Planung nimmt immer konkreter Gestalt an

Gemeinderat befasst sich mit den Planungen Kirchheim 2030

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Infoveranstaltung für Kirchheim 2030 mit Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl.

Die Vorstellung des Rahmenterminplans für 2030 und die Beauftragung der Fachplaner und Gutachter zur Straßen- und Verkehrs- planung werden den Kirchheimer Gemeinderat auf seiner nächsten Sitzung beschäftigen.

Die Bemühungen um eine neue Kirchheimer Ortsmitte gehen in die 1980er-Jahre zurück. Etwa 20 Jahre später folgte eine Bürgerbeteiligung (2009), die in einem Architekten-Wettbewerb mündete. Die Ortsentwicklung stand dann wieder bei der Klausurtagung des amtierenden Gemeinderates im Jahr 2014 auf der Tagesordnung. Im Juli 2016 folgte ein Workshop, bei dem das Projekt „Kirchheim 2030“ präsentiert wurde. Dessen Idee war wiederum die Verknüpfung von Kirchheim und Heimstetten, Schaffung von Wohnraum für zirka 3000 Einwohner um einen Ortspark, öffentliche Verwaltungs-, Bildungs- und Kultureinrichtungen (Rathaus, Gymnasium und Haus für Kinder), Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten, Verkehrslösungen und viele Grünflächen zur Verbesserung der Lebensqualität.

Nach dem Workshop wurde mit Bauträgern und Grundstückseigentümern um die finanziellen Rahmenbedingungen verhandelt und am 10. Juni 2017 stimmte der Gemeinderat – nur Rüdiger Zwarg (Grüne) war dagegen — dem Eckpunktepapier für Kirchheim 2030 zu, das auch die Bürger online einsehen konnten. „Es ist der dritte Anlauf und auch die letzte Chance. Einen vierten Versuch wird es nicht mehr geben“, sagte Bürgermeister Maximilian Böltl und nannte diese Gemeinderatssitzung als eine der wichtigsten Sitzungen für die nächsten Jahre. 

Bürgermeister Maximilian Böltl setzte mit dem Schritt auf volle Transparenz vor dem Bürgerentscheid, der parallel zum Wahlsonntag am 24. September stattfinden sollte.

Mit den Bauträgern wurde eine Beteiligung in Höhe von 85,8 Millionen Euro vereinbart, die in Planung, Erschließung und Ausgleichsflächen, aber vor allem in den Ortspark, Kinderbetreuung, Rathaus und vergünstigten Wohnraum investiert werden. Großen Anteil an den Verhandlungen der Eckpunkte für den Städtebaulichen Vertrag hatte die vom Gemeinderat eingesetzte Projektgruppe mit den Gemeinderäten Stephan Keck (SPD), Gerd Kleiber (FDP), Franz Glasl und Bürgermeister Maximilian Böltl (beide CSU). Im Rahmen des erforderlichen Umlegungsverfahrens erhielt die Gemeinde nicht nur die notwendigen Flächen für Straßen, Grünflächen, Kinderbetreuung und Grundschulerweiterung, sondern auch zusätzliche Flächen für Rathaus, Gymnasium und Ortspark. Diese zusätzlichen Flächen umfassen insgesamt 88.809 Quadratmeter. Damit bekam die Gemeinde alle notwendigen Grundstücke, um die Vorhaben im Rahmen von Kirchheim 2030 realisieren zu können. Für den Ortspark und das Rathaus mit Bürgersaal (entsteht erst in der zweiten Bauphase) und Bücherei inklusive Ausgleichsflächen trägt die Gemeinde anteilige, nicht von der Wohnbebauung verursachte Kosten. Diese betragen zirka 27,7 Millionen Euro.

Bei Kirchheim 2030 wird es vergünstigten Wohnraum für Ortsansässige geben. Gemäß den neuen Richtlinien zur sozialgerechten Bodennutzung (Kirchheimer Modell) sollen Kirchheimer Bürger Wohnraum zu vergünstigten Konditionen mieten oder kaufen. Insgesamt 30 Prozent des neuen Wohnraums gibt es zu erschwinglichen Konditionen. „Kirchheim 2030 ist damit nicht nur durchgerechnet und finanziert, sondern vor allem ein großer Mehrwert für unsere Bürger“, betonte Böltl und hoffte auf einen positiven Ausgang des Bürgerentscheids am 24. September.

Seine Hoffnungen wurden erfüllt. Mit 71,7 Prozent sprach sich eine deutliche Mehrheit der Kirchheimer (10.230 Wahlberechtigte) für das Konzept von CSU, SPD, FDP und ÖDP. Und der Bürgermeister wollte keine Zeit verlieren. Schon einen Tag danach stand Kirchheim 2013 auf der Tagesordnung des Gemeinderats und es wurden die notwendigen Schritte eingeleitet, um den Bebauungsplan auf Grundlage des Strukturkonzepts aufzustellen. Mit über 20 Informationsveranstaltungen, enorm hohem finanziellen Aufwand, einer Bürgerinitiative und einem Schulterschluss von vier Fraktionen des Gemeinderats hatte das Projekt die größten Hürden überwunden. Und Böltl gab sich kämpferisch: „Die 28,3 Prozent, die das Konzept ablehnen, wollen wir mit ins Boot holen und gemeinsam die Zukunft Kirchheims planen“.

Für ihn war der Dialog mit den Bürgern wichtig, denn jeder konstruktive Hinweis trug dazu bei, eine hohe Qualität in der Planung zu erreichen — bei der Gestaltung des Ortsparks, einer geänderten Verkehrsführung oder bei einem verbesserten Fuß- und Radwegenetz. Damit wurde sichergestellt, dass Kirchheim 2030 weiterhin von einer großen Zustimmung geprägt wird. Die Mitarbeiter des Bauamts, Projekt- und Stadtplaner sowie Landschaftsarchitekten berücksichtigten viele Hinweise aus der Bevölkerung in den Bebauungsplan Nr. 100 mit integriertem Grünordnungsplan. Zusätzlich gab es eine enge Zusammenarbeit mit Institutionen und Verbänden. Von März bis Mai 2018 konnten alle Interessenten den vom Gemeinderat gebilligte Vorentwurf einsehen.

Der sieht acht Monate später schon konkreter aus. Nach mehreren Bebauungsplan- Varianten wurde in der Gemeinderatssitzung im Dezember 2018 der aktuelle Sachstand präsentiert. Bei der Fortschreibung reduzierte sich gegenüber Mai das Wohnbauland von 150.000 auf 144.000 Quadratmeter, die Gemeinbedarfsflächen von ursprünglich 117.000 um 7000 Quadratmeter erhöht, die Grünflächen von 143.000 auf 139.000 Quadratmeter verringert, die Straßenverkehrsflächen stiegen von 78.000 auf 85.000 Quadratmeter und die bisherige Gesamtfläche wuchs um 4000 Quadratmeter. Ebenso legten die Planer bei den Wohnquartieren, Verkehrswegen, Stellplätzen und Grünflächen nochmals Hand an, dessen Ergebnis der Gemeinderat zustimmte und machte den Weg für die nächsten Planungsschritte frei. Da hilft dann Martina Görner mit, die die Gesamtprojektleitung für Kirchheim 2030 übernahm.

Die nächste Sitzung des Gemeinderats Kirchheim findet am Montag, 4. Februar, um 19 Uhr in der Mensa der Grund- und Mittelschule Kirchheim an der Heimstettner Straße 12 statt. 

Gerhard Fuhrmann

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