Fragen über Fragen

Theoretisch wäre das hochgepumpte Wasser für eine Thermalbad-Nutzung geeignet (hier bei der ersten Bohrung). Jetzt soll das potenzielle Interesse möglicher Investoren ausgelotet werden. Foto: AFK/oh

Warum muss eine 140 Meter lange Leitung zur Nutzung der Geothermie für eine neue Kindertagesstätte in Kirchheim in nicht öffentlicher Sitzung diskutiert werden? Warum wird in Aschheim in nur zwei Monaten ein Thermalbewegungsbad geplant und kalkuliert während in Kirchheim ist ein sportliches Schwimmbad auch nach vier Jahren noch nicht einmal skizziert ist?

Drei Kommunen beschließen auf interkommunaler Ebene mittels Geothermie ihren Bürgern bezahlbare Heizwärme zu bieten. Gelobt und gefördert wurde das Projekt, auch weil es deutschlandweit das erste seiner Art war. Man gründete eine GmbH mit den Bürgermeistern als Aufsichtsrat. Will man etwas beschließen – angenommen ein Hallenbad –, dann muss dies, vereinfacht gesagt, erst jede Kommune in ihrem Ratsgremium beschließen und der jeweilige Bürgermeister den Beschluss dann im Aufsichtsrat der AFK vertreten. Damit dies gleichzeitig erfolgte, wurden gemeinsame Gemeinderatssitzungen abgehalten, auf denen die drei Ratsgremien nach Sachstandsbericht und gemeinsamer Diskussion getrennt abstimmten. „Wir sind damit gut und schnell mit der AFK-Geothermie vorwärts gekommen“, versicherte Aschheims Bürgermeister und AFK-Aufsichtsratsvorsitzender Helmut J. Englmann. Mittlerweile beschließt jeder in seinem Rathaus und lädt nach Gutdünken AFK-Geschäftführer Thomas Fröhlich zum Informationsgespräch ein. Die Gemeinderäte treffen sich nur noch zu gemeinsamen Informationssitzungen. Das soll sich ändern, so Englmanns grundsätzliche Botschaft in der letzten Sitzung, die von kontroversen Ansichten, deutlichen Worten und klar formuliertem Unmut geprägt war. Vor einem Jahr hieß es, die AFK-Geothermie habe ihre Ziele übertroffen und sei für die Zukunft gerüstet. Heuer teilte Geschäftsführer Fröhlich mit, dass die AFK im Jahr 2011 37.021 Mwh geliefert habe, von denen 35.675 MWh durch Geothermie und 1.346 MWh durch 138.000 Liter Heizöl erzeugt wurden. Ferner habe man AFK 3.498 MWh an Fremdstrom hinzukaufen müssen. Konkrete Pläne für weitere Anschlüsse 2012 wurden nicht vorgestellt. Anschlüsse an die Geothermieversorgung erfolgten in der Regel, so Fröhlich auf Nachfrage, erst im 3. und 4. Jahresquartal. Warum eine 140 Meter lange Leitung zur Nutzung der Geothermie für die neu zu errichtende Kindertagesstätte in Kirchheim in nicht öffentlicher Sitzung diskutiert werden muss, ist vielen Räten ein Rätsel. Fröhlich erläuterte nur so viel: Die Kindertagesstätte liege nicht in einem geplanten Anschlussgebiet, sollte hier ein Anschluss gewünscht sein, müssten die Kosten hierfür von der Gemeinde übernommen werden. Die plant vorerst eine Gasheizung. Thermal- oder Schwimmbad? Alle sind sich einig: ein Hallenbad wäre schön, – aber…? Wohl um viele Diskussionen zu umgehen, erläuterte Fröhlich, dass die Errichtung eines solchen nicht ursprünglicher Zweck der AFK sei. Allerdings hat das Wirtschaftsministerium in der Bewilligung zur Gewinnung von Erdwärme festgelegt, dass der Zweck die Nutzung von Wärme mit den dazugehörigen Obertageanlagen und deren Nutzung über ein Fernwärme sowie gegebenenfalls eine nach geschaltete balneologische (Anmerkung: Bade-) Nutzung sei. Laut TU München würde das hochgepumpte Wasser die chemische Vorraussetzung, als natürliches Heilwasser mit der Fluoridkonzentration von 1,8mg/l und der Schwefelkonzentration von 3mg/l erfüllen und könnte durchaus Basis für eine „schwefelhaltige flouridhaltige Therme“ sein. Ein Schelm der dabei Böses – oder wie die Kirchheimer SPD schon im April 2008 – an ein Hallenbad denkt? Die regten damals ein Hallenbad mit Lehrschwimmbecken an, um den Schüler-Busverkehr nach Ismaning zu sparen, die Restwärme zu nutzen (das Wasser muss vor der Re-Injektion ohnehin abgekühlt werden), der Wasserwacht Trainingsmöglichkeiten im Winter zu bieten, den Senioren ein Mobilitäts- und Fitnesstraining ermöglichen, und .. und ... und. Ausdrücklich nicht gewünscht war ein „so genanntes Spaßbad“. Als Synergieeffekt hätten die gleichen Techniker die AFK- und Hallenbadanlagen pflegen können. Allerdings musste sich die SPD Kirchheim nach vier Jahren in der letzten gemeinsamen AFK-Sitzung sagen lassen, dass ihr Antrag nicht in ihrem Ratsgremium beschlossen worden sei und somit im Aufsichtrat nicht ordnungsgemäß thematisiert werden konnte. Konkrete Pläne in Aschheim Ganz anders in der Nachbargemeinde: Im Aschheimer Gemeinderat hat man im Dezember 2011 beschlossen, die Realisierung eines Thermalbewegungsbades mit 8 x 10 Meter großem Becken zu prüfen. Und so konnte AFK-Geschäftführer Fröhlich einen Plan präsentieren, bei dem das Becken von einem 12 x 18 Meter großen Gebäude umgeben ist. Dem vorgeschaltet werden müsse ein etwa 8 x 6 Meter großes Einrichtung samt Becken für Filteranlagen und zur Abkühlung des 50 Grad heißen Wassers aus der Energiezentrale zunächst auf etwa auf 40 bis 45 Grad, damit im Bewegungsbad nur noch 35 bis 40 Grad warmes Wasser ankommt. Rund 0,9 Mio Euro betrage das Investionsvolumen. Der Aschheimer Antragsteller Dr. Hansjosef Friedrich erläuterte ergänzend, dass sportliches Schwimmen bei einer Wassertemperatur von 35 bis 40 Grad nicht betrieben werden könne. Die Kirchheimer Ratsmitglieder waren von der Planung und dem Vorgang mehr als irritiert, zeigten sich dennoch konstruktiv und schlugen vor, das Hallenbadprojekt durch einen Investor ausführen zu lassen. Rührt sich jemand ist das Projekt interessant, waren sich alle einig. – A.R. –

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