Perspektivenwechsel der besonderen ArtAschheimer Realschüler erhalten Einblick in das Leben  mit Behinderungen

Perspektivenwechsel der besonderen Art

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Wie meistern Menschen mit Behinderungen ihren Alltag? Dieser Frage konnten nun Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen der St.-Emmeram-Realschule Aschheim unter anderem in einem Blindenparcours „nachgehen“.

Wie meistern Menschen mit Behinderungen ihren Alltag? Antworten auf diese Frage konnten Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen der St.-Emmeram-Realschule Aschheim im Rahmen des Projekts „Perspektivenwechsel“ mit allen Sinnen „erleben“.

Dabei erfuhren die Jugendlichen, dass selbst einfachste Dinge für Menschen mit Behinderungen zu großen Herausforderungen werden können.

Ungewöhnlich still ist es im Mehrzweckraum der Realschule Aschheim, obwohl der Unterrichtstag noch nicht begonnen hat. Neugierig und zugleich argwöhnisch blicken die Sechstklässler ihre Gäste für diese Schulstunden an. Normalerweise hätten sie „um diese Leute einen großen Bogen gemacht“, wie Adrian (11) später im Interview berichtet. Denn die Eingeladenen leben mit verschiedenen Behinderungen und sitzen fast alle im Rollstuhl – so auch Anita Donaubauer, die Vorsitzende des Fördervereins „Gemeinsam Mensch e. V.“. Sie ist aufgrund einer Infantilen Cerebralparese (Frühkindliche Hirnschädigung) behindert und hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, „normale“ Menschen über ihr alltägliches Leben und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu informieren.

Die anfängliche Scheu der Jugendlichen legt sich rasch, als sie anfängt, offen von ihrer Behinderung zu erzählen. Dann dürfen sich die Schüler in einer Reihe zum großen Händeschütteln aufstellen und die ersten persönlichen Worte mit den Menschen mit Behinderungen wechseln. Ein gemeinsames Thema ist gleich gefunden: Fußball. „Die Menschen mit Behinderungen und ihre Betreuer sorgten von Beginn an gleich für eine lockere Atmosphäre“,  erzählt die Religionslehrerin und Initiatorin des Schulprojekts, Bettina Kainz. „Das war wirklich faszinierend.“  

Nach der vorbereitenden Gesprächsrunde erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, aus der Sicht eines Menschen mit Behinderung an mehreren Erlebnisstationen alltägliche Situationen zu bewältigen. So mussten beispielsweise mit einem speziellen Handschuh, der eine Greifbehinderung simuliert, Äpfel geschält werden. An der nächsten Station konnten die Jugendlichen mit verbundenen Augen einen Blindenparcours durchlaufen oder die die blinde Marion beim Lesen der Blindenschrift erleben. „Wahnsinn, dass sie sogar UNO spielen kann, obwohl sie die Farben nicht erkennt“, mussten die  Schüler verblüfft feststellen. Die „beliebteste“ Station war das Rolli-Basketball, wobei die Schüler gegen Denis, der selbst im Rollstuhl sitzt, keine Chance hatten. 

Schulleiter Bernhard Vidoni wertete dieses Projekts als äußerst positiv: „Gerade die Inklusion, also die Einbindung von Menschen mit Behinderungen in den Schulalltag, ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen.“ Mit solchen Projekten können seiner Ansicht nach Hemmschwellen und Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderungen gezielt abgebaut werden

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