Die  Kirchheimer Human-Stiftung

Von der Vision, Kindern eine Zukunft zu geben

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Viele Kinder, die im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh leben, leben verarmt und von der Gesellschaft abgeschnitten. Dank der Human-Stiftung erfahren sie Hilfe im Betreuungs- und Ausbildungszentrum.

Aus Dankbarkeit, dass sie in ihrem eigenen Leben viel erreicht haben und glücklich sind, hat das Kirchheimer Ehepaar Edith und Karlheinz Neumann vor ein paar Jahren die Human-Stiftung gegründet. Sie wollten Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen übernehmen. In Indien und in Nepal engagieren sich die Kirchheimer für Familien, die in Armut leben.

Im Kinderzentrum „Keshwa Child Welfare Center“ im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh gibt es eine Kindernot­hilfe. Zudem werden Menschen, die an einer geistigen Behinderung leiden, betreut. Jugendliche und junge Erwachsene können an einem Ausbildungsprogramm teilnehmen, Frauen können sich an den Beratungsdienst wenden. Ins Leben gerufen haben all diese Projekte Karlheinz Neumann und seine Frau Edith aus Kirchheim. „Beruflich hatte ich früher mit Indien zu tun. Das Land mit all seinen Gegensätzen, die Kultur und die Stimmung haben mich fasziniert“, sagt Neumann, der seit 2015 im Ruhestand ist. Aber der Kirchheimer sah auch: die hohe Behindertenrate in den ländlichen Gegenden Indiens und die vielen Analphabeten. Vielen Familien fehlt es an Wasser, Strom und an einer medizinischen Versorgung. Die Provinz Uttar Pradesh ist der zweitärmste Staat in Indien mit allein 200 Millionen Einwohnern. So suchte Karlheinz Neumann auf einer mehrwöchigen Reise mit seiner Frau durch Indien nach Adressen von Sozialorganisationen, mit denen er von Kirchheim aus zusammenarbeiten könnte. Er wurde fündig: Er lernte Dr. Satya Prakash Tiwari, seine Frau Mala Tiwari und deren gemeinnützige Organisation „Creation India Society“ kennen. Vor fünf Jahren gründete das Kirchheimer Ehepaar die Human-Stiftung, um die Not der Menschen in Indien zu lindern. „Unsere Vision ist es, Kindern eine Zukunft zu geben“, sagt Neumann. „Wir konzen­trieren uns auf wenige Projekte, diese aber sind langfristig angelegt“, sagt der Stifter und fügt hinzu: „Das, was wir tun, machen wir intensiv.“ Seit ein paar Jahren sei er im Ruhestand, aber sein Engagement für die Projekte sei wieder ein „Vollzeit-Job“. Dank der sozialen Medien wie WhatsApp, Skype oder E-Mail könne Neumann von Kirchheim aus viel organisieren und in die Wege leiten. „Doch das funktioniert nur, weil wir vor Ort Menschen kennen, denen wir vertrauen, von denen wir wissen, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind und mit uns auf einer Wellenlänge.“

Immer wieder vor Ort in Indien Zwei- bis drei Mal im Jahr ist Neumann dennoch in Indien. Zuletzt jetzt im November, im April dieses Jahres auch gemeinsam mit seiner Frau Edith und ihren drei Kindern. „Unsere Kinder unterstützen uns auf unterschiedliche Art und Weise.“ Das Verständnis ihrer Kinder sei ihnen auch wichtig. Edith und Karlheinz Neumann fliegen stets auf eigene Kosten nach Indien und haben einige finanzielle In­vestitionen getätigt. „Unsere Kinder sollen nachvollziehen, warum wir das alles tun.“ So gut und schnell die Kommunikation zwischen Indien und Deutschland auch funktioniert, ist es wichtig, immer wieder nach Indien zu reisen: „Vor Ort müssen wir unsere Kontakte pflegen und neue knüpfen, zum Beispiel zu Regierungs­organisationen. Ebenso hilft es, vor Ort zu sein, um zu verstehen, was funktioniert und was eben nicht und wie sich die Dinge bei unseren Projekten entwickeln.“ Neumann verständigt sich viel auf Englisch, doch in den ländlicheren Gegenden wird das schwieriger. „Die meisten können dort nur Hindi. Und das wiederum zeigt uns, wie wichtig es auch ist, den Kindern die Möglichkeit zu geben, Englisch zu lernen.“

Daten über Familien in den Dörfern sammeln Überhaupt ist es wichtig, hinauszufahren in die Dörfer, diese abzuklappern und sich bei den „Dorf-Bürgermeistern“ über die jeweilige Situation zu informieren. „Nur so lernen wir Familien kennen, die in Armut leben und zum Beispiel ein behindertes Kind haben. Die Menschen dort sind sehr zurückhaltend. Ihnen ist oft gar nicht bewusst, was es für Möglichkeiten gäbe wie eine Operation, eine Therapie oder nur ein Rollstuhl, der das Leben erleichtert.“ Die Menschen mit Behinderung werden von der Human-Stiftung an einen Regierungsvertreter und an einen Arzt weitervermittelt, um künftig Unterstützung zu erfahren. „Uttar Pradesh hat die höchste Behindertenrate in den Armutsgegenden Indiens“, so Neumann. Anderen Familien kann geholfen werden, indem sie versuchen, Kinder und Jugendliche für die Schule oder eine Ausbildung zu gewinnen. 30 Prozent der Menschen in dem Uttar Pradesh sind An­alphabeten. „Unser Ziel ist es natürlich, unseren Radius in den kommenden Jahren noch weiter auszudehnen“, sagt der Kirchheimer. Doch es sei natürlich so – wie immer bei der Sozialarbeit – dass man nicht flächen­deckend Hilfe anbieten kann. „Aber es ist doch besser, einigen oder etlichen zu helfen als gar nicht“, sagt sich Neumann. „Und wir sind in der Lage, für ein paar hundert Menschen im Jahr da zu sein und ihre persönlichen Nöte zu lindern.“
Verena Rudolf

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