Wegen zu hoher Kosten

Aus für Sportpark in Unterföhring: Gemeinde begräbt 100-Millionen-Euro-Projekt

Die Visualisierung der Gemeinde zeigt den Sportpark mit Schwimmbad, Fußballfeldern und einem Rugbyplatz.
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Die Visualisierung der Gemeinde zeigt den Sportpark mit Schwimmbad, Fußballfeldern und einem Rugbyplatz.
  • Benedikt Strobach
    VonBenedikt Strobach
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Aufgrund zu hoher Kosten stoppt Unterföhring sein größtes Projekt - dafür muss die Gemeinde nun scharfe Kritik einstecken. Wie es mit dem Gelände weitergeht ...

Unterföhring - 98 Millionen Euro war man bis zuletzt noch bereit zu zahlen. Jetzt ist Schluss: Wegen der nun doch zu immensen Kosten hat die Gemeinde Unterföhring den geplanten Bau des Sportparks an der Mitterfeldallee, direkt gegenüber des neuen Schulcampus, gestoppt. Dieser Empfehlung aus dem Finanzausschuss ist der Gemeinderat mit großer Mehrheit gefolgt.

Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer: Viele Parallel-Projekte und Unsicherheit durch Corona führten zum Projekt-Stop

„Es tut mir in der Seele weh. Verwaltung, Gemeinderat, Planer – alle haben ihr Herzblut in das Projekt gesteckt. Aber so, wie es jetzt ist, können wir es nicht mehr weiterverfolgen“, erklärt Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer. Gründe seien die unsichere Finanzentwicklung durch Corona, aber auch die vielen derzeit laufenden Bauprojekte. „Wir haben unsere Kläranlage, den Bauhof, das neue Rathaus und die Sanierung der Grundschule in der Bahnhofstraße“, sagt Kemmelmeyer.

Bürgermeister von Unterföhring: Andreas Kemmelmeyer (PWU).

Dazu kommen noch einige Wohnbauvorhaben und das neue Feuerwehrgerätehaus – also auch ohne Sportpark Kosten von über 100 Millionen Euro. Hinzu kämen Unterhaltskosten von 2,5 bis vier Millionen pro Jahr. Trotz des Baustopps muss die Gemeinde nun für Planer und Grabungen auf dem Gelände südlich der Mitterfeldallee fast 20 Millionen Euro zahlen. Das sei nicht nur rausgeworfenes Geld: „Wir konnten dort im Boden gelagerte Altlasten entfernen“, sagt der Bürgermeister.

Sportpark Unterföhring: Örtliche CSU-Fraktion hat Idee für weiteres Vorgehen

Was nun mit dem bisher ungenutzten Gelände geschehe, müsse sich der Gemeinderat überlegen, sagt Kemmelmeyer. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir den Radweg vom S-Bahnhof über die neue Brücke an der Mitterfeldallee bis zum Bahnweg nach Süden verlängern.“ Der Vorschlag von Manfred Axenbeck, Fraktionssprecher der CSU, das Projekt in abgespeckter Form doch zu realisieren, fand im Gremium keine Mehrheit.

Nach Ende des Projekts Sportpark: scharfe Kritik von der SPD-Fraktion

Kritik gibt es im Nachgang von der SPD-Fraktion. „Wir haben in jeder Finanzausschuss-Sitzung gewarnt, zu viele Projekte parallel zu realisieren“, erklärt der Vorsitzende Philipp Schwarz. Er wirft der Verwaltung „blinden Aktionismus“ und „Was-kostet-die-Welt?“-Denken vor. Das Projekt Sportpark zu beenden, sei alternativlos, sagt Schwarz. „So weit hätte es aber nicht kommen müssen, wenn man in der Vergangenheit sorgsamer mit dem mehr als großzügigen Rücklagenpolster umgegangen wäre.“

Der Bürgermeister kann das nicht nachvollziehen. „Alle Vorhaben wurden einstimmig oder mit großer Mehrheit vom Gemeinderat beschlossen.“ Ein Alleingang des Verwaltungschefs seien die Projekte nicht. „Ich bin nur eines von 25 Gremiums-Mitgliedern. Selbst, wenn ich wollte, könnte ich das nicht alleine beschließen.“

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