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Sie bringt alte Kunst zum Glänzen

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Vergolderin mit Leib und Seele, das ist Selina Heintz aus Aschheim. In der Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing bearbeitet sie derzeit Reliefs am Hochaltar. © tb

Schon vor hunderten von Jahren übten die Menschen den Beruf des Vergoldens aus – und zwar mit den gleichen Hilfsmitteln und Materialien wie heute. Selina Heintz will diesen Beruf trotzdem lernen. Mit ihrer Gesellenprüfung war die 25-jährige Aschheimerin sogar eine der besten im ganzen Bezirk. Dafür zeichnete sie die Handwerkskammer München und Oberbayern nun aus.

Ganz konzentriert und liebevoll trägt Heintz mit dem Pinsel, dem sogenannten „Anschießer“, die unglaublich feinen Goldplättchen auf ein Teil am Hochaltar auf. „Man muss echt aufpassen beim Atmen, dass die Goldplättchen nicht davon fliegen“, sagt sie und lacht. Die 25-Jährige liebt ihren Beruf als Vergolderin: „Das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass ich meine Gesellenprüfung so gut geschafft habe.“

Auf den Beruf der Vergolderin sei sie mehr oder weniger zufällig gestoßen. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur Restaurierung studieren. Dafür war ein Vorpraktikum nötig. „Lange überlegte ich, wo ich das absolvieren soll“, erinnert sie sich. Als sie schließlich im Internet auf das Inserat einer Vergolderfirma stieß, war die Entscheidung gefallen. Und weil der Aschheimerin das Praktikum so viel Spaß machte, verlängerte sie immer wieder – bis sie schließlich ihre Uni-Pläne über Bord warf und die Ausbildung zur Vergolderin begann.

Derzeit arbeitet die junge Frau in der Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing. Diese wird von Grund auf saniert, Selina Heintz vergoldet die Reliefs am Hochaltar, Teile von Apostelfiguren sowie goldene Kronleuchter, die die Wände der Kirche zieren. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man an solche alten, wertvollen Gegenstände ran darf, die sonst nur in Museen oder eben Kirchen zu finden sind“, schwärmt sie. Die 25-Jährige bedauert sehr, dass so wenige den Beruf des Vergolders überhaupt kennen. „Deswegen gilt er als aussterbend, nur sechs oder sieben Auszubildende sind es in ganz Deutschland in meinem Jahrgang gewesen.“ Dabei sei es so eine wundervolle Arbeit!

Besonders fasziniert die junge Frau, dass die Menschen vor hunderten von Jahren schon diesen Beruf ausübten, und zwar mit den gleichen Hilfsmitteln und Materialien wie heute. Heintz erklärt: „Auf die vorbereiteten Metallgegenstände wird zunächst eine Ölmixtion aufgetragen, diese dient als Bindemittel. Nachdem das Ganze getrocknet ist, kann das Blattgold angeschossen werden. Noch das überschüssige Gold entfernen und fertig.“ Natürlich sei dies nur eine der vielen verschiedenen Arten des Vergoldens. „Es ist ein sehr vielfältiger Beruf, einem wird nie langweilig“, sagt die 25-Jährige.

Auch ihren Meister möchte die Aschheimerin irgendwann machen, aber jetzt steht erst einmal das Sammeln von praktischen Erfahrungen an erster Stelle. Zeit, auf ihren guten Abschluss stolz zu sein, hat sie zum Glück aber dennoch...

tb

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