Die 50 Zentimeter springen wieder raus

Höhere Förderung für S-Bahnhof Heimstetten

Der Freistaat erhöht seine Förderung, die Bahn kann umplanen und den Verbindungstunnel am S-Bahnhof Heimstetten doch drei Meter breit bauen.
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Der Freistaat erhöht seine Förderung, die Bahn kann umplanen und den Verbindungstunnel am S-Bahnhof Heimstetten doch drei Meter breit bauen.

Der barrierefreie Ausbau des S-Bahnhofs Heimstetten kommt mit breiterem Verbindungstunnel. Eine entsprechende Planungsänderung trägt dem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie dem angestrebtem Bahnausbau Rechnung.

Beim barrierefreien Ausbau des S-Bahnhofs Heimstetten im Gemeindegebiet von Kirchheim wird es keinen schmaleren Neubau des Verbindungstunnels geben. Das Bayerische Verkehrsministerium hat seine Förderzusage um noch einmal fast 400.000 Euro erweitert, damit die Deutsche Bahn die Querverbindung unter den Bahngleisen hindurch wieder mit einer Breite von drei Metern wie bisher realisieren kann.

„Wir haben die Fördermittel noch einmal aufgestockt, damit es einen Ausbau mit Weitblick geben kann. Kirchheim ist ein stark wachsender Standort, und wir wollen perspektivisch auch die Bahninfrastruktur entlang der Strecke für ein noch attraktiveres Angebot im Nahverkehr ausbauen“, erklärt Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer. Ursprünglich hatte die DB aufgrund interner Richtlinien beim Neubau nur eine Breite von 2,5 Metern angesetzt.

Die Gesamtkosten für den barrierefreien Ausbau des S-Bahnhofs erhöhen sich durch die breitere Unterführung um 600.000 Euro auf aktuell rund zehn Millionen Euro. Davon gewährt der Freistaat nun eine Investitionsförderung von ziemlich genau acht Millionen Euro. Die Deutsche Bahn hat den geänderten Förderbescheid bereits von der Regierung von Oberbayern erhalten und kann mit der Umplanung beginnen. Zusätzlich gleicht der Freistaat noch einmalig rund 1,5 Millionen Euro aus, weil der Deutschen Bahn insbesondere mit dem Einbau der Aufzüge höhere Betriebskosten entstehen.

28 Projekte

Der barrierefreie Ausbau des S-Bahnhofs Heimstetten gehört zu 28 Ausbauprojekten des sogenannten Bayern-Paketes 2013–2018. Mit insgesamt 13 Maßnahmen befindet sich das Gros der Projekte im Münchner S-Bahn-Netz. Der Ausbau der Station Heimstetten sollte ursprünglich bereits im Jahr 2018 beginnen, wurde aber damals wegen zu hoher Angebotspreise gestoppt. Eine Neuausschreibung durch die DB ist im Jahr 2020 erfolgt. Der Ausbau soll im nächsten Jahr beginnen und im Laufe des Jahres 2022 fertiggestellt werden. Zusammen mit dem von der Gemeinde geplanten Umbau des Bahnhofsumfelds soll damit in Kirchheim rechtzeitig zur 2024 stattfindenden Landesgartenschau eine moderne Mobilitätsdrehscheibe für die vielen Pendler und damit eine Visitenkarte für die Kommune entstehen. Perspektivisch will der Freistaat einen viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen München Ost und Markt Schwaben erreichen, so dass mit einem weiteren Zuwachs bei den Ein- und Aussteigern zu rechnen sein wird. Zuletzt ist der S-Bahnhof Heimstetten im Schnitt von 5000 Ein- und Aussteigern am Tag genutzt worden.

Die Planungen der Bahn, den Verbindungstunnel zu verschmälern, hatten im Kirchheimer Gemeinderat noch im September für erheblichen Unmut gesorgt. „Unmöglich“, so kommentierten die Räte das Vorhaben damals und untermauerten ihre Sicht mit zahlreichen Argumenten. So würde die Berechnung der Fahrgastzahlen und die darauf basierende, geplante Breite der Unterführung lediglich den Status quo abbilden. Kirchheim aber befinde sich „inmitten einer städtebaulichen Zäsur und eines signifikanten Wachstums­prozesses“. Allein durch das große Ortsentwicklungsprojekt Kirchheim 2030 würde die Gemeinde um etwa 3000 neue Bürger wachsen. Zudem würden die Gewerbegebiete derzeit massiv umgeplant – auf insgesamt 250.000 Quadratmetern würden in hochverdichteten Gebäudekörpern etwa 1500 neue Arbeitsplätze im Hightech-Bereich entstehen.

Außerdem würde die Bahn nicht berücksichtigen, dass durch den geplanten Erdinger Ringschluss nun eine Mehrzahl von Reisenden in Heimstetten in die S-Bahn steige und von dort zum Flughafen weiterfahre. Zudem solle die S-Bahnstrecke langfristig viergleisig ausgebaut werden. Dies bedeute eine deutliche Verlängerung der Unterführung auf zukünftig wohl eine Länge von 25 bis 30 Meter. Bei einer Breite von lediglich zweieinhalb Metern entstehe so „ein langer, schmaler Schacht mit bedrückender Atmosphäre“.

Auch berücksichtige die Bahn nicht, dass Kirchheim Veranstaltungsort für die Landesgartenschau 2024 sei. Erfahrungsgemäß würden eine Landesgartenschau täglich zwischen 1000 und 15.000 Personen besuchen, wobei die Anfahrt nicht über den Tag verteilt, sondern konzentriert verlaufen würde.

Erfreut über die Wendung in den Planungen zeigt sich Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl: „Unser kraftvoller Einsatz hat sich gelohnt! Jetzt kann der Bahnhofumbau, der mehr Komfort für unsere Pendler und bessere Mobilität für eingeschränkte Mitbürger bedeutet, endlich beginnen. Mein besonderer Dank gilt Staatsministerin Kerstin Schreyer und ihrem persönlichen Einsatz für unser Anliegen.“

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