Denkmalschutz hat kein Interesse, und die Gemeinde kein Geld

Abschied von Landshams Brennerei

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Mit dem Antrag auf Erlass einer Veränderungssperre wollte Plienings Gemeinderat und Vorsitzende des Heimatvereins Pliening Stefan Seizl den Erhalt der alten Brennerei in Landsham bewirken (HALLO berichtete).

Als der Antrag im Gemeinderat am Donnerstag behandelt wurde, waren die ersten Teile der Landshamer Brennerei bereits am Nachmittag zum Schuttberg geworden. Und so stand auch nicht der Erhalt der Brennerei, sondern die verwaltungstechnische Behandlung des Antrags im Mittelpunkt der Diskussion.

Ein Erwerb der alten Landshamer Brennerei übersteige die finanziellen Möglichkeiten der  Gemeinde Pliening, zudem habe man keinen Verwendungszweck für das Gebäude, so Bürgermeister Georg Rittler. Zuvor rügte er Stefan Seizl, der habe aus nicht-öffentlicher Sitzung zitiert und zugleich den Inhalt der Niederschrift nicht richt wiedergegeben. Die Zuschauer nahmen es zur Kenntnis – ohnehin fiel in dieser Sitzung des Öfteren auch von anderen Gemeinderäten der Hinweis: „Wir haben doch in der Klausur besprochen, hm …“ – und dann war Schwaigen, statt Information angesagt.

Der Denkmalschutz hatte keine Veranlassung gesehen, den Backsteinbau in Landshams Ortsmitte als erhaltenswert einzustufen. Seit geraumer Zeit steht die Brennerei Landsham samt 2.687 Quadratmeter Gelände zum Verkauf. In der Bauausschusssitzung am 13. September waren die formlosen Bauvoranfragen von zwei Investoren (sieben Reihenhäuser und ein Mehrfamilienhaus bzw. acht Reihenhäuser) aufgrund von nicht nachgewiesenem Parkplatzangebot und guter Erschließung abgelehnt worden. 

Seinen Antrag auf Veränderungssperre auf diesem Grundstück stellte Seizl am 17. September. Er begründete diesen wie folgt: Die grundsätzliche Absicht gemäß einem Beschluss am 20. April 2011 – (Anm.d.Red. nicht öffentliche Sitzung), das Brennerei-Areal als Gemeindebedarfsfläche auszuweisen, sei nicht mehr behandelt, ersetzt oder aufgehoben worden. Auch aufgrund des laufenden Bürgerbegehrens zum Erwerb/Erhalt scheint die Veränderungssperre geboten, so Seizl.

Rittler machte deutlich, dass einer Veränderungssperre die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Areal vorausgehen müsse. Auch das Konzept, was die Gemeinde auf dem Areal plane, fehlt. Allein der Beschluss einer Erhaltungssatzung hätte die Basis für das Ablehnen weitere Baugesuche sowie eine spätere Veränderungssperre bilden können, doch der fiel nicht.

Den inzwischen öffentliche Beschluss aus der nichtöffentlichen Gemeinderatsitzung vom 30. August, in dem mehrheitlich der Erwerb des Areals mit der alten Brennerei abgelehnt wurde, begründetet Rittler mit den fehlenden Finanzen im Plieninger Haushalt. Peter Schepanski (Neues Forum) nannte die Zahlen: So müsse man mit einem Kaufpreis von 1,3 Mio. Euro rechnen, hinzukommen Sanierungskosten zwischen 900.000 Euro und 1,8 Mio. Euro. Dem stünden 0 Euro Einnahmen gegenüber, da die geplanten Verwendungszwecke wie Vereinsräume oder kulturelle Veranstaltungen kein Geld bringen. Nicht zu vernachlässigen seien die laufenden Betriebskosten, meinte der ehemalige Plieninger Vereinskartellsvorsitzende. 

„Ich bin seit 28,5 Jahren im Gemeinderat. Jetzt ist einer der traurigsten Momente in dieser Zeit“, erklärte Seizl in einem ruhigen, fast schon tragenden Ton. Man sollte doch auf das Vereinsengagement vertrauen und nach Zuschussmöglichkeiten suchen. Günter Schuler versicherte Seizl, aufgrund seines vielseitigen Engagements in Vereinen wisse er, bei der Größenordnung in Millionenhöhe käme man allein mit dem Engagement der Vereine nicht weit. – A.R. – 

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