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„Alle Alters- und Zielgruppen ansprechen“

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Von: Thomas Fischer

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Katharina Ruf beim Beethoven-Konzert der Spielmusik Leder-
wascher.Foto: oh
Katharina Ruf beim Beethoven-Konzert der Spielmusik Leder- wascher.Foto: oh © oh

Knapp acht Jahre hat Ka­tharina Ruf das kulturelle Leben in der Gemeinde Kirchheim geprägt. Nun geht sie eigene Wege. 

rau Ruf, Sie sind seit siebeneinhalb Jahren Kulturreferentin der Gemeinde Kirchheim. Wie viele Veranstaltungen haben Sie in dieser Zeit betreut?

Katharina Ruf: Von Dezember 2014 bis Juli 2022 waren es rund 100 Veranstaltungen – von Dorffest, Christkindlmarkt und Neujahrsauftakt über Wirtschaftsempfang und Bürgerversammlung bis hin zu Kabarett, Konzerten und Liederabenden.

Welche Veranstaltung hat Sie am meisten Energie gekostet?

Eindeutig das Dorffest. Ein ganzes Wochenende – drei Festtage – das muss gut vorbereitet sein und ist dann natürlich auch intensiv in der Durchführung. Doch es hat sich jedes Mal ausgezahlt. Die vielen freudigen Gesichter der teilnehmenden Vereine und auch der Besucherinnen und Besucher waren jede Mühe wert.

Welches Kultur-Ereignis hat Sie am meisten beeindruckt?

Gar nicht so leicht zu beantworten, weil jede Veranstaltung für sich alleine besonders ist. Doch ich denke, es sind die Konzerte der Spielmusik Lederwascher. Gerade die musikalische Leidenschaft, die Hans Lederwascher ausstrahlt und mit der er seine Konzertprogramme angeht, beeindruckt mich immer wieder.

Wie beurteilen Sie die Kulturvielfalt in Kirchheim?

Wir haben in den vergangenen Jahren – im Rahmen dessen, was möglich ist – immer versucht, alle Alters- und Zielgruppen anzusprechen. Denn meiner Auffassung nach besteht kommunale Kulturarbeit vor allem darin, auch mal auszuprobieren. Sprich neuen, jungen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bieten und auch dem Publikum immer wieder etwas Ungewohntes servieren.

Kirchheim liegt vor den Toren Münchens. Ist es schwierig, so nahe an München ein Kulturprogramm auf die Beine zu stellen?

Das ist sicherlich nicht leicht – doch es gibt Nischen, mit denen man arbeiten kann, oder kreative Veranstaltungen, die vielleicht vor Ort mehr Menschen ansprechen. So hatten wir beispielsweise einige Jahre eine „Lange Nacht der Chöre“, mit unseren Ensembles aus Kirchheim und Heimstetten. Und die Veranstaltung „Musik und Kulinarik“ haben wir in enger Zusammenarbeit mit den Gastronomen vor Ort initiiert.

Sie haben Kirchheim Vokal und den Kirchheimer Kulturherbst ins Leben gerufen. Wie geht es damit weiter?

Bei Kirchheim Vokal mussten wir bereits nach drei Jahren feststellen, dass es dafür nicht genügend Publikum in der Gemeinde gibt. Diese Reihe liegt daher im Moment auf Eis. Wie es mit dem Kulturherbst weitergeht, liegt in den Händen meiner Nachfolgerin. Ich denke gerade auf dieser Stelle braucht es kreative Freiheit – und so gibt es auch Raum, dass Neues entstehen kann.

Als Kulturreferentin hat Corona Sie hart getroffen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Das war keine leichte Zeit. Als Kulturreferat war man erst mal mit Absagen und Verschieben beschäftigt. Und dann häufig nochmals absagen und verschieben. Wir haben dann versucht, die Zeit zu nutzen und anderweitig kreativ zu werden, um beispielsweise einen Podcast ins Leben zu rufen.

Hat Corona Sie an der Verwirklichung neuer Projekte gehindert?

Natürlich waren da immer ein paar Ideen in meinem Kopf, die ich gerne noch umgesetzt hätte. Zum Beispiel ein „Konzert im Liegen“ oder eine Open-Air Reihe auf der Räterwiese. Die Umsetzung wurde dann durch die Pandemie – aber letztlich vor allem durch meinen Weggang verhindert.

Sie waren ja nicht nur als Kulturreferentin tätig, sondern auch das eine oder andere Mal als Sängerin auf den Kirchheimer Bühnen zu erleben. Werden Sie als Künstlerin einmal nach Kirchheim zurückkehren?

Das mit Sicherheit – ich plane sogar schon diesen Oktober mein erstes eigenes Konzert in Kirchheim zu geben. Details folgen, sobald die Planung steht. Und wer weiß, vielleicht darf ich ja hin und wieder moderieren. (lacht)

Nun haben Sie entschieden, die Gemeinde zu verlassen. Was sind Ihre weiteren Pläne?

Es fiel mir nicht leicht, die Entscheidung zu treffen, Kirchheim zu verlassen. Doch manchmal im Leben kommen Zeichen, durch die man etwas lernen und sich verändern darf. Und so habe ich nach reiflicher Überlegung entschieden, mich selbständig zu machen – als Sängerin, Moderatorin, freie Rednerin sowie als Systemischer Coach und Beraterin. Ich möchte gerne Menschen begleiten, sei es mit meiner Stimme bei Taufen und Hochzeiten, meinen Worten bei Trauungen und Bestattungen oder meinem Wissen und meiner Art bei Coachings und Beratungen.

Und wie blicken Sie auf Ihre Zeit in Kirchheim zurück?

Vor allem voller Dankbarkeit. Die Zeit in Kirchheim hat mich sehr geprägt und mich zu dem Menschen werden lassen, der ich heute bin. Gerade die Offenheit und Herzlichkeit, die mir hier entgegengebracht wurde, hat es mir leicht gemacht, mich hier als Kulturreferentin wohl zu fühlen. Und das macht mich sehr dankbar und werde ich immer in guter Erinnerung behalten.

Interview: fit

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