Starthilfe für Schüler: So klappt’s mit der Lehre!

Job-Mentoren vermitteln Firmen Jugendliche mit schlechten Noten, aber guter Einstellung

München Noch vor einem Jahr sah Sabines Zukunft nicht gerade rosig aus. Die zurückhaltende Schülerin der Eduard-Spranger-Schule im Hasenbergl hatte schlechte Noten, auf ihre Bewerbungen hagelte es Absagen. „Keine Lehrstelle zu finden, war das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte“, erinnert sich die 16-Jährige. Dass es anders kam, verdankt sie sich selbst – und Ille Sophie Schalk, die ehrenamtlich im Auftrag des Stadtjugendamtes als Job-Mentorin arbeitet. „Sabine war sehr leise, aber jeden Freitag da, wenn wir an der Schule waren – ich hab gemerkt, sie will unbedingt“, erzählt Schalk, die für ihren Schützling ein zweiwöchiges Praktikum organisierte. In der Metzgerei und Feinkost Raab durfte Sabine ihre zukünftige Chefin überzeugen, dass sie ein guter Lehrling wäre. „Ich hatte so Angst, dass sie nicht pünktlich sein würde, denn sie musste um 6 Uhr anfangen und braucht eine Stunde in die Arbeit – aber sie sagte nur, dass schafft sie schon“, erklärt Schalk. Sabine war jeden Tag pünktlich – und überaus fleißig. „Sie sieht, was zu tun ist, ohne dass man es ihr sagt“, lobt Auguste Raab, die ihr nach dem Praktikum eine Lehrstelle anbot. Mittlerweile arbeitet Sabine nun schon seit fünf Monaten in der Metzgerei, in der Berufsschule ist sie sogar Klassenbeste. „Sie ist nicht wiederzuerkennen, sie hat soviel Selbstbewusstsein gewonnen“, betont Schalk. Der Weg von Sabine ist eine Erfolgsgeschichte, von denen es einige gibt. An Schulen mit Job-Mentoren liegt die Vermittlungsquote für Lehrstellen im Durchschnitt zehn Prozent höher. „Das Wichtigste ist es, mit den Schülern realistische Berufswünsche herauszuarbeiten und Tipps für Bewerbung und Vorstellungsgespräch zu geben“, so Schalk. Dazu müssen auch Lehrer, Rektoren und Schulsozialarbeiter zusammenhelfen. Aber durchbeißen müssten sich die Schüler selbst. Maren Heußler Wer Job Mentor werden will – Telefon: 23 34 99 14, E-Mail: be-stja.soz@muenchen.de "Mit 14 fällt es schwer, sich für einen Beruf zu entscheiden und zu motivieren" Interview mit Wolfgang Thoennissen vom Stadtjugendamt Wieso hat das Stadtjugendamt 2006 das Job-Mentoring gestartet? Der Anteil an Hauptschülern, die eine Lehrstelle bekamen, war von 45 auf 25 Prozent gesunken. Und je mehr Hauptschüler keine Lehrstellen bekommen, desto mehr landen in sozialen Maßnahmen. Wir wollen die Vermittlungsquote auf 50 Prozent bekommen. Wie soll das Job Mentoring Programm dabei helfen? Mittlerweile gibt es 25 Mentoren an 14 Schulen – Selbstständige, Ruheständler, pensionierte Pädagogen. Der Mentor stellt, in Zusammenarbeit mit den Kammern und Innungen, Lehrstellen bereit und sucht in der Schule geeignete Kandidaten und bereitet sie auf das Vorstellungsgespräch vor. Nach Lehrstellenbeginn steht er als „Notfallmanager“ für die Dauer der Probezeit zur Verfügung. Wo liegt das Problem der Hauptschüler? Von 450 Lehrberufen stehen ihnen nur rund 30 zur Verfügung. Einige werden von vornherein gemieden – wie Bäcker oder Stellen in der Gebäudereinigung. Es fällt ihnen schwer, für Ihre Interessen und Fähigkeiten den richtigen Beruf zu finden und oft können sie sich nicht motivieren. Sie sind um die 14, mitten in der Pubertät und oft nicht gut in der Schule. Wir versuchen ihnen aufzuzeigen, was sie nach abgeschlossener Lehre für Möglichkeiten haben, und sie zu motivieren. Wie kann man Firmen überzeugen, Lehrstellen zur Verfügung zu stellen? Wir nehmen ihnen Arbeit ab – oft gibt es 120 Bewerbungen auf vier Stellen. Wir sortieren vor, schauen uns Leute an. So kommen sie zu Mitarbeitern, die vielleicht nicht die besten Noten haben, aber bei denen Einstellung, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Freundlichkeit stimmen. Wir haben gutes Feedback, aber wir müssen noch viel mehr Arbeitgeber davon überzeugen – nicht nur große Firmen, sondern auch mittlere und kleine Betriebe, Handwerker und Ärzte. heu

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