Tipps für Geschenke vom Spielexperte Chris Mewes

Die Welt spielend retten

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Das Angebot an Spielen ist riesig. Ob Karten-, Brett- oder Würfelspiel, auch in digitalen Zeiten erfreuen sich Spiele wie "Funkelschatz" enormer Beliebtheit.

Es ist nicht leicht, den Überblick über Spiel-Neuerscheinungen zu haben. Diesen allerdings hat der Aschheimer Chris Mewes, der in der Jury des „Spiel des Jahres“ ist. HALLO sprach mit ihm über Spiele, die unter dem Weihnachtsbaum platziert werden könnten.

Die Welt muss hin und wieder gerettet werden. Die Rettung der Menschheit lässt sich zum Beispiel bequem vom Kinosessel aus verfolgen. Ein anderes Mal geht die Welt unter, weil man keine Spielkonsole hat. Das Böse kann aber ebenso gut mit einem Brettspiel bekämpft werden. Bei „Pandemic Legacy Season 2“ herrscht Endzeit-Stimmung. „Ein Spiel, das von uns in diesem Jahr einen Sonderpreis bekommen hat“, schwärmt Chris Mewes, Mitglied der Spiel-des-Jahres-Jury. Der HALLO-Spielexperte aus Aschheim betont, dass dieses kooperative Spiel ganz klar für Spielprofis entwickelt wurde. Diese haben zwölf Monate Zeit für ihre anspruchsvolle Aufgabe, insgesamt sind das etwa 18 Stunden Spielzeit. „Hat man den Dezember gespielt, ist das Spiel zwar nicht mehr benutzbar, aber man blickt auf ein großartiges Spielerlebnis zurück“, heißt es in Mewes‘ Spiel-Rezension, die im Mai in HALLO erschien. Ende Oktober fand in Essen die internationale Messe „Spiel 18“ statt, in München zog jetzt im November zum 27. Mal die „Spielwiesn“ begeisterte Spieler vor allem aus Süddeutschland an. „Bei der Publikumsmesse in Essen zum Beispiel wurden 1400 Neuheiten präsentiert“, sagt Chris Mewes und fügt hinzu: „Für uns sind davon etwa 600 Neuerscheinungen interessant, nämlich die, die für den für den Otto-Normal-Spieler, für Kinder und Kenner infrage kommen.“ Die Jury des Spiel des Jahres suche nach Spielen, erklärt Mewes, deren Regeln auf Deutsch erklärt und die für jeden erhältlich sind. In diesem Jahr kürten Mewes und seine Jury-Kollegen „Azul“ zum „Spiel des Jahres“. „Funkelschatz“ überzeugte als „Kinderspiel des Jahres“ und „Die Quacksalber von Quedlinburg“ erhielt den Preis „Kennerspiel des Jahres“. „Bei einem Kennerspiel ist die Einstiegshürde höher, aber wenn du es kannst, spielt es sich wie geschnitten Brot“, so Mewes. „Die Quacksalber von Quedlinburg“ sei ein anspruchsvolles Familienspiel für Spielfans ab zehn Jahren mit hohem Wiederspielwert. „Das komplexe Regelwerk muss man sich allerdings erst mal erarbeiten“, so der Aschheimer Spielexperte. Ein empfehlenswertes Geschicklichkeitsspiel, mit dem die ganze Familie sehr viel Spaß hat, sei „Panic Mansion“. „Auf der Messe in München kam eine Familie mit zwei Kindern zu mir. Der Vater bat mich, seinen Kinder, sieben und neun Jahre alt, das Spiel zu erklären. Letztlich war es aber so: Die ganze Familie saß am Tisch und zappelte und schüttelte sich beim gemeinsamen Spielen vor Lachen. Es war herrlich“, erzählt Mewes. An einem Spiel wie diesem lasse sich gut der anhaltende Erfolg von analogen Spielen erklären. „Es gibt auch immer mehr kooperative Spiele, bei denen man miteinander ein Problem lösen muss“, so das Jury- Mitglied. „Man sitzt eben nicht alleine vor der Daddelkiste. Und die Kinder freuen sich, dass nicht nur sie am Spielen Spaß haben, sondern Mama und Papa auch.“ Für jüngere Kindern kommt „Funkelschatz“ als Weihnachtsgeschenk infrage. Drachenkinder entdecken einen Turm mit glitzernden Edel- steinen, doch dieser ist in einer Eissäule eingefroren. „Papa Drache muss helfen und mit seinem Feuer die Eissäule abschmelzen. Dieses Spiel macht Familien mit Kindern ab fünf Jahren an, denn alle spielen gemeinsam, trotzdem sammelt jeder für sich Punkte“, fasst Mewes zusammen. Rund 200 Mal habe Mewes auf der Münchner „Spielwiesn“ das diesjährige „Spiel des Jahres“ erklärt: „,Azul‘ zeigt Tiefe je häufiger du es spielst und ist optisch sowie haptisch einfach gut.“ Mitspielende Kinder sollten aber etwa acht Jahre alt sein. Und die wollen „Azul“ dann immer wieder spielen. „Man freut sich, dass man immer besser wird“, so Mewes. „So ein Spiel brauchen wir als Hauptpreis!“ Kinder ab zwölf Jahren lockt man dagegen mit „Atlantica“, einem Tauch-Abenteuer, an den Spieltisch. Ein komplexeres Würfelspiel ist „Ganz schön clever“. Würfel auf Abreißblöcken hätten ohnehin Saison. „Dass es auch ein Niveau höher geht, zeigt ,Ganz schön clever‘“, sagt Mewes. „Wir haben Freunde, die mit ihrem erwachsenen Sohn begeistert dieses Spiel spielen. Per WhatsApp schicken sie uns dann Fotos vom Ergebnis. ,Ganz schön clever‘ hat also definitiv einen Sucht-Faktor mit großem Wiederspielreiz!“ Ob Kinder oder junge Erwachsene, Brett-, Karten- und Würfelspiele werden nach wie vor begeistert gespielt. Und so bleiben zumindest eine Zeit lang Laptop, Playstation und Computer ausgeschaltet. „Analoges Spielen hat so viele Vorzüge“, bestätigt Mewes, „wie positive Einflüsse auf das soziale Verhalten und das strategische Denken.“ Und während die einen ein und dasselbe Spiel immer wieder spielen wollen, gibt es andere, die „heiß“ sind auf die Neuerscheinungen. Und davon gibt es viele! „In Aschheim führe ich eine Statistik, welche Spiele ausprobiert werden“, so Mewes, der seit 22 Jahren den Spieletreff in der Segenskirche veranstaltet. Waren es vor 15 Jahren 93 verschiedene Spiele pro Jahr gewesen, die beim Spieletreff ausprobiert wurden, sind es mittlerweile 195 Spiele, also mehr als doppelt so viele. „Es hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan, allein was die Spiel-Mechanismen angeht. In die Entwicklung von Spielen wird einfach viel Hirnschmalz gesteckt. Oft sind es Mathematiker oder Physiker, die hinter einem Spiel stecken.“ Ein Mikro-Biologe indes entwickelte das zum „Spiel des Jahres“ nominierte Kartenspiel „The Mind“, weiß Mewes. „Ein Spiel, das polarisiert“, so der Spielexperte. „Man muss sich darauf einlassen können. Mit Jury-Kollegen spielten wir es. Es wurde noch nie so wenig geredet und so viel gelacht!“ Welches Spiel jemanden gefalle, sei einfach eine Typ- frage, so Mewes. „Für fast jedes Thema im Leben gibt es auch ein Spiel — vom Wirtschafts- bis zum Feuerwehrspiel. Es gibt sogar ein Trump-Spiel, aber das ist schon 25 Jahre alt.“

Verena Rudolf

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