Das Leben vor mehr als 2000 Jahren

Archäologische Funde beim neuen Kirchheimer Gymnasium

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Kirchheims Gemeinde-Archäologin Jennifer Bagley erläutert die Fundstellen auf dem Kirchheimer Gymnasiums-Areal.

Dort, wo einmal die Kirchheimer Schüler im neuen Gymnasium lernen werden, sind derzeit die Archäologen tätig. Und sie haben auf dem Gelände die Überreste einer vorgeschichtlichen Siedlung entdeckt.

Für Jennifer Bagley, die Leiterin des Bajuwarenhofs und Archäologin der Gemeinde Kirchheim, kommen die Funde nicht überraschend. Schon beim Bau des derzeitigen Gymnasiums 1981 wurden Spuren der früheren Besiedlung Kirchheims gefunden. Dass auf dem Gelände des neuen Gymnasiums, das ja nur wenige Meter entfernt auf der anderen Straßenseite liegt, Funde aus früheren Tagen ans Licht kommen würden, sei deshalb zu erwarten gewesen. Zumal gerade in Kirchheim und im benachbarten Aschheim in den vergangenen Jahrzehnten überdurchschnittlich viele Entdeckungen gemacht worden seien.

Dies könnte mit der Lage der beiden Orte zusammenhängen. Sie lagen einst am südlichen Ende des Erdinger Mooses. Der Boden war trocken genug, um Siedlungen zu bauen und Landwirtschaft zu betreiben, das Grundwasser war gleichzeitig mit nur wenigen Metern tiefen Brunnen zu erreichen. Ideal für Menschen in vorgeschichtlicher Zeit. Und so stammen die ersten Nachweise einer menschlichen Besiedlung des Kircheimer Gemeindegebiets aus der späten Steinzeit. Von da an war der Ort an unterschiedlichen Stellen durchgehend besiedelt.

Die Funde auf dem Gelände des neuen Gymnasiums sind nicht ganz so alt. Sie stammen nach den derzeitigen Schätzungen aus der Eisenzeit, sind also über 2000 Jahre alt. Und auch wenn die bisherigen Relikte eher wenig spektakulär sind, geben sie den Archäologen um Grabungsleiter Stefan Sandbichler viele Hinweise auf die damaligen Lebensbedingungen. Wie etwa die Fragmente eines Mühlsteins aus Sandstein. Denn der kommt in Kirchheim gar nicht vor. Er stammt wohl aus dem Voralpenland und belegt damit die frühen Handelsbeziehungen.

Wie nachhaltig die Menschen damals lebten, zeigen zwei weitere Funde: Teile eines Hirschgeweihs und ein Stück eines Ziegenhorns. Beide Teile wurden bearbeitet und als Griffe für Messer oder Werkzeuge verwendet, wie der stellvertretende Grabungsleiter Carl Göderz erläutert.

Ob die jetzt gefundene Siedlung die Fortsetzung der bereits bekannten auf der Seite des alten Gymnasiums ist, steht derzeit noch nicht fest. Noch fehlen Funde, die diese Annahme beweisen könnten. Doch Jennifer Bagley ist sich ziemlich sicher, dass diese noch zutage gefördert werden. Schließlich ist erst rund ein Drittel der Fläche untersucht. „Wir hoffen vor allem darauf, einen Brunnen zu finden“, erklärt die Gemeinde-Archäologin. Denn dort sind häufig aussagekräftige Relikte wie Tonscherben zu finden.

Zeit für entsprechende Untersuchungen ist noch. Denn „die Gemeinde Kirchheim hat sich bewusst entschieden, den Oberbodenabtrag bereits in diesem Jahr anzugehen und so Zeit für die archäologischen Ausgrabungen zu schaffen, ohne dass der Zeitplan für den Gymnasiums-Neubau im nächsten Jahr dadurch beeinflusst wird“, erklärt Martina Görner, Projektleiterin für Kirchheim 2030.

350 Befunde hat die archäologische Begleitung des Oberbodenabtrags bisher erbracht. Dabei handelt es sich überwiegend um Siedlungsbefunde, die 17 vorgeschichtlichen Gebäude zugeordnet werden konnten. Die von Norden nach Süden ausgerichteten Langhäuser zeichnen sich auf dem Gelände deutlich ab, wobei sich die meisten Gebäude direkt westlich der Heimstettner Straße konzentrieren.

Aber werden die heutigen Kirchheimer die Spuren ihrer Vorfahren einmal selbst zu Gesicht bekommen? Jennifer Bagley hofft darauf. Denn die Funde sollen wenn möglich im Besitz der Gemeinde bleiben und auch öffentlich ausgestellt werden. In welcher Form, wird derzeit diskutiert, so die Archäologin. Und auch das Ausgrabungsgelände werden Interessierte wohl selbst genau unter die Lupe nehmen können. „Wir planen eine öffentliche Führung“, erklärt Bagley. Ein Termin steht noch nicht fest, der könne aber „sehr kurzfristig“ angesetzt werden. 

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