In Kirchheim sind Drahtesel Chefsache

Bewertungs-Kommission will Kirchheim als „fahrradfreundliche Gemeinde“ auszeichnen

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Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl mit Sarah Guttenberger (AGFK).

Kirchheim könnte noch in diesem Jahr als „fahrradfreundliche Gemeinde“ ausgezeichnet werden. Die Hürde „Bewertungs-Komission“ ist zumindest bereits genommen.

Kirchheim — Für Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl war es ein Deja-vus: „Als ich das letzte Mal vor einer Bewertungs-Kommission stand, ging es um die Landesgartenschau 2024. Danach bekamen wir den Zuschlag. Vielleicht ist das ein gutes Omen“.

Das jetzige Treffen fand im Pfarramt St. Andreas statt und diesmal sollte die Entscheidung fallen, ob Kirchheim als „fahrradfreundliche“ Gemeinde zertifiziert wird sowie zur Arbeitsgemeinschaft „fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V.“ (AGFK) gehören soll.

Dafür waren relevante Fahrrad-Fachleute im Gremium vertreten: Sarah Guttenberger (Geschäftsführung AGFK Bayern), Martin Singer (Bayerisches Verkehrsministerium) und Robert Burschik (ADFC Landesverband). Außerdem hatte Beatrix Winkler, zuständig für Mobilität und Projekte in der Kirchheimer Verwaltung, noch Karl-Heinz Schilling (Dienststellenleiter Polizeiinspektion Haar), einige Damen und Herren des Arbeitskreises „Fahrradfreundliches Kirchheim“, vom Bauhof und vom Bund Naturschutz geladen.

Dass die Gemeinde den Radverkehr sehr wichtig nimmt, konnte das Gremium während des Vortrags von der Radverkehrsbeauftragten Beatrix Winkler, die seit 2015 in dieser Funktion tätig ist, erfahren. „In den letzten fünf Jahren haben wir 1.673.230 Euro für Rad- und Fußverkehr ausgegeben“ so Winkler, „das sind im Durchschnitt 26 Euro je Einwohner und Jahr“. Auch für die Zukunft hat sich Kirchheim hohe Ziele gesetzt. Bis 2030 soll der Radverkehr innerorts von 32,5 auf 50 Prozent und der Gesamtverkehr von 19,2 auf 30 Prozent gesteigert werden.

Bei der „Nahmobilität“ setzt man auf grüne, autofreie Wege zu den Schulen, gute Anbindung an Busse und Bahnen und den Ausbau einer „barrierefreien“ Gemeinde. Zum Radverkehrskonzept in Verbindung mit Kirchheim 2030 und Landesgartenschau gehören zudem noch kurze Fuß- und Radwege in den Wohnquartieren, Fahrradmagistrale im Ortspark, eine Fahrradstraße zum Heimstettener See und drei neue Fuß- und Fahrradbrücken.

Ebenso wird die überregionale Zusammenarbeit intensiviert. „Wir sind in das überörtliche Verkehrskonzept München-Ost und in der Arbeitsgruppe Radschnellwege integriert“, erklärte Winkler und lobte auch die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden.

Dass die Gemeinde seit 2015, als Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), des Bayerischen Verkehrsministeriums und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) erstmals die Straßen, Radwege und Beschilderung in Kirchheim unter die Lupe nahmen, ihre Hausaufgaben gemacht hat, wurde der Kommission während des Vortrags deutlich gemacht. Zahlreiche Schutz- und Radfahrstreifen, sichere Querungsstellen durch elf Ampeln und acht Fußgängerüberwege, Fahrradstraßen, Bordsteinabsenkungen und Verkehrsberuhigung durch Tempo 30 sind seitdem konsequent umgesetzt worden.

Ein weiterer Aspekt war die Fahrrad- und Stellplatzsatzung vom 1. Juli, in der umfassende Vorschriften erlassen wurden. „Wir haben auch viel in die fahrradfreundliche Infrastruktur investiert“, so Winkler, „wie ausreichende Abstellanlagen bei Schulen, Bahnhof und öffentlichen Einrichtungen“. Stolz ist Winkler auch auf die Kooperation mit dem MVG-Mietrad, das mit drei Stationen im Gemeindegebiet vertreten ist. „Bei uns ist Radverkehr Chefsache“, hob Winkler hervor, denn „Maximilian Böltl fördert den Radverkehr – ob bei Aktionen oder der Einführung der Elektromobilität in der Verwaltung“.

Die Praxis

So viel zur Theorie. Dann war die Praxis an der Reihe. Alle Teilnehmer stiegen aufs Rad und wollten unter Führung von Beatrix Winkler die „Bewerbungsfahrt“ mitmachen. Anerkennung fanden die teilweise installierten, neuen grünen Radwegweiser, die Fahrbahnabsenkungen und an der Heimstettner Straße erklärte Maximilian Böltl die Baustellen von Rat- und Kinderhaus sowie Gymnasium. Hier wurde auch die zukünftige Verkehrsführung inklusive neuer Rad- und Schutzstreifen besprochen.

Der weitere Weg führte über die Radmagistrale zur Räterstraße. Dort wurde die schwierige Situation – viel Verkehr, viele Busse, viele Fußgänger – diskutiert und die weitere Streckenführung durchs Räterzentrum begutachtet. Dabei machten die Experten hilfreiche Vorschläge. Auch am S-Bahnhof Heimstetten gab es Lob für die Rad-Abstellflächen wie auch für die Radfahrstraße zum Heimstettener See. Die weitere Strecke führte über die Staatstraße 2082 zur Münchner Straße („Umlaufsperren könnten breiter sein“), wo die angebrachten Schutzstreifen den Prüfern genügten. Ebenso die Fahrbahnabsenkungen und -streifen bei der Erdinger Straße.

Nach der Rückkehr zogen sich die drei Experten im Pfarramt zur Beratung zurück. Sarah Guttenberger (AGFK) gratulierte anschließend den Kirchheimer Vertretern für ihre Arbeit („es wurden die Hausaufgaben gemacht“), lobte die Präsentation, die Zusammenarbeit mit dem MVG-Mietrad sowie die informative Homepage. Guttenberger schlug noch vor, dass man eine Überarbeitung nach fünf Jahren vornehmen und nicht bis 2030 warten sollte. „Wir werden in sieben Jahren wiederkommen und hoffen, dass unser Lob dann genauso positiv ausfällt wie jetzt“, so Sarah Guttenberger, „und wir werden dem Verkehrsministerium vorschlagen, Kirchheim zu zertifizieren. Die Urkunde könnte dann am 22. November überreicht werden“.

Maximilian Böltl dankte allen Beteiligten und meinte: „Ich habe während der Tour noch Kleinigkeiten gesehen, die wir verbessern müssen. Unsere Motivation zum Weitermachen wird nicht nachlassen“.

Gerhard Fuhrmann


Mehr über Kirchheim und den Münchner Nordosten gibt es in der Übersicht.

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