Alle Jahre wieder: Neubibergs Feuerwehrkommandant schmeißt hin

Zu wenig Wertschätzung

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Neubiberg, Andreas Lindner, ist am 12. Dezember zurückgetreten, nur ein Jahr nach dem Rücktritt seines Vorgängers Dr. Markus Hardi.

Als Gründe nannte Lindner, dass „die Gemeindeverwaltung die Arbeit der FFW zu wenig wertschätzt und offene Punkte nicht oder nur schleppend bearbeitet“. Laut Feuerwehrgesetz muss innerhalb von drei Monaten eine Neuwahl des Kommandanten erfolgen. Bis dahin fungiert der derzeitige Stellvertreter, Matthias Schäfer, als „Notkommandant“.

Die Reaktionen der Gemeinderäte darauf in der Ratssitzung am 16. Dezember reichten von „Hammermitteilung“ Bernhard Rott (CSU) bis zu einem Appell Elisabeth Stettmeiers (FW.N@U ), nicht nur jetzt sondern auch nach der Wahl zu Veranstaltungen der Feuerwehr und auch anderen Einrichtungen und Vereine zu gehen, um sich zu informieren und Interesse zu zeigen, was nicht nur Aufgabe des Bürgermeisters sondern auch der Gemeinderäte sei.

In einem Gespräch mit HALLO erläuterte Lindner seine Rücktrittsgründe: So sei beispielsweise seit dem Sommer das mangelnde Brandschutz-Konzept im REWE-Markt nicht bearbeitet worden. Bereits unter seinem Vorgänger habe es dort mit einer Privatfirma eine Begehung gegeben, die eine Mängelliste zur Folge gehabt habe, weil Vorschriften nicht eingehalten worden seien, die der Feuerwehr ihre Arbeit im Notfall erst ermöglichen oder erleichtern würden. Bis dato habe die Feuerwehr keinerlei Informationen über den gesamten Vorgang erhalten.

Auch ein dringend notwendiges Halteverbot an der Zisterne vor dem Aragebäude sei immer noch nicht ausgesprochen. Dort sind seit Einzug der Montessori- und inzwischen auch der Ballettschule sehr viele Kinder im Gebäude. Bei einem Brand würde das Wasser aus dem Hydrantennetz nicht ausreichen. Das Gebäude wurde von der FFW nach einem Standardverfahren beurteilt und das daraus errechnete Brandschutzkonzept sieht vor, dass Wasser aus der dort vorhandenen 160 Kubikmeter fassenden Zisterne in der Kameterstrasse bei Löscharbeiten benötigt wird: „Das kann aber nur auf kurzem Weg abgepumpt werden, weshalb ein Halteverbot vor der Zisterne nötig ist, um der Feuerwehr den Zugang zu sichern“ so Lindner.  

Auch auf diese Anfrage habe der Kommandant keine Informationen erhalten, auch darüber nicht ob beispielsweise die Zisterne überhaupt noch intakt sei und ausreichend Wasser führe. Zwar habe die Gemeinde zugesichert, das Aragebäude und den REWE-Markt im 2. Halbjahr zu begehen, doch seien keine Ergebnisse an die Feuerwehr weitergeleitet worden. 

Ebenso nannte Lindner die seit Jahren fehlende Lagerfläche im Keller des Gerätehauses, die bei mehreren Gesprächen mit dem Bürgermeister angesprochen worden seien. Dort lagert die Gemeinde bzw. der Bauhof weiterhin Dinge, die vom Junimarkt übrigbleiben, sodass kein Platz für Geräte der Feuerwehr sei. „Mit den Feuerwehrkameraden hat es gut gepasst, es hat Spaß gemacht und wir waren ein gutes Team“ so Lindners Fazit. 

Baldige Gespräche

Bereits in der Gemeinderatssitzung wurde ein runder Tisch bzw. ein Feuerwehrausschuss angeregt: im Januar will sich Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U)  baldmöglichst zu einem Gespräch mit der FFW zusammensetzen.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat in derselben Sitzung eine Erhöhungen für Streckenkosten, Kosten für Ausrückestunden der Fahrzeuge sowie für die Einsatzstunden der ehrenamtlichen Feuerwehrdienstleistenden zum 1. 1. 2014 und passte diese damit dem neuen amtlichen Muster vom 30. Juni 2013 an.

Feuerschutz gehört wie auch der Katastrophenschutz und die Abwasserbeseitigung – außerdem die Bauleitplanung, die Anlage und der Unterhalt von Kindergärten, Horten, Schulen sowie von Friedhöfen – zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde, für die sie auch die finanzielle Verantwortung trägt. Bis auf die Stadt München, die eine Berufsfeuerwehr hat, haben alle Gemeinden im Landkreis Freiwillige Feuerwehren. Die dort Aktiven haben alle einen Hauptberuf und engagieren sich in der FFW ehrenamtlich, sie erhalten lediglich eine Aufwandsentschädigung.

CEN  

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