Drei lustige Moosacher

Trauriger Schicksalsschlag: Waggi Schneiders Kampf gegen Borreliose

Waggi Schneider und sein Radl. Der Hit „Ja mir san mitm Radl da“ machte den Volksmusiker berühmt.
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Waggi Schneider und sein Radl. Der Hit „Ja mir san mitm Radl da“ machte den Volksmusiker berühmt.

Moosach: Seine Auftritte waren Kult - jetzt kämpft Volksmusiker Waggi Schneider gegen Borreliose.

Der Kopf glüht, im Knie pocht Schmerz – seit drei Monaten leidet Waggi Schneider an Borreliose. Jeden Tag wird ihm eine Infusion in die Venen gejagt. Es ist nicht der erste Schicksalsschlag, mit dem der Volksmusiker („Ja mir san mitm Radl da“) umgehen muss. Der Mord seiner Ehefrau kurz nach der Geburt des gemeinsamen Kindes erschütterte sein Leben in den 70er-Jahren.

Zu diesem Zeitpunkt schreibt Waggi Schneider mit den „Drei lustigen Moosachern“ gerade Erfolgsgeschichte. Ob Heino, Maria Hellwig oder Karl Dall, die drei Moosacher stehen mit jeder Größe des Showbusiness auf der Bühne. In Bayern, in den USA und in Kanada. In 47 Ländern verkaufen sie ihre Platten, Volksmusik und das Klischee eines Paradebayers, der den ganzen Tag kartelt, Witze macht, Bier trinkt – und Radl fährt. Mitten in dieser Zeit, als Waggi Schneider an 300 Abenden im Jahr auf der Bühne steht, sein Sohn gerade mal zwei Jahre alt ist, passiert das Unfassbare: Seine Frau wird ermordet, brutal erstochen von einem Nachbarn. „Er war eifersüchtig. Eigentlich wollte er meinen Sohn töten, doch meine Frau stellte sich dazwischen“, erzählt der heute 83-Jährige. Und seine Frau bezahlt dafür mit ihrem Leben. Eine Tragödie, die den gebürtigen Moosacher noch heute beschäftigt. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke“, sagt er. „Sie war meine große Liebe.“

Wenige Monate später steht Schneider wieder auf der Bühne. Das Publikum will ihn sehen und – mit ihm lachen, obwohl der Mord Schlagzeilen gemacht hatte. „Es war entsetzlich“, sagt Schneider heute. Trotzdem bleibt er im Showgeschäft ganz oben. Die Stammtischplatten des Trios, auf dem er und seine Kollegen Hans und Schorsch Witze erzählen, finden reißenden Absatz. Sie geben die Platte heraus, die in jener Zeit die bestverkaufte in München war. Und Waggi Schneider schreibt den Song „Ja mir san mitm Radl da“, der ihm in seiner Fassung unsterblichen Ruhm verleiht.

Jahrzehntelang sind die „Drei lustigen Moosacher“ von den Bühnen der Volksmusik nicht wegzudenken, bis Hans Döring plötzlich in der Silvesternacht 1999 stirbt. „Er hatte einen Schlaganfall“, erzählt Schneider. „Und war sofort tot.“ Nie wieder tritt die Band danach auf. Und Waggi – der eigentlich Rudolf heißt, dem seine Oma aber lieber einen Münchner Namen geben wollte – widmet sich wieder seinem Sport und seiner Familie. Waggi Schneider hat sein privates Glück ein zweites Mal gefunden: Er hat sich in eine Skilehrerin aus Österreich verliebt, mit der er eine gemeinsame Tochter hat. Mit seinem Sohn hat er bis heute eine enge Beziehung.

Im Hausflur hängen bei ihm Relikte aus der Zeit im Showgeschäft: eine goldene Schallplatte, Urkunden und Pokale sowie etliche Sportabzeichen.

Dreimal war er als junger Mann bayerischer Meister in Leichtathletikdisziplinen geworden, einmal deutscher Meister und 1952 nahm er an den olympischen Spielen in Helsinki teil. Vor zwei Jahren knackte er noch einmal einen Deutschlandrekord: im Staffellauf in der Altersgruppe Ü80. „Wir haben gewartet, bis wird 80 waren – in der Altersgruppe vorher hätten wir keine Chance gehabt“, sagt Schneider und grinst. Jetzt wartet er darauf, dass die Behandlung anschlägt. „Dann kann ich endlich wieder Sport machen und Radlfahren.“

Hanni Kinadeter

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