Umdenken in Unterföhring

Der Etzweg (Bildmitte) auf der Ostseite des Gewerbegebiets Unterföhring Park galt lange Zeit als die absolute östliche Bebauungsgrenze der Gemeinde Unterföhring. Nun haben die Gemeinderäte beschlossen, die Vorhaltefläche für Sport nördlich des Sportzentrums an der Jahnstraße (oben links) aufzugeben und in den Osten des Etzwegs zu verlegen. Auf welcher Höhe die Fläche im Flächennutzungsplan eingetragen wird, werden letztlich die Verhandlungen der Gemeinde mit den Grundstückseigentümern ergeben. In Frage kämen sowohl Flächen nördlich des Unteren Aschheimer Wegs (in der Bildmitte waagerecht zum Feringasee führend) als auch südlich davon, an das Gewerbegebiet angrenzend. Foto: Vermessungsamt

Nördlich des nun bestehenden Sportzentrums in Unterföhring wird es keine weiteren Sportflächen und -stätten mehr geben. Bei ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr beschlossen die Gemeinderäte mit großer Mehrheit, den Flächennutzungsplan entsprechend zu ändern und einen weiteren Sportpark nur östlich des Etzwegs zu planen. Jetzt ist die Verwaltung beauftragt, geeignete Flächen zu finden.

Mit der Entscheidung, in den Osten des Etzwegs und damit in die freie Fläche des Unterföhringer Mooses zu gehen, bricht der Rat mit einem Grundsatz, der alles bisherige Handeln der Gemeinde bestimmt hatte: Das Areal östlich des Etzwegs wird nicht angetastet. Viele Jahre konnte man sich daran auch ohne Probleme halten, aber mittlerweile schwappt der Siedlungsdruck aus der Stadt München auch in die Umlandgemeinden. Unterföhring mit seinen gerade mal 1280 Hektar Fläche muss sich über seine weitere Entwicklung Gedanken machen. Als im Flächennutzungsplan eine große Fläche nördlich des Sportzentrums an der Jahnstraße als Vorratsfläche für Schule, Sport und soziale Einrichtungen festgelegt worden war, gab es noch keine so restriktiven Vorschriften für den Immissionsschutz bei Lärm und Licht an Sportstätten wie heute. Ebenso wenig war es vorstellbar, dass Unterföhrings Wohngebiete einmal in den Osten, auf die andere Seite der Bahngleise, wachsen könnten. Inzwischen liegt ein solches Szenario nicht mehr allzu fern, schließlich werden derzeit in Unterföhring Süd die letzten Bauräume im Westen zugebaut. So hatte die SPD-Fraktion den Antrag gestellt, man möge den Flächennutzungsplan ändern und die weitere, geplante Sportfläche an den Osten des Etzwegs verlegen. Auf der neu auszuweisenden Fläche sollten Fußballfelder in ausreichender Anzahl, mit Zuschauertribüne, Leichtathletikanlagen, eine Halle für Stockbahnen, Nebenräume, Platzwartwohnung, Infrastruktur und Parkplätzen entstehen. Langfristig heißt es in dem Antrag, müsse das Defizit an Freisportflächen in Unterföhring ausgeglichen werden. Soll Unterföhring weiter wachsen? Und wo? „Östlich des Etzwegs war immer tabu und nun soll das in großer Dimension aufgebrochen werden“, kritisierte Johann Zehetmair (PWU) das Vorhaben. Künftigen Gemeinderäten nehme man so die Möglichkeit, vielleicht doch noch eine Ortsumfahrung zu bauen. „Eleganter wäre es, den neuen Sportpark westlich vom Etzweg und nördlich der Geovol vorzusehen.“ Das fand auch Lorenz Ilmberger (CSU): „Ein Sportzentrum gehört näher an den Ort dran.“ Den Kostenaspekt brachte Ilmbergers Fraktionskollege Josef Ebert ins Gespräch: „Wir haben so viele Bauprojekte und machen jetzt ein weiteres auf, wir dürfen die Unterhaltskosten nicht vernachlässigen“, mahnte er. Und: „Wir kämpfen um halbe oder ganze Verwaltungsstellen und dann kommen solche Brocken auf uns zu.“ Seine Sorge um die Folgekosten sei durchaus berechtigt, sagte Bürgermeister Franz Schwarz zu Josef Ebert, allerdings ersetze die neu zu planende Sportfläche ja die Flächen in der Isarau, „da werden die Folgekosten nur verlagert“. Auf eine Ortsumgehung zu hoffen sei dagegen mutig. Auf 250 Millionen Euro habe man Anfang 2000 bei der Ortsentwicklungsplanung die Kosten für eine eventuelle Ortsumgehungsstraße geschätzt, ohne Grunderwerbskosten. „Wir reden hier von einer Anlage in der Größenordnung einer Bezirkssportanlage und die Zeiten sind vorbei, zu denen ein Sportplatz als Freude im Wohngebiet angesehen wurde.“ „Unterföhringer Moos ade – das wird kommen“, prophezeite Manfred Axenbeck (PWU). „Es tue Unterföhring gut, an ein Wohnen östlich der Bahn zu denken.“ Er wünsche sich, dass Unterföhring nicht weiter wachsen würde, hielt Johann Zehetmair dagegen. „Es täte Unterföhring gut, mal durchzuschnaufen.“ „Ich hoffe auch, dass es noch 30, 40 Jahre dauert, aber wir können keine Käseglocke über die Gemeinde stülpen und wenn Unterföhring wachsen kann, dann nur im Nordosten“, meinte darauf Thomas Weingärtner (SPD). Letztlich stimmten die CSU-Fraktion sowie Günther Ernstberger und Johann Zehetmair von der PWU gegen die Änderung des Flächennutzungsplans. Die große Mehrheit von SPD und PWU war dafür, dass die Verwaltung nun im Osten des Etzwegs nach geeigneten Grundstücken sucht. Die Vorratsfläche nördlich des bestehenden Sportzentrums bleibt für Schule und soziale Zwecke erhalten, wird aber verkleinert werden. Kerstin Bühring

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