Eine Schule für 93,86 Millionen Euro

Keine Deckelung für Gymnasiums-Erweiterungsneubau in Kirchheim mehr

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Verspielt bisweilen „etwas chaotisch“ mit asynchronen Treppen präsentiert sich das neue Kirch- heimer Gymnasium innen.

Mit Spannung hatte man die Präsentation im Zweckverband der weiterführenden Schulen im Münchner Osten erwartet, war erstaunt über die gestiegenen Kosten und ob der Größe für 1350 Schüler und 120 Lehrkräfte. Gegen eine Stimme beschlossen die Zweckverbandsmitglieder dennoch, die Kosten-Deckelung von 75 Millionen Euro aufzuheben und die nächste Leistungsstufe, in der eine Kostenberechnung durch die Planer zu liefern ist, in Auftrag zu geben.

Zweifellos beeindruckt die graphische Darstellung des neuen fünfgeschossigen Gymnasiums. Von außen geradlinig und kantig, innen verspielt bisweilen „etwas chaotisch“ mit asynchronen Treppen, Flächen und Nischen, wie der Planer betonte und ergänzte, der neue Schulcampus werde in den geplanten Ortspark eingebettet. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass im September 2022 die Schüler im neuen Haus unterrichtet werden.

Wenn auch das Hausinnere optisch verspielt scheint, so ist die Nutzung streng gegliedert. Im Erdgeschoss befinden sich Aula mit Bühne, Verwaltung, Mensa mit Ausgang zum Schulhof sowie die Räume für jede Art von Kreativität in Kunst und Musik. In der Etage darüber ist der MINT-Bereich angesiedelt; hier sind Unterrichtsräume wie auch die Labore für Chemie, Physik, Biologie, Technik und Informationstechnologie angeordnet. In den oberen drei Etagen sind Unter-, Mittel- und die Oberstufe ganz oben untergebracht. Die Klassenräume sind entlang der Fassade angeordnet sowie aufgrund des großen Glasanteils hell und freundlich. Lernbereiche sind um das Atrium im Inneren des Gebäudes angesiedelt. Die natürliche Belichtung dieser Flächen erfolgt über das verglaste Atrium-Dach und wird durch tageslichtgesteuerte künstliche Belichtung ergänzt.

In jeder Hausecke befindet sich ein Treppenhaus. Mit der lichten Breite von 2,4 Metern sind die Treppen auch zu Stoßzeiten für den Schülerandrang ausreichend dimensioniert. Gleiches gilt auch für die Mensa, da derzeit in der Regel zwischen 180 und 220 Schüler das Angebot wahrnehmen, wie Gymnasial-Direktor Matthias Wermuth auf Anfrage von Zweckverbandsrätin Johanna Hagn, ob denn 250 Plätze für 1350 Schüler genügen, bestätigte.

Auch im Sportbereich bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt: Rasensportfeld mit Flutlichtanlage, zwei Allwetterplätze in Kombination mit einer Hoch- und einer Weitsprunganlage, zwei Beachvolleyballfelder, vier Laufbahnen sowie eine Vierfach-Turnhalle. Weil mit wenig aufwendiger Bautechnik zu bauen ist, wird die Tiefgarage unterhalb der Turnhalle statt unter dem Gymnasium errichtet. Somit erzielt man eine Kosteneinsparung, erklärten die Planer.

Die Gesamtkosten für Gymnasium, Sporthalle Tiefgarage und Außenanlage (mit über 600 Fahrradstellplätzen) und ohne Grundstückskosten betragen 93,86 Millionen Euro. Die geplante Investition liegt damit 5,44 Millionen Euro über der einstigen Grobkostenschätzung von 88,42 Millionen Euro, die einen Risikofaktor von 11,2 Millionen Euro beinhaltete.

Zweckverbandsrätin Johanna Hagn befürchtete, dass ohne Kostendeckelung die 100-Millionen-Euro-Grenze durchbrochen wird. Ihr wurde bestätigt, dass derzeit kein Risikofaktor in der Kostenschätzung eingeplant sei. Zweckverbandsrat Bernhard Stilling fragte nach der Möglichkeit für die Vollversammlung in der Aula, die für 600 Personen zugelassen ist. Öffnet man aber einen Teil der Wand im Hausinneren zum Foyer hin, finden auch 1900 Personen Platz, so die Planung. Konkret ließ er sich bestätigen, dass der Gang zwischen Schule und Turnhalle überdacht und die Tiefgarage behindertengerecht über einen Aufzug zu erreichen ist. Die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche sieht „beim Kirchheimer Gymnasiumsneubau das Geld nicht in die Bildung, sondern in die Baubranche“ investiert. Nicht Platz für Bildung, sondern Luxus werde geschaffen. Noch seien kein Tisch, Stuhl und die IT-Ausstattung geschweige denn eine pädagogisch qualifizierte Lehrkraft finanziert. Insbesondere befürchtete Ganssmüller-Maluche Nachfolgelasten in Form von Betriebskosten. Nach aktuellen Schülerzahlen entfallen auf die Verbandsgemeinden Baukosten in Höhe von 55,68 Millionen Euro (Kirchheim 23,2 Millionen Euro; Aschheim 17,29 Miollionen Euro; Feldkirchen 15,19 Millionen Euro). Der Landkreis wird 38,18 Millionen Euro übernehmen.

Man darf auf die im gleichen Zweckverband geplante Realschulerweiterung und den beschlossenen Gymnasiums-Neubau in Aschheim gespannt sein. Zu Schulbeginn im Herbst 2019 wird nur die Container-Lösung für die dringend benötigten Klassenzimmer der Realschule fertiggestellt sein. 

ar

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