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Unterföhringer Erfolgsgschichte

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Ulrich Huber, Technischer Leiter GEOVOL, Natascha Kohnen, Unterföhrings Bürgermeister Franz Schwarz, Jutta Schödl SPD-Fraktionsvorsitzende, Prof. Dr. Peter Paul Gantzer und Peter Lohr, Geschäftsführer GEOVOL (v. l. n. r.) an der Entnahmebohrung, an der das Thermalwasser aus der Erde an die Oberfläche gefördert wird. 	Foto: privat
Ulrich Huber, Technischer Leiter GEOVOL, Natascha Kohnen, Unterföhrings Bürgermeister Franz Schwarz, Jutta Schödl SPD-Fraktionsvorsitzende, Prof. Dr. Peter Paul Gantzer und Peter Lohr, Geschäftsführer GEOVOL (v. l. n. r.) an der Entnahmebohrung, an der das Thermalwasser aus der Erde an die Oberfläche gefördert wird. Foto: privat

Im Rahmen einer Informationstour durch alle Gemeinden des Landkreises München machten die SPD-Landtagsabgeordneten Natascha Kohnen (Stimmreis München-Land-Süd), und Prof. Dr. Peter Paul Gantzer (München-Land Nord) im Dezember Station in Unterföhring, um sich u.a. über das Unterföhringer Geothermieprojekt, die Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder sowie die Planungen für die Erweiterung der Grundschule zu informieren.

Bei der ersten Station, der GEOVOL Unterföhring GmbH im Etzweg, gaben Bürgermeister Franz Schwarz und der Geschäftsführer der GEOVOL, Peter Lohr, zunächst eine Darstellung der Historie des Geothermieprojektes. Dessen wichtigste Meilensteine waren der Grundsatzbeschluss des Gemeinderates zur Sicherung der Bergbaurechte 2005, die Gründung der GEOVOL Unterföhring GmbH als Erschließungs- und Betreibergesellschaft im Jahr 2007 , die Niederbringung der Bohrungen in den Jahren 2008 und 2009, die Aufnahme der Wärmelieferungen im Jahr 2009 sowie die Einweihung der Energiezentrale und der Umzug der GEOVOL Verwaltung in den Etzweg im Jahr 2010. Die GEOVOL Unterföhring GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde Unterföhring. 57 Prozent der potentiellen Nutzer angeschlossen Seit 2008 wird in insgesamt fünf Bauabschnitten ein Fernwärmenetz mit einer Gesamtlänge von 20 km im Norden und der Mitte der Gemeinde errichtet, dessen Bau bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein wird. Die südlichen Gemeindegebiete werden zunächst nicht beliefert, da die dortigen Haushalte derzeit noch aufgrund einer Vereinbarung über ein von den Stadtwerken München errichtetes Leitungsnetz mit Fernwärme aus dem Heizkraftwerk Nord versorgt werden. Aktuell werden rund 1800 Haushalte in 300 Gebäuden mit Erdwärme versorgt, darunter 80 Prozent aller gemeindlichen Gebäude und große Firmen im Gewerbegebiet „up“ östlich der S-Bahnlinie. Das entspricht eine Quote von 57 Prozent aller möglichen Abnehmer. Günstige geologische Voraussetzungen Peter Lohr erläuterte anschließend die günstigen geologischen Voraussetzungen für die Nutzung von Erdwärme im gesamten Landkreis München. Die wasserführende Gesteinschicht, der so genannte Malmkarst, befindet sich im Raum München in Tiefen zwischen 1500 m(Norden) und 3000 m (Süden). Da die Temperatur pro 100 m um ca. 3 bis 4 °C zunimmt, hat das aus gut 2500 m an die Oberfläche geförderte Grundwasser eine Temperatur von ca. 87 °C bei einer möglichen Fördermenge von ca. 75 l/s. Damit können in jeder Sekunde 9 Millionen Joule Wärme bereitgestellt werden, eine Wärmemenge mit der 25 l Leitungswasser zum kochen gebracht werden können. Geologische Berechnungen haben nachgewiesen, dass dieses Wärmeangebot durch die permanent vom Erdkern in Richtung Erdoberfläche nachströmenden Wärme in erdenklichen Zeiträumen nicht abnimmt. Damit ist die Geothermie eine äußerst ressourcenschonende und nachhaltige Form der Bereitstellung von Wärmeenergie. Das gesamte System besteht aus 3 Kreisläufen: Der Thermalkreislauf, in dem das Wasser mit 87 °C aus der Entnahmebohrung gefördert und bei Volllast mit ca. 55 °C über die Schluckbohrung wieder in den Boden zurückgeleitet wird, dem Netzwasserkreislauf, der die Wärme nachdem er sie in der Energiezentrale vom Thermalwasserkreislauf mittels eines Wärmetauschers übernommen hat, zu den zu beheizenden Gebäuden transportiert und dem Heizwasserkreislauf, der die Wärme von der im Gebäude installierten Übergabestation übernimmt und zu den Verbrauchern (Heizkörper, Warmwasserbereiter) transportiert. Die Übergabestation ersetzt in den mit Geothermiewärme versorgten Gebäuden den Heizkessel. Zum Abschluss seiner Ausführungen erläuterte Peter Lohr die weiteren Ausbaupläne des Projektes. Diese sehen die Niederbringung von zwei weiteren Bohrungen vor, um die geplante Erhöhung des Wärmeangebotes auf 30 Millionen Joule pro Sekunde zu realisieren. Den Abschluss des Besuches bildete eine Führung der Gäste durch das Betriebsgelände und die Energiezentrale. Dabei erläuterte der technische Leiter der GEOVOL, Ulrich Huber, die Pumpentechnik, die für die Wärmeübertragung eingesetzten Apparate (Wärmetauscher) sowie das Rohrleitungssystem. Für die Förderung des Thermalwassers und auch des Netzwassers werden aus Energieeffizienzgründen Pumpen eingesetzt, deren Drehzahl elektronisch an die aktuell benötigte Fördermenge angepasst wird. Als eine der wenigen Wärme-netzbetreiber arbeitet die GEOVOL mit Wärmetauschern aus titanlegiertem Stahl, um durch die hohe Korrosionsbeständigkeit dieses Werkstoffes maximale Betriebssicherheit zu erzielen. Natascha Kohnen und Prof. Dr. Peter Paul Gantzer zeigten sich nicht nur von dem Projekt und seiner professionellen und zügigen Umsetzung beeindruckt, sondern lobten auch die große Allgemeinverständlichkeit des Vortrages, der sich durch die zahlreichen Interessierten Fragen zu einem intensiven Zukunftsdialog entwickelte, der neben der Projektpräsentation auch kritische Fragen, wie die Kürzung der Förderung des Baus von Fernwärmenetzen durch die KfW und die Zusammenarbeit mit den Behörden vor dem Hintergrund verteilter Zuständigkeiten zum Inhalt hatte.

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