Gemeinde soll Landshamer Brennerei kaufen

Bürgerbegehren in Pliening?

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Wird die Brennerei in Landsham zum Thema eines Bürgerentscheids in Pliening?

Mit einem Bürgerbegehren, für das in Pliening nach aktuellem Stand rund 400 Unterschriften wahlberechtigter Bürger benötig werden, wollen Stefan Seizl (Alternative Pliening) und Dr. Bettina Marquis (SPD/Unabhängige) erfahren, ob die Bürger dafür sind,

„dass die Gemeinde Pliening das Grundstück (Fl.Nr.1614) in Landsham erwirbt und das darauf stehende Gebäude der alten Branntweinbrennerei erhält“.

Aktuell stehen auf der Tagesordnung der Bauausschusssitzung am heutigen Donnerstag zwei formlose Anfragen für das Grundstück in Landsham, auf dem sich die Brennerei befindet (Fl.Nr.1614): zum einen für acht Doppelhaushälften, zum anderen sieben Reihenhäuser und ein Mehrfamilienhaus. Beide sollen „beschließend“ verabschiedet werden.

Für Seizl und Marquis ist das über 100 Jahre alte Gebäude von „herausragender, historischer Bedeutung“ und „besonders prägend für das Ortsbild“. Da dies derzeit zum Verkauf steht und vom Abriss bedroht sei, sollte es ihrer Meinung nach die Gemeinde Pliening kaufen und für Vereine, öffentliche Einrichtungen, aber auch für Gastronomie, Vermietung und Verpachtung zur Verfügung stellen.

Ortsprägendes Gebäude und Industriedenkmal

Einen entsprechenden Antrag für den Erwerb der Landshamer Brennerei hatte die Alternative Pliening am 7. August gestellt, der aber in der darauf folgenden nicht öffentlichen Gemeinderatssitzung am 30. August mit „knapper Mehrheit abgelehnt“ wurde, wie Seizl mitteilte. Da Grundstücksahngelegenheit in der Regel mit finanziellen Aufwendungen verbunden sind, müssen diese in nicht öffentlicher Sitzung behandelt werden. Nach dem Beschluss fiel der Grund für die Nicht-Öffentlichkeit weg, so dass nun Seizl seinerseits den Beschluss zitieren kann. Den Erweb der Brennerei wollte Seizl durch einen Grundstückstausch mit nahe gelegenen, gemeindeeigenen Grundstücken durchführen. 

Auch die SPD stellte einen Antrag mit gleichem Ziel am 14. August. „Erst sichern, dann für die Allgemeinheit nutzen“, meinte Bettina Marquis in ihrer Begründung. Auch für sie ist die Brennerei „ein Landshamer Wahrzeichen und eine Landmarke für die ganze Gemeinde“, aber auch ein Industriedenkmal, das an die Agrargeschichte und das Genossenschaftswesen in der Gemeinde erinnere. Von Veranstaltungen – z.B. Kleinkunst in der Brennerei – könnten die nahe gelegene Gastronomie und Bäckerei profitieren. Zur Finanzierung schlägt sie eine Grundstücksteilung vor.

Eingestellt hat die Landshamer Brennerei ihren Betrieb nach der Verarbeitung der letzten Kartoffelernte und war somit bis zur letzten vollständigen Ernte- und Brenn-Saison in Betrieb. Aber schon seit einigen Jahren hat man die Erlaubnis, das Gebäude zu entfernen. – A.R. –

HintergrundNach dem 1918 eingeführten und europaweit einmaligen Branntweinmonopol in Deutschland zahlte die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein an die Landwirte zuletzt rund einen Euro pro Liter gebrannten Alkohol mehr als den Weltmarktpreis. Nicht zuletzt die EU forderte die Einstellung dieser Subvention des Bundes an die Landwirte in Höhe von rund 80 Mio. Euro. Eine 2010 ausgehandelte letzte Ausnahmeregelung zwingt die Landwirte zur Umstrukturierung; Landwirte, die Kartoffeln und Getreide verwerten, trifft dies ab 2013, Kleinstbrennereien werden bis 2017 subventioniert. 

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