde ein Planungswettbewerb durch das Architekturbüro Schober durchgeführt, als Sieger ging der Entwurf der Bietergemeinschaft Architekturbüro Dürschinger und Tautorat Landschaftsarchitekt hervor. In der Gemeinderatssitzung vom 18. Juni 2018 wurde beschlossen, den Bürgersaal aus technischen Gründen bis zur Leistungsphase 2 mit zu planen – die Entscheidung über die Realisierung wurde doch zurückgestellt.

Das Prozedere hat nun doch eine erfreuliche Wendung erfahren. In seiner Sitzung am 27. Januar hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Neubau des Rathauses mit Tiefgarage sowie Bürgersaal inklusive Gastronomie auf Basis der durch das Planungsteam aufgestellten Vorplanung mit Kostenschätzung umzusetzen. Vorangegangen waren Vorträge der zuständigen Planer und Projektsteurer – Peter Dürschinger, Edgar Tautorat und Philipp Ratejczak – über den aktuellen Planungs- und Kostenstand.

Die Leistungsphase 2 (Vorplanung) ist abgeschlossen und die vorläufigen Kosten für den Neubau des Rathauses wurden ermittelt. Im Vergleich zum Wettbewerbsentwurf hat sich die Ausdehnung des Gebäudes erhöht. Die Bruttogrundfläche ist von 9.500 Quadratmeter auf 10.650 Quadratmeter gewachsen, der Bruttorauminhalt von 41.900 Kubikmeter auf 44.400 Kubikmeter. Begründet wird dies durch die Optimierung des Raumprogramms, die Implementierung von Flächen für einen gastronomischen Betrieb und einen daraus resultierenden erweiterten Stellplatzbedarf.

Mit Zuschlagserteilung für die Landesgartenschau 2024 und nach Wertung des Siegerentwurfs mit einem Teich im Ortspark entstand die „politische“ Idee, im Untergeschoß des Bürgersaals einen gastronomischen Betrieb bereitzustellen. Dieser kann sowohl das Catering für den Betrieb des Bürgersaals übernehmen als auch dem Ortspark Leben verleihen.

Die Landesgartenschau 2024 macht auch die sofortige Realisierung des Bürgersaals attraktiv. Der fertiggestellte Bürgersaal kann der Landesgartenschau unter anderem Räumlichkeiten für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Dies führt zu einem geringeren Investitionsvolumen für möglicherweise notwendige temporäre Ausstellungsflächen. Der Bürgersaal würde durch die Vielzahl an Besuchern bekannt werden, dies kann nachhaltig zu einer größeren Auslastung des Bürgersaals führen und den wirtschaftlichen Betrieb fördern. Eine spätere Realisierung des Bürgersaals würde wesentliche Mehrkosten nach sich ziehen (Herstellung und später Rückbau einer Interimsmaßnahme, wie etwa Pflasterbelag auf Sockelgeschoss, erhöhte Baukosten wegen steigender Baupreise und erhöhte Planungskosten für zusätzliche Leistungen).

Zum „Innenleben“ des Rathauses hatten Peter Dürschinger und Edgar Tautorat einige Fakten parat. So sind für die Bürgerfreundlichkeit großzügige, komfortable Wartebereiche geplant. Die Bürger werden via Infoscreen und Aufrufanlage zu den jeweiligen Sachbearbeitern geleitet, somit können Wartezeiten verkürzt und die Anliegen serviceorientiert behandelt werden. In der Tiefgarage sind zehn Ladestationen für E-Autos und sieben für E-Bikes vorgesehen.

Die in den jeweiligen Etagen liegenden Besprechungsräume sind sowohl vom Treppenhaus als auch von den Verwaltungstrakten erreichbar und bieten den Gemeinderatsfraktionen ein modern ausgestattetes Fraktionszimmer. Die synergetische Nutzung der Räume für den Rathausbetrieb (tagsüber) und die Fraktionen (außerhalb der Rathausgeschäftszeiten) ist effizient und belegt die wirtschaftliche Planung.

Im dritten Obergeschoss sind der modern ausgestattete Sitzungssaal mit Diskussionsanlage und das Trauzimmer angesiedelt. Beide bieten einen Blick über den Ortspark hinweg bis in die Alpen. Durch die flexible Ausgestaltung können beide Räume getrennt, oder durch die Öffnung einer mobilen Trennwand gemeinsam für kleinere Veranstaltungen genutzt werden. Hierbei ist die maximale Anzahl von 199 Personen zu beachten.

Die in enger Kommunikation mit dem Kulturreferat abgestimmte Planung des Bürgersaals bildet einen zukunftsfähigen Veranstaltungsraum für jegliche Art von Veranstaltung. Der große Saal fasst 300 Personen, der kleine 100 Personen. Durch die Öffnung einer mobilen Trennwand können beide zusammengeschaltet werden und insgesamt 400 Personen Platz bieten. Im großzügigen Foyer befindet sich ein Bistro, das über die Küche der Gastronomie aus dem UG versorgt werden kann. Dessen Terrasse direkt am Ortspark-See soll zusätzlich Gäste anlocken.

In punkto Barrierefreiheit ist die Planung auf aktuellem Stand: Alle Bereiche sind über drei Fahrstühle barrierefrei erreichbar.

Dann präsentierte Projektsteurer Philipp Ratejczak Zahlen und Termine. Das komplette Ensemble – Rathaus und Bürgersaal – ist mit geschätzten 39.573.994 Euro veranschlagt. Darin sind, so Ratejczak, bereits Einsparungen in Höhe von 2,8 Millionen enthalten. Baubeginn soll 2021 sein und die Fertigstellung ist für 2023 vorgesehen.

Natürlich konnte bei diesen Kosten eine Diskussion nicht ausbleiben. Dem Bürgersaal stand Bürgermeister Maximilian Böltl kritisch gegenüber: „Mir fehlt noch die Vorstellung, was man im Bürgersaal alles veranstalten kann“. Ewald Matejka (SPD) sah das dagegen positiv. Für ihn „generiert der Bürgersaal Einnahmen durch Seminare für Betriebe und Organisationen“ so Matejka, „der könnte bis zu 250 Tage im Jahr ausgelastet sein. Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen“. Auch Marianne Hausladen (CSU) sieht im Bürgersaal großes Potential. „Wir könnten das Kulturprogramm ausweiten und die Gastronomie durch eigene Veranstaltungen, etwa Hochzeiten, den Bürgersaal beleben“.

Bücherei im Rathaus integrieren. Diesen Vorschlag unterstützte auch Marcel Prohaska (SPD). Dem wiedersprach Maximilian Böltl: „Wir sollten den aktuellen Standort im Schlehenring nicht gleich aufgeben. Die Gemeinde hat dort viel Geld investiert“ so der Bürgermeister, „und wir können jederzeit die Multifunktionsräume im Rathaus für die Bücherei umfunktionieren, wenn der Bedarf dazu da ist“.

Der im Beschlussvorschlag vorgesehen Passus „Die Bücherei verbleibt vorerst in den Räumlichkeiten am Schlehenring, das Untergeschoss im Rathaus soll so geplant werden, dass eine spätere Integration der Bücherei in das neue Rathaus mit nur geringem Umbauaufwand möglich ist“ wurde einstimmig verabschiedet.

Gerhard Fuhrmann


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