Kultur während der Pandemie

Interview mit Kirchheims Kulturreferentin – „Sicherheit und Gesundheit gehen vor“

Kirchheims Kulturreferentin Katharina Ruf versucht, die schwierige Corona-Zeit zu bewältigen.
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Kirchheims Kulturreferentin Katharina Ruf versucht, die schwierige Corona-Zeit zu bewältigen.

In einem „normalen” Jahr stünden in Kirchheim jetzt zahlreiche Veranstaltungen an, etwa der Kulturherbst. Doch wegen Corona ist dieses Jahr alles anders. HALLO hat deshalb bei Katharina Ruf, der Kirchheimer Kulturreferentin nachgefragt, wie es in der Zukunft aussieht.

HALLO: Frau Ruf, Corona sorgt auch in der Kultur für Stillstand. Wie gehen Sie als Kirchheimer Kulturreferentin mit der Situation um?

Ruf: Mit Achtsamkeit und Umsicht. Wir als Gemeinde haben eine Verpflichtung unseren Bürgern und den Kulturbesuchern gegenüber – und haben uns daher ganz klar dafür entscheiden, dass Sicherheit und Gesundheit vorgehen. Das bedeutet zunächst alle Veranstaltungen abzusagen und abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Und wie sieht es mit den Künstlern aus, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Zunächst standen hier viele Gespräche mit Künstlern und Agenturen an, die in diesem Jahr wirklich sehr zu kämpfen haben. Die meisten Veranstaltungen konnten wir in das nächste Jahr verschieben – natürlich ohne zu wissen, wie sich die Lage weiterentwickelt. Doch ein „Vertagen“ hilft den Künstlern in dieser schwierigen finanziellen Lage nicht wirklich. Daher haben wir allen angeboten, einen Teil der Gage schon jetzt auszuzahlen und den zweiten Teil dann nach der Veranstaltung. So konnten wir immerhin ein bisschen unterstützen.

Die Gemeinde Kirchheim wollte Ende August dann eine „Sommernacht in Tracht“ mit der Musikkapelle Kirchheim durchführen. Aufgrund der steigenden Zahlen und der aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie wurde das Konzert aber kurzfristig abgesagt. Planen Sie in nächster Zeit dennoch weitere Veranstaltungen?

Die kurzfristige Absage der Sommernacht hat uns natürlich zu denken gegeben. Doch so, wie in der Bayerischen Verfassung steht, dass „Bayern ein Kulturstaat ist“, so nehmen auch wir unseren Kulturauftrag ernst und sind somit gedanklich schon wieder in der Planung. Derzeit führen wir daher Gespräche mit unterschiedlichen Kooperationspartnern in Kirchheim, denn die größte Herausforderung ist, dass wir noch keine eigenen Räumlichkeiten haben und somit immer auf andere angewiesen sind. Umso mehr steigt da jetzt schon die Freude auf den künftigen Bürgersaal beim Rathaus.

Wird es denn den Kirchheimer Kulturherbst in diesem Jahr dann geben, zumindest in „abgespeckter“ Variante?

Den Kulturherbst, so, wie er in den letzten Jahren war, wird es dieses Jahr nicht geben. Doch wir sind nun in der Planung, zusammen mit der evangelischen und der katholischen Kirche, dass wir über die Wintermonate Konzerte in den Kirchen vor Ort anbieten können. „Kirchheimer Kultur in Kirchen“ – so lautet derzeit der Arbeitstitel.

Und wie sieht es mit dem Kirchheimer Christkindlmarkt aus? Kann er heuer stattfinden?

In gewohnter Art wird der Kirchheimer Christkindlmarkt dieses Jahr leider nicht stattfinden können. Aktuell sind wir in der Recherche, ob und wie ein Markt stattfinden könnte – über Details zu sprechen wäre hier allerdings noch zu früh. Zudem gilt auch hier, dass Sicherheit und Gesundheit immer vorgehen und wir nicht zuletzt deswegen den Christkindlmarkt noch mit einem großen Fragezeichen versehen haben.

Wie schätzen Sie generell die Situation im Herbst und Winter ein, wenn kaum Kulturveranstaltungen im Freien möglich sind. Wie soll die Kulturbranche in dieser Zeit arbeiten?

Natürlich fallen die Open-Air-Veranstaltungen weg, doch auch für Indoor gibt es schon gute Lösungen. Es gibt klare Vorgaben, wie man im Innenraum Veranstaltungen durchführen kann und was dafür zu beachten ist. Ich persönlich würde mir dabei nur mehr Ausgewogenheit bei den Regelungen wünschen. In der Bahn oder im Flugzeug beispielsweise darf man ohne Abstand sitzen und die Anzahl der Personen ist nicht begrenzt – natürlich alles mit einem Mund-Nasen-Schutz. Ich denke, dass es auch der Kulturbranche zuträglich wäre, wenn man den Abstand verringern und mehr Menschen ins Konzert lassen dürfte und dafür auch am Platz eine Maske trägt.

Abschließend noch ein Ausblick: Wie sieht Ihr Wunschszenario für die Zukunft aus?

Mein Wunsch für die Zukunft ist nur, dass wir aus dieser kulturell sehr schwierigen Zeit eines mitnehmen können: Es gibt online so wahnsinnig viel kostenloses, kulturelles Angebot und durch Corona und die damit einhergehenden Maßnahmen hat sich das noch verstärkt. Doch im Gegensatz dazu hat man das Live-Erlebnis wieder mehr schätzen gelernt. Man sehnt sich danach, ins Konzert, Theater, Kabarett zu gehen, den Künstler live zu erleben und danach mit den anderen Besuchern seine Erfahrungen auszutauschen. Wenn wir uns das für die Zeit „nach Corona“ bewahren können, so steht uns ein fulminanter kultureller Neubeginn bevor.

Interview: Thomas Fischer

Mehr über Kirchheim und den Münchner Nordosten gibt es in der Übersicht.

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