Im Tanz gegen die Unterdrückung

Autorin aus Heimstetten über ihren Roman „Tanz der Schäfflerin“

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Die Heimstettnerin Yngra Wieland zeichnet in ihren Romanen starke Frauenfiguren.

Die Heimstettnerin Yngra Wieland mag starke Frauen. In Ihrem Roman „Tanz der Schäfflerin“ schickt sie ihre Heldin Jakoba durch das München in der Zeit der Pest und des 30-jährigen Krieges.

Am Anfang steht immer eine Szene aus dem realen Leben. Bei Yngra Wielands Idee zu ihrem Buch „Der Tanz der Schäfflerin“ war es ein Schäfflertanz, der 2012 in München stattfand. Wieland sah ein kleines Mädchen, das einen Jungen im Schäfflerkostüm beobachtete. Begeistert rief das Mädchen: „Ich will auch Schäffler werden!“ In diesem Moment kam Wieland die zündende Idee für den historischen Roman. Denn nach der Tradition dürfen Frauen bis heute nicht bei den Schäfflern mittanzen.

Mit diesem Gedanken schickt Wieland ihre Protagonistin Jakoba auf eine Reise durch München im Jahr 1634 — eine Zeit der großen Pestwelle und des 30-jährigen Krieges. Zwei Drittel der Münchner Bevölkerung kam ums Leben. Jakoba ist die Tochter eines Schäfflermeisters. Als kleines Mädchen erlebt sie den Schäfflertanz nach einer Bedrohung durch die Pest. Seitdem wünscht sie sich, den Tanz der Fass- macher mitzutanzen. Doch dies ist ausschließlich den Gesellen der Zunft erlaubt. Als in München erneut die Pest ausbricht, überredet Jakoba ihren Vater dazu, den Schäfflertanz wieder aufleben zu lassen, um den Menschen Mut zu machen. Unerlaubt beobachtet sie, wie die Gesellen proben, übt im Geheimen die Schritte. Doch die Bäckerstochter Agnes, die es auf Jakobas Verlobten abgesehen hat, verrät sie. Für ihr lästerliches Verhalten wird die Schäfflertochter der Hexerei bezichtigt. Jakoba muss fliehen. Auf der Flucht lernt sie den Schäfflergesellen Sylvester kennen, der mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Gemeinsam beschließen sie, Jakobas Traum vom Tanz der Schäffler wahr werden zu lassen.

Geschickt verquickt Wieland in ihrem Roman historische Ereignisse und Orte in München mit den persönlichen Schicksalen ihrer Figuren. Statt ihre Leser mit Zahlen und Daten zu überfrachten, nimmt sie sie mit auf eine Zeitreise. „Geschichte ist doch viel interessanter, wenn man sie auch in eine Geschichte verpackt“, glaubt sie. Authentizität und gute Recherche sind ihr dabei dennoch wichtig. Dafür recherchierte sie in Stadtarchiven und bei den Münchner Schäfflern.

Wielands Interessen beim Schreiben sind vielfältig. Neben ihren drei historischen Romanen über den Schäfflertanz und das Flößerhandwerk schreibt sich auch zeitgenössische Belletristik, Fantasy und Kurzgeschichten sowie Ratgeber. Nur eine Sache zieht sich in ihren Büchern durch wie ein roter Faden. Im Zentrum stehen immer starke Frauen, die sich den Zwängen ihrer Zeit widersetzen. Denn das ist der Heilpädagogin für Psychotherapie wichtig. „In meinem Beruf erlebe ich es immer wieder, zu meinem Erstaunen, dass auch Frauen hierzulande sich immer noch von Männern abhängig machen und sowohl körperlich als auch seelisch unterdrücken lassen.“ Auch heute noch im aufgeklärten Deutschland, 100 Jahre nachdem das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, herrschen ihrer Meinung nach Ungerechtigkeiten vor. Diese zeigen sich in ungleicher Bezahlung und der Unterdrückung von Frauen. Durch ihre Protagonistinnen will sie Frauen Mut machen, sich im Leben auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Doch die Tradition der Schäffler zu durchbrechen, indem auch Frauen zugelassen werden, geht ihr zu weit. Den Schäfflertanz zu revolutionieren, hatte sie beim Schreiben des Romans nicht im Sinne. Alte Traditionen sollten erhalten bleiben — und neue geschaffen werden. „Mir geht es um tatsächliche Gleichberechtigung und vor allem darum, dass Frauen nicht der Gewalt von Männern ausgesetzt sind.“ Und wer weiß schon, was noch aus dem kleinen Mädchen wird, das den Zündstoff für den Roman lieferte. Vielleicht tut sie es der Romanheldin Jakoba doch nach? 

Lydia Wünsch

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