Der Sepp mag nicht mehr

Hasenbergl: Nach 45 Jahren hört der Eiermann auf – Verkauf rentiert sich nicht mehr

Hasenbergl Der Sepp hätte gern weitergemacht. Zwei Jahre lang noch, bis er 70 ist, hätte er gern Eier an der Blodig-straße im Hasenbergl verkauft. Das macht er schon seit 1963, also 45 Jahre lang. Doch am 31. Juli ist Schluss damit, dann hört der Sepp auf, geht in Ruhestand. Aber nicht, weil ihm die Arbeit zu beschwerlich geworden wäre – für Josef Betz rentiert sich das Geschäft einfach nicht mehr, die Unkosten fressen den Gewinn auf. Denn seit das Einkaufszentrum an der Blodigstraße geschlossen wurde und das MIRA an der Nordheide aufmachte, ist der Umsatz am Eierwagen um 50 Prozent zurückgegangen. „Mir wird das hier alles sehr fehlen“, sagt der Sepp, der seit Jahrzehnten keinen richtigen Urlaub mehr gemacht hat. Wie auch? „Der Sepp war immer da“, sagt Ursula Schneider (72). Immer mittwochs und freitags von 6.30 bis 18.30 Uhr und samstags von 6.30 bis 13.30 Uhr. Dienstags und donnerstags hat er früher Großkunden wie Krankenhäuser beliefert. Doch auch das hat sich vor drei Jahren aufgehört. „Es wird gespart, wo es nur geht“, sagt der 68-Jährige. Der Sepp wird wehmütig, wenn er an seinen letzten Tag im Hasenbergl denkt. „Mir hat das hier immer so viel Spaß gemacht mit den Leuten“, betont er. Seine Kundschaft sei stets freundlich und höflich gewesen, Kundinnen hätten ihm sogar öfters Kaffee gebracht. Eine von ihnen ist Ursula Schneider. „Ich kenne den Sepp, da war er noch ein Kind“, sagt sie. Schon mit seiner Mutter habe der Germeringer immer Eier im Hasenbergl verkauft, seit 1963 hat er seinen eigenen Stand. Wenn Ursula Schneider ihre eigenen Kinder suchte, wusste sie immer, wo sie zu finden waren: „Entweder beim Eiermann Sepp, oder beim Gemüsehändler, dem Richard.“ Dass der Sepp jetzt aufhören muss, bricht der 72-Jährigen das Herz. „Der Sepp gehört doch zum Hasenbergl wie der Kirchturm. Dieser Mann hat das Viertel geprägt“, betont sie. Dabei sei der Sepp nie nur „der Eiermann“ gewesen. An seinem Stand habe sich Jung und Alt getroffen, „es gab immer etwas zum Ratschen“, merkt Ursula Schneider an. Und wer Probleme und Kummer hatte, der ging zum Sepp. „Ich kenne ganze Familiengeschichten“, bestätigt der 68-Jährige. Auch für Therese Lehner (77), die seit 1962 im Hasenbergl wohnt, ist es ein Schock, dass der Sepp aufhört. „Auf ihn war doch immer Verlass“, sagt sie. Egal bei welchem Wetter, „der Sepp war immer da“. Selbst wenn er krank war – zurzeit steht er mit gebrochenem Zeh in seinem Wagen. „Wenn der Sepp geht, verlieren wir wieder ein Stück Heimat“, merkt Ursula Schneider an. Nach und nach werde so das Hasenbergl aussterben – wenn nicht bald das alte Einkaufszentrum wieder mit Leben gefüllt werde. Der Sepp wird die Entwicklung des Viertels auf jeden Fall beobachten: „Ich komme bestimmt zu Besuch hierher zurück“, sagt er. Die übrige Zeit möchte er endlich wieder mehr Radfahren, Zeit mit seiner Familie verbringen und den Garten pflegen. Denn dafür blieb die letzten 45 Jahre keine Zeit. Tanja Bitterer

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