Eine Investition in die Marktforschung

Fahrdienstleister Uber testet in Kirchheim

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Freuen sich über ihre Kooperation: Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (l.) und Uber-Geschäftsführer Christoph Weigler.

„So voll ist es in meinem Büro nur bei Trauungen“, stellte Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl fest. Rund 15 Personen drängelten auf engstem Raum – darunter auch Teams von Funk und TV. Der Grund: Kirchheim verkündete seine Kooperation mit dem Fahrdienstleister Uber.

Kirchheim – „Seit September arbeiten wir an dem Projekt“, erklärte Böltl und „wir wollen damit neue Wege gehen. So können wir unser Mobilitätskonzept mit Partnern lösen“. Diese Bindung – für Kirchheim kostenlos – geht ab sofort für drei Monate in die Testphase.

Warum geht ein solch großer Konzern, der weltweit seinen Dienst in 700 Städten betreibt, aufs Land? Dazu Uber-Deutschlandchef Christoph Weigler: „Wir testen Pilotprojekte im suburbanen Raum. Deshalb hat das Kirchheim-Projekt für Uber einen Modell-Charakter.“ Weigler will damit Technologie für Menschen schaffen, die außerhalb von Großstädten wohnen und sieht sein Uber-Angebot als Alternative zum eigenen Auto.

Bisher ist der Fahrdienst und Taxi-Konkurrent in sechs deutschen Großstädten aktiv – darunter in München. Und die bayerische Landeshauptstadt ist auch in die Testphase integriert: Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens, wenn der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gar nicht oder nur in großen Abständen verkehrt, kosten Fahrten ins oder aus dem Münchner Stadtzentrum pauschal 15 Euro. Zudem hat Uber noch ein Schnäppchen für Kirchheim und die nähere Umgebung im Angebot. Für Fahrten innerhalb der Ortschaften Kirchheim und Heimstetten zahlt der Gast immer 5 Euro. Der gleiche Betrag wird bei Touren von und nach Aschheim, Feldkirchen, Poing und Pliening fällig. „Damit sollen auch ältere Menschen individuell mobil werden, die kein eigenes Auto oder wenig Lust haben, die ,Mitfahrbänke´ zu nutzen“, meint Weigler.

Natürlich bergen die „Kampfpreise“ auch ein finanzielles Risiko. „Zum Start investieren wir dafür quasi in Marktforschung“, erklärt der Manager und will damit beim Testlauf genügend Kunden gewinnen, „um bei einer Verlängerung der Kooperation eine wirtschaftliche Kalkulation zu erreichen.“

Uber sieht sich für die kommenden drei Monate gut aufgestellt. „Genügend Unternehmen und Fahrer gebe es in der Region bereits“, sagt Weigler. Das sind lizenzierte Mietwagenunternehmen mit professionellen Fahrern. Alle Touren sind voll versichert und der Kunde sieht den Fahrpreis schon bei der Buchung. Dazu noch das Profil des Fahrers mit Foto, Service-Bewertung und Automodell mit Kennzeichen. Zur Wahl stehen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und E-Autos (Uber Green). „Wir wollen bestmögliche Verfügbarkeit schaffen“, so Weigler, „länger als 15 Minuten – beispielsweise bei E-Fahrzeugen — sollte kein Kunde warten.“ Bestellt wird die Fahrt per App und die Bezahlung erfolgt automatisch und in der Regel bargeldlos durch hinterlegte Kreditkarte oder PayPal. Das Uber-Angebot von E-Bikes und E-Scooter wird es in Kirchheim noch nicht geben.

Gerhard Fuhrmann

Kirchheimer SPD lehnt Uber-Projekt vehemt ab

Mit Verärgerung hat die SPD Kirchheim-Heimstetten auf das Uber-Projekt in Kirchheim reagiert. In einer Pressemitteilung erklären sie wörtlich: „Das in den Medien vorgestellte Kirchheimer Uber-Projekt wurde ohne Beteiligung des Kirchheimer Gemeinderates ins Leben gerufen. Auch wenn sich ein 5-Euro-Ticket für eine Fahrt innerhalb des Gemeindegebietes beziehungsweise den Nachbarkommunen und ein 15-Euro-Ticket für die nächtliche Heimfahrt von München nach Kirchheim verlockend anhört, lehnt die SPD dieses Projekt entschieden ab. 

Der günstige Preis wird auf Kosten der Fahrer erzielt. Beim Mindestlohn von 9,19 Euro zuzüglich Sozialversicherung kostet der Beschäftigte für 24 Stunden/Tag rund 270 Euro, dazu kommt die Abschreibung für das KFZ, die Betriebskosten und die Verwaltung/Vermittlung. Für die schwarze Null braucht es da pro Tag deutlich über 20 Nacht beziehungsweise über 65 Ortsfahrten – da dies völlig unrealistisch ist, werden wohl Schlupflöcher gesucht werden, die Personalkosten zu reduzieren. 

Die SPD begrüßt außerordentlich weitere Verbesserungen beim ÖPNV. Richtig ist auch der Ansatz, ein Angebot für die Zeiten zu schaffen, wo es Unsinn wäre, die Verbindung zu U- und S-Bahn per Bus zu betreiben. Denkbar wäre zum Beispiel ein Ruftaxi-System. Eine Lösung auf Kosten der Beschäftigten lehnen wir aber vehement ab.“


Mehr über Kirchheim gibt es in der Übersicht.

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