Von den Kirchheimern allein könnte kein Betrieb überleben

Den Charme des Ortskerns nutzen

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Den Charme des Kirchheimer Ortszentrums nutzen: Der Gemeinderat macht sich Gedanken um die Zukunft des Einzelhandels vor Ort.

Wie steht es um den Einzelhandel im Ortskern von Kirchheim? Was passiert, wenn das Rathaus einen neuen Standort bekommt? Was können die Gemeinde und die Betriebe zur Strukturverbesserung tun? Der Gemeinderat versuchte vergangene Woche, diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Viele Fragen – die Antworten versuchte das Büro „Popien und Partner Wirtschaftsgeographie“ mittels einer Umfrage zu geben. Aus mehreren Gesprächen und Fragebogen-Aktionen (Passanten, Unternehmer, Experten) zogen die Experten umfassende Informationen über die aktuelle Situation im Ortskern.

Die wichtigste Erkenntnis von Ralf Popien: Von der Kaufkraft der Einheimischen alleine hätte kein Betrieb eine Überlebens-Chance. „Es gibt also viel zu tun!“ Doch müsse nicht gleich alles in Frage gestellt werden. Pluspunkte bekamen die nahe Anbindung zur Autobahn A94, gute Parkmöglichkeiten, der Wochenmarkt, der „Charme des Areals“ und die geringe Leerstands-Quote.

Größtes Problem

Das größte Problem für die Betriebe sind Popien zufolge jedoch die umliegenden Einkaufszentren, die Kaufkraft binden. Dazu zählten die Riem-Arcaden, das REZ Heimstetten und das Poing City Center – aber auch die Möbelmärkte wie XXL-Lutz und Segmüller oder Baumärkte wie BayWa oder Obi. „Die ziehen alle jene an, die mehr flanieren wollen oder größere Einkäufe tätigen“, so der Planer im Gemeinderat.

Beim Ortskern dagegen sind der Studien zufolge Post/ W-Markt sowie Bäcker und Metzger die gefragtesten Standorte. In der Hitliste ganz oben steht demnach der Edeka-Markt an der Staatsstraße. Der hat übrigens auch mit 600 bis 700 Besuchern pro Tag die höchste Kundenfrequenz.

Eine Einrichtung mit hoher Frequenz sei auch das Rathaus mit zirka 164 Besuchern pro Tag. Und davon profitierten natürlich die umliegenden Geschäfte und Gastronomie. Der Umzug des Rathauses würde dann den Umsatz wesentlich beeinträchtigen, denn 60 Prozent der Befragten nutzten den Rathaus-Besuch mit Einkäufen oder umgekehrt. Ebenso wurde festgestellt, dass der Ortskern die „Kantine“ für die umliegenden Arbeitsplätze ist.

Note 3,4

Insgesamt gaben die 405 befragten Bürger dem Einkaufsangebot die Note 3,4 und der Gastronomie eine 2,8. Folgende Schwächen wurden festgestellt: das Kopfsteinpflaster, die Verkehrsregelung am Marktplatz, die mangelnde Angebots-Vielfalt (es fehlt eine Drogerie und ein „gscheite“ Wirtschaft), Geschäfte liegen zu weit auseinander sowie kaum Grün-Bepflanzung oder ein Café mit Sitzgelegenheiten oder Eisdiele.

Um dies zu ändern, schlug Popien vor, das Kopfsteinpflaster fußgängerfreundlich zu gestalten, eine klare Verkehrsführung und schönere Ortskerngestaltung. Zudem müsse der „Kindergarten als Frequenzbringer bleiben“. Kostenloses Internet (W-Lan) und Veranstaltungen könnten zudem zusätzliche Besucher in den Ortskern locken.

Schlecht weg kam in der Befragung übrigens das Brunnenzentrum mit der Note ungenügend. Eigentlich, so Popien, „verdient es die Bezeichnung Zentru“ nicht“. Gründe dafür seien ein „veraltetes Erscheinungsbild“, der abgelegene Standort und der stagnierende Umsatz. Zudem sollte man sich „auch die Subventionierung des Bonus-Marktes dringend überlegen“. Bürgermeister Maximilian Böltl erklärte abschließend, auf keinen Fall „ein weiteres Zentrum schaffen, sondern „stattdessen die anderen stärken“ zu wollen.

Gerhard Fuhrmann

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